Wo die Sumpfzypresse flüstert – die DC-Serie “Swamp Thing” bei Sky

  • Ein Wissenschaftler will im Bayou rätselhaften Vorgängen auf den Grund gehen und wird in ein Pflanzenwesen verwandelt.
  • Und eine CDC-Mitarbeiterin gerät in ihrer Heimatstadt an die Geister der Vergangenheit.
  • “Swamp Thing” (Start am 9. Oktober bei Sky) ist ein vielversprechender Mix aus Horror und Drama aus dem Comic-Haus DC.
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Im Sumpf von Louisiana stehen Bäume, die flüstern. Tausend Jahre sind sie alt, miteinander verrankt und verwurzelt, Zeugen von allerhand düsteren Geschehnissen und Missetaten. So wissen sie auch, wie Shauna Sunderland damals wirklich starb und welche Anteil Abby Arcane wirklich an ihrem Ableben hatte. Und sie lassen in Alec Hollands Hände ihre Bilder dieser Ereignisse einfließen, wenn er ihre Stämme berührt. Denn Holland ist einer der ihren geworden – durch einen unergründlichen floralen Hokuspokus.

Als der Biologe (Andy Bean) im Auftrag des reichen Unternehmers Avery Sunderland (Will Patton) einer Infektion aus den Sümpfen nachging, wurde er von einem dunklen Kapuzenmann aus seinem Boot geschossen. Und der Sumpf nahm sich des sterbend Versinkenden an, zog ihn hinab und verwandelte ihn in das “Swamp Thing”, in ein Pflanzenwesen, das Hollands Erinnerungen und Charakter aufnahm.

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Eine Pflanze mit Beinen und Stimme

Eine Gewebeprobe unterm Mikroskop zeigt chlorophyllgrüne Zellteilung in einem Dingsbums, das Beine und eine Stimme hat – mit der es das Wissen der Bäume bezeugen könnte. Wobei es natürlich kaum Bestand hätte, beriefe sich ein Wesen, das aussieht wie ein gut gesottener wandelnder Wirsing auf eine Sumpfzypresse als Zeugen. Wahrscheinlich würde es schon vor Erreichen des Gerichtsgebäudes niedergestreckt.

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Warner Brothers hat sich des DC-Monsters “Swamp Thing” angenommen. Der Protagonist der nun schon zweiten “ST”-Serie (nach “Das Ding aus dem Sumpf”, 1990 – 1993) lebt in derselben Welt wie Superman und Batman. Helden mit Capes spielen aber keine Rolle, hier sind Gotham und Metropolis fern. Das kleine Marais ist vielmehr Horrorhausen, wo ruhelose Geister und tödliche Halluzinationen die Menschen heimsuchen.

Ach du grüner Gore! James Wan ist unter den Produzenten

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Der Sumpf in dieser Serie ist eine schwarze Nacht der Mystery, die Lichtlein, die hier glimmen, vergrößern die Beunruhigung des Betrachters eher als Trost zu spenden. Die merkwürdige Infektion lässt die mehrheitlich ärmlichen Einwohner des Nestes Marais erst Grünzeug spucken, bis sie – von Gezweig und Wurzelwerk durchdrungen – auf gespenstische Weise sterben. “Saw”-Macher James Wan ist unter den Produzenten, Magenumdreher und Jumpscares sind also genau getimt. Die Kamera scheint immer auf der Lauer zu sein, die Musik klingt wie die Lauer selbst.

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Hinzu kommt das menschliche Drama: Abby (Crystal Reed), eine Mitarbeiterin des Centre for Disease Control, die in ihre Heimatstadt zurückkehrt, um sich den Geistern der Gegenwart und der Vergangenheit zu stellen, wird das nötige “love interest” und die “Stimme” für das Ding. Sie wird von Shaunas Vater (merkwürdig!) willkommen geheißen, von ihrer Mutter (Virginia Madsen) verflucht. Ein korrupter Ladysheriff (“Flashdance”-Star Jennifer Beals) hat eine Affäre mit Papa Sunderland, dessen sardonisches Grinsen einen keine Sekunde glauben lässt, er wolle seinen ärmlichen Mitbürgern tatsächlich den versprochenen “Wohlstand aus den Sümpfen” zukommen lassen. Dass der Bayou verrückt spielt, hält man entweder für ein direktes Ergebnis von Sunderlands Machenschaften oder für Ausdruck einer sich gegen sein Vorgehen wehrenden Natur.

Trash und Ernst – zu guter Unterhaltung verquirlt

Trash und Ernst vermischen sich in dieser Serie von Gary Dauberman und Mark Verheiden aufs Unterhaltsamste. Dazu tritt das “ökologische” Potential von “Swamp Thing”, das schon im berühmten Relaunch des britischen Comicmaestros Alan Moore in den Neunzigern äußerst präsent war, und dem Betrachter allzeit die Botschaft ins Hinterstübchen packt, man solle doch schleunigst mit dem brachialkapitalistischen Untertanmachen der Erde aufhören. Der Provinzfürst Sunderland erscheint zudem allzeit als tödlicher Kleinstadtcaesar, Heiland der Hillbillies, Warnung davor, den Populisten weiterhin das Politfeld zu überlassen.

Kaum zu glauben, dass “Swamp Thing” schon in der ersten Staffel gecancelt wurde. Dabei sind Grünlinge Dauersympathen: der Yoda und das Yodababy aus “The Mandalorian” sowieso, aber im Grunde auch die Grummelköpfe Shrek und Hulk. Von Zoff hinter den Kulissen und zu hohen Produktionskosten war die Rede. Aber: Das nächste Halloween kommt bestimmt. Lasst diese Serie nicht versumpfen, DC!

“Swamp Thing”, bei Sky, zehn Episoden, von Gary Dauberman und Mark Verheiden, mit Andy Bean, Crystal Reed, Will Patton, Start am 9. Oktober

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