„Wilsberg“: 25 Jahre auf Mörderjagd in Münster

  • Seit 25 Jahren jagt der grummelige Antiquar „Wilsberg“ Mörder in Münster.
  • Eine Begegnung mit Leonard Lansink und seinem Kumpel Oliver Korittke zum Jubiläumsfall am Samstag im ZDF.
  • Im Gespräch versichert der Hauptdarsteller, auch nach 65 Mörderjagden „weitestgehend unerkannt“ durch seine westfälische Heimat laufen zu können.
Jan Freitag
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Münster. Deutsche Krimis sind voll besonderer Duette. Fußballfans ermitteln mit Aristokraten und Liebespaare mit Soziopathen, Vollprofis mit Sekretärinnen und Privatdetektive mit Rechtsanwälten, Sehende mit Blinden und Fahnder mit Hackern, Schauspieler mit Til Schweiger und immer wieder Hunde mit Bullen. Dieses Gespann aber war schon echt besonders besonders, als es sich vor 25 Jahren am Bildschirm verpaarte: Georg und Manni.

Der eine Antiquar mit Spürsinn, der andere Stadtrat mit Pensionsanspruch, lösten die zwei Schulfreunde am 20. Februar 1995 – lange vorm „Tatort“ der Spaßkanonen Boerne/Thiel – im beschaulichen Münster ihr Mordfalldebüt. Und wer weiß – hätte sich das Personal von „Wilsberg“ nicht zweimal an entscheidender Stelle geändert, womöglich wäre es ähnlich populär wie Liefers/Prahl an gleicher Stelle. Schließlich galten die Hauptdarsteller Joachim Król und Heinrich Schafmeister seinerzeit als Hoffnungsträger im boomenden Comedymarkt.

Joachim Król spielte als Erster den „Wilsberg“

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Wie sieben Jahre später beim oft unfreiwillig komischen ARD-Krimi „Donna Leon“, verabschiedete sich Król jedoch bald vom oft freiwillig unkomischen „Wilsberg“ und räumte den Titelfigurposten für Leonard Lansink, während der ulkige Schafmeister ab Folge 15 vom MTV-Hipster Oliver Korittke ins zweite Glied gedrängt wurde. Doch obwohl Georg Wilsberg auch mit dem Finanzbeamten Ekki Talkötter beharrlich sechs Millionen Zuschauer hat, bleibt die Samstagsreihe unterm Radar der Aufmerksamkeitsgesellschaft. Im Gespräch jedenfalls versichert der Hauptdarsteller, auch nach 65 Mörderjagden „weitestgehend unerkannt“ durch seine westfälische Heimat laufen zu können.

Wer sich den Jubiläumsfall, oder schlimmer noch: Nr. 66 vom 11. Januar ansieht, findet dafür allerdings auch allerhand dramaturgische Ursachen. Auch diese zwei Fälle können sich nämlich nie entscheiden, ob sie noch Komödie oder schon Klamauk sind. Wie Heinrich Schafmeisters Manni dekliniert auch Kommissar Overbeck (Roland Jankowsky) den Klobrillengläserhumor von „Sketchup“ durch, während Wilsbergs Fastgeliebte Anna (Rita Russek) ständig grimassiert, statt zu agieren. Wenn Wilsberg heute nach Norderney reist, um – ausgerechnet zum Reihengeburtstag ohne Ermittlungspartner Ekki – einen erzählerisch wirren, darstellerisch grotesken Erbschaftsstreit zu lösen, entzieht sich also auch „Wellenbrecher“ jeder Art von Modernisierung.

„Wilsberg“: Serie entzieht sich jeder Art von Modernisierung

Gerade das aber macht ihn auch seltsam liebenswert. Warum, dafür zitiert Leonard Lansink seinen Drehbuchlehrer und erntet dafür zustimmendes Nicken von Oliver Korittke einen Stuhl weiter: „Gib den Leuten, was sie erwarten, aber überrasch’ sie dabei“. Anders ausgedrückt: Keine Experimente. So lautet seit langem schon die Adenauer-Formel fürs öffentlich-rechtliche Hauptprogramm, das zwar tagtäglich mehr Morde sammelt, als die polizeiliche Kriminalstatistik im ganzen Jahr, dabei aber beharrlich harmloser bleibt als der KiKa.

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Andererseits sorgt genau diese Mischung aus Zivilisationsbruch und Harmonie dafür, dass es „Wilsberg“ nach „Ein starkes Team“ zur zweitältesten Krimireihe diesseits von „Tatort“ und „Polizeiruf“ geschafft hat. Das Geheimnis ist eine Art augenzwinkernder Seriosität, die Lansink und Korittke seit 2005 verfeinern: Hier der verlässlich-grummelnde Ex-Anwalt, dort der unkonventionell-sachliche Steuerprüfer, beide auf detektivischem Abweg, den man ihnen vielleicht deshalb leicht abnimmt, weil beide Darsteller, wie es der jüngere nennt, „auch privat ein freundschaftliches Verhältnis haben, ohne befreundet zu sein.“

Vor dem Hintergrund will der Berufsjugendliche von auch schon 51 Jahren mit seinem „erwachsensten Kumpel“ noch 100 Folgen vollmachen. Mindestens. „Ein bisschen existenzieller“, ergänzt der angesprochene Mittsechziger mit behaglichem Ruhrpottakzent, „dürfen die Fälle dafür aber schon mal werden“. Will heißen: echter, rauer, irgendwie menschlicher. Drollig hatten sie schließlich 67 Folgen lang mehr als genug.

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