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ZDF-Krimi aus der Reihe „Unter anderen Umständen“: Gekonnt inszeniertes Verwirrspiel

  • Mit „Für immer und ewig“ geht die ZDF-Krimireihe „Unter anderen Umständen“ in ihre 18. Folge.
  • Diesmal geht es um eine Tote in Flensburg – und als Täter oder Täterin kommt gleich eine Reihe an Personen infrage.
  • Der Zuschauer wird bei den Ermittlungen aufs Virtuoseste verwirrt: So machen Krimis Vergnügen, findet RND-Autor Ernst Corinth.
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Wenn bei einem Fernsehkrimi bis zum Schluss offen ist, wer der Täter oder die Täterin ist, dann haben der Regisseur und sein Autor vermutlich vieles richtig gemacht. So verhält es sich im Fall von „Für immer und ewig“, der bis dahin mit viel Liebe für kleine Details und mit überzeugenden Darstellern spannend geraten ist.

Inszeniert hat diese insgesamt 18. Folge aus der bewährten Reihe „Unter anderen Umständen“ Regisseurin Judith Kennel, die schon seit den Anfängen 2006 dabei ist. Auch das Kernteam um Kommissarin Jana Winter (Natalia Wörner) blieb unverändert. Nur Drehbuchautorin Elke Rössler ist neu.

Gemordet wird schnell

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Gemordet wird schnell in diesem Krimi: Eine noch recht junge Frau wird in ihrem Haus am Rande von Flensburg tot aufgefunden. Offenbar wurde sie mit einem Seil erdrosselt, auch eine Vergewaltigung ist nicht ausgeschlossen. Und da das Seil und auch andere Umstände Winters Mitarbeiterin Alwa Sörensen (gespielt mit nordischem Zungenschlag von der Schwedin Lisa Werlinder) an einen gut 15 Jahre alten Mordfall erinnern, gerät der damalige Täter Jan Littkovski (Karsten Antonio Mielke) erneut ins Visier der Ermittler. Allerdings sitzt er in einer Flensburger Haftanstalt, hat aber kurz vor seiner baldigen Entlassung regelmäßig Freigang – auch am Tag des Mordes.

Nur ein Zufall? Littkovski war auch zufällig am Mordabend bei seiner Verlobten Doreen Hahn (stark: Bettina Stucky), die genau gegenüber von dem Tatort wohnt und die an diesem Tag mit ihm angeblich Geburtstag in ihrem Haus gefeiert hat. Doch dieses Alibi zerplatzt schnell, als sich herausstellt, dass er die kleine Feier nach einem Streit verlassen hatte.

Der Fall scheint also klar zu sein, obwohl die Häufung von Zufällen die Ermittler skeptisch macht. Besonders Winters Kollege Matthias Hamm (Ralph Herforth) mag sich nicht festlegen: Für ihn ist Littkovskis Verlobte die Hauptverdächtige – aus guten Gründen. Im Verlauf des Films tauchen noch weitere Verdächtige auf, die alle ein Motiv für den Mord hatten.

Zuschauer wird ständig auf falsche Fährten gelockt

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Auch der Zuschauer wird so ständig auf falsche Fährten gelockt mit Spuren und Indizien, die scheinbar eindeutig sind und sich plötzlich doch als Irrtum herausstellen. Dieses Verwirrspiel, von dem der Film lebt, ist gekonnt inszeniert. Daher weiß man manchmal wirklich nicht mehr, was Wahrheit, Zufall oder Lüge ist. Das ist überaus unterhaltsam und macht den Film besonders sehenswert.

Dazu gibt es amüsante kleine Details, die allerdings nur aufmerksame Zuschauer entdecken werden – beispielsweise ganz kurze Slapstickeinlagen. Besonders schön ist eine Szene auf dem Gnadenhof von Hahns Vater, in der Kommissarin Winter von zwei Eseln verfolgt wird. Außerdem gibt es in der zweiten Hälfte einen Rollenwechsel, als Winter wegen eines zu robusten Einsatzes beurlaubt wird, und ihr Kollege Hamm die Ermittlungen leiten muss – natürlich äußerst kollegial, man versteht und schätzt sich in diesem Team.

Familiärer Touch

Auch der familiäre Touch dieser Reihe, der wohl für die beständig guten Einschaltquoten mitverantwortlich ist, spielt wieder eine Rolle: In einer Randepisode wird Winters 14-jähriger Sohn auf einem Moped von der Polizei erwischt. Um das seiner Mutter beizubringen, bittet der Junge ihren Kollegen, den gutmütigen Arne Brauner (Martin Brambach), um Hilfe.

Gespielt wird der junge Mann übrigens von Wörners leiblichem Sohn Jacob-Lee Seeliger, der von Anfang an – mit einer kurzen Unterbrechung – immer wieder kleine Auftritte in dieser Reihe hatte und mit ihr gewissermaßen groß geworden ist.

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Das Beste kommt aber ganz am Schluss, als in der letzten Filmszene die Doppeldeutigkeit des Titels amüsant vorgeführt wird. Gezeigt wird dabei ganz nebenbei, dass es keine Gefängnisgitter braucht, um einen Menschen für immer und ewig einzusperren.

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