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„Zack Snyder’s Justice League“ bei Sky – Gerechtigkeit für einen Superhelden-Film

  • Einer der unstimmigsten Superheldenfilme war vor vier Jahren „Justice League“ – wohl, weil es mit Zack Snyder und Joss Whedon zwei Regisseure gab.
  • Comicfans gingen auf die Barrikaden, starteten den Hashtag #ReleaseTheSnyderCut.
  • Der ist ab 18. März bei Sky zu sehen und um Längen besser (und auch länger) als das Original.
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Natürlich ist es immer noch lächerlich, wenn ein Bösewicht aus einer anderen Dimension oder irgendwoher sonst Steppenwolf heißt (wie das Tier, der Roman von Hermann Hesse oder das Album von Maffay). Man kann zudem kaum ernst nehmen, dass alle Welt an drei Dingsbumse mit Weltvernichtungs­potenzial will, die „Mutterboxen“ heißen. Und wenn Steppenwolf brüllt: „Wo ist die Mutterbox?“ klingt er (abgesehen von der Stimme) wie Klein Gustav, dem die Kita-Fieslinge wieder einmal das Brotzeit-Tupperzeug versteckt haben.

Batman könnte sich den Stimm­verfremder eigentlich sparen

Apropos Stimme: Wenn eh jeder unter seinen Heldenkollegen von der Gerechtigskeitsliga weiß, dass sich hinter Batmans Kostüm der superreiche Bruce Wayne versteckt, weshalb nutzt er dann noch den „Öch bön Bättmännn!“-Röchelstimm­verzerrer?

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Ansonsten: Chapeau, Zack Snyder, für „Zack Snyder’s Justin League“. Eine der konfusesten, leb- und lieblosesten Comicverfilmungen aller Zeiten ist jetzt ein ansehnlicher Film geworden. Snyder hatte sein Werk 2017 in den letzten Zügen verlassen, nachdem sich seine Tochter Autumn (der der neue Schnitt gewidmet ist) Anfang 2017 das Leben genommen hatte.

Die #ReleaseTheSnyderCut-Leute hatten recht

Die Nachproduktion und die Nachdrehs hatte Kollege Joss Whedon („Avengers“, „Avengers: Age of Ultron“) übernommen, angeblich lockerte er die Düsternis auf. Aber nach Durchsicht des hektischen, uncoolen Zweistundengetöses wollte man eine Weile keine Comicfilme mehr sehen. Keine Figur zog einen in diesen Film, und die stolze Amazone Diana alias Wonder Woman war nur noch für ein wenig Sexappeal zuständig.

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Dank der Hartnäckigkeit der Comicfilm-Aficionados, die #Release­TheSnyder­Cut starteten, zeigt sich jetzt, dass das Publikum ein Gespür für das Bessere hat und die Studioentscheider eben nicht. Dass so eine Kampagne überhaupt fruchtet, gehört zu den guten Nachrichten des Kino-, pardon, des Streamingjahres 2021.

Zur Handlung: Der bei seinem Imperator Darkseid in Ungnade gefallene andersweltige Raubritter Steppenwolf (Ciaran Hinds) muss mit seinen Paradämonen genannten Heuschrecken­monstern noch Zigtausende Welten plattmachen, bevor ihn sein Chef wieder in den alten Job hieven will. Jetzt ist die Erde dran, drei bei Amazonen, Menschen und im unterseeischen Atlantis versteckte Mutterboxen muss Steppenwolf zwecks Apokalypse synchronisieren.

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Batman (Ben Affleck) hat von der Bedrohung Wind bekommen, er will eine Verteidigungs­allianz aufbauen, aber nur Wonder Woman (Gal Gadot) steht ihm im Abwehrkampf bedingungslos zur Seite. Meeresprinz Aquaman (Jason Momoa), ein misanthropischer Dienstverweigerer mit Dreizack, ziert sich, und auf die Teenies Cyborg (Ray Fisher – tragisch, weltabgewandt) und The Flash (Ezra Miller – Spider-Man-haft linkisch, unreif) allein will man sich auch nicht verlassen.

Superman fehlt, er ist tot (siehe den Vorgängerfilm „Superman vs. Batman: Dawn of Justice“ von 2016). Allerdings können Mutterboxen „Rauch wieder in ein Haus verwandeln“ (Batman). Warum also nicht …? Flugs geht es auf den Friedhof, und der Man of Steel wird exhumiert. Man hätte sich mal besser vorher den Film „Friedhof der Kuscheltiere“ angeguckt.

In der Länge liegt die Würze – mehr Tiefe, stärkere Figuren

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Die Story ist immer noch hanebüchen, zugegeben. Sie ähnelt irgendwie auch dem, was die „Avengers“ von der Marvel-Konkurrenz mit dem Weltvernichter Thanos und den Infinitysteinen anstellten (die DC-Filmuniversumsleute sagen, hätte alles geklappt, wäre ihr Film früher im Kino gewesen).

In der Länge liegt indes die Würze. Man muss als Zuschauer Zeit mitbringen, die man sonst für eine Miniserie aufwendet – mit 232 Minuten ist die Zack-Snyder-Version üppiger als Cecil B. DeMilles „Zehn Gebote“ (220 Minuten), William Wylers „Ben Hur“ (224 Minuten) oder David Leans „Lawrence von Arabien“ (228 Minuten). Aber sie wirkt nicht mehr wie das Zwei-Stunden-Original von 2017, bei dem Warners Motto „Schmeißen wir den Mist ins Kino und sammeln schnell das Geld ein“ gewesen zu sein schien.

Die Charaktere haben viel mehr Zeit, sich zu entfalten, die düsteren, farbentsaugten Bilder schaffen eine durchweg bedrohliche Atmosphäre. Nicht so düster wie in Christopher Nolans „Dark Knight“-Trilogie. Aber beklemmend genug, um in unsere deprimierende Gegenwart zu passen.

Snyder hat zudem Spaß am Zitieren. Wenn der wiedergeborene, noch amnesierte Clark Kent mit Laseraugen reihum Militärfahrzeuge beschädigt, erinnert er an den Roboter Gorn, der in Robert Wises Sci-Fi-Klassiker „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ (1951) den angeschossenen Außerirdischen Klaatu verteidigte. Und wenn Aquaman vor Steppenwolf seinen Dreizack in den Boden rammt, fehlt nur noch ein markiges „Du kannst nicht vorbei!“ und man hätte hier eine Coverversion des Gefechts zwischen Zauberer Gandalf und dem (Steppenwolf äußerlich recht ähnlichen) Balrog aus Peter Jacksons „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ (2001).

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Was noch? Wohl nicht jeder kleinen Nebengeschichte hätte es im Regisseursschnitt bedurft, Mr. Snyder. Der Einsatz von Popsongs ist nicht immer stimmig. Einige Zeitlupen wirken gespreizt.

Der neue Epilog, über den nicht allzu viel verraten werden soll, ist jedoch ein hübscher kleiner Seitenhieb auf die anhaltende Liebe der Autoren des Fantastischen zu Multiversen und alternativen Zeitlinien. Und die Helden-Streetwear? Supermans neuer schwarzer Dress ist echt supie. Ein richtiger Hingucker mit dem silbernen Logo auf der Brust. Sieht aus, als hätte Batmans Schneider zu Nadel und Zwirn gegriffen.

„Zack Snyder‘s Justice League“, bei Sky, 232 Minuten, Regie: Zack Snyder, mit Ben Affleck, Gal Gadot, Jason Momoa, Henry Cavill, Amy Adams, Willem Dafoe (ab 18. März)

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