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Fragen & Antworten zur Folge

Wiener „Tatort“: Gibt es in der Kirche wirklich immer noch Exorzisten?

Ein Highlight des "Tatorts": Die junge Nathalie (Maresi Riegner) scheint - glaubhaft - von einem Dämon besessen.

Ein Highlight des "Tatorts": Die junge Nathalie (Maresi Riegner) scheint - glaubhaft - von einem Dämon besessen.

Ein im „Befreiungsdienst“ - also dem Exorzismus - tätiger Priester findet sich am Fuße einer Wiener Kirchentreppe. In seiner Hand: ein Amulett mit Satanssymbol. Sicher, der Wiener „Tatort: Das Tor zur Hölle“ mit den Ermittelnden Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) strotzte geradezu vor Klischees. Man war sich nicht immer sicher, ob der Film sein Thema ernst nahm, dabei hätte man dies durchaus tun können.

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Tatsächlich gibt es auch heute noch Exorzismus. Man muss ihn noch nicht mal mit der Lupe oder in obskuren Freikirchen suchen. Im Gegenteil: Die „Anfragen“ nach Teufelsaustreibungen, vor allem innerhalb der katholischen Kirche, steigen in manchen Regionen seit Jahren. Haben sich Prozeduren und Sichtweisen verändert? Und welche „natürliche Erklärung“ gibt es für Symptome der Besessenheit?

Worum ging es?

Der getötete Priester befand sich mitten in einem Exorzismus-Projekt, das von Okkultismusforscherin Tea Berkovic (Angela Gregovic) und Psychiater August Sittsam (Sven Eric Bechtolf) begleitet wurde. Dabei spielte mal wieder eine Figur aus Bibis Vergangenheit eine wichtige Rolle: Ex-Zuhälter Günther Dambusch (Roland Düringer) schien mehr über den Fall zu wissen.

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Doch der Mann lebte in einer nervösen Furcht vor den Kräften eines diffusen Bösen und war deshalb sparsam mit seinen Informationen. Moritz Eisner und Bibi Fellner, die außerdem noch von Gruselträumen aus ihrer Kindheit verfolgt wurde, drangen ein in die Welt des Okkultismus und suchten gar nach einem echten „Tor zur Hölle“ in Wien. Potzblitz!

Worum ging es wirklich?

Besonders subtil war es nicht, was der erfahrene österreichische Autor und Regisseur Thomas Roth in diesem Krimi in Sachen Okkultismus zusammengezimmert hat. In dieser Satanismus-Nummernrevue übernahm die träumende Bibi der Part der verunsicherten „weltlichen“ Beobachterin, während ihr Kollege Moritz Eisner als Spötter auftrat. Irgendwie hatte man das Gefühl, der Krimi nähme sein Sujet nicht richtig ernst.

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Eine Einstellung, die meist in einer „Klamotte“ endet, was der ORF-Krimi auch war. Nur bei einer Figur wurde es wirklich gruselig: Immer dann, wenn die 31-jährige österreichische Schauspielerin Maresi Riegner als vom Dämon Besessene auftaucht, lief einem ein Schauer über den Rücken. Riegner spielte übrigens auch die junge Nonne im Münchener Kloster-“Tatort: Wunder gibt es immer wieder“ vom Dezember 2021.

Gibt es in der Kirche tatsächlich noch Exorzisten?

Der Begriff „Exorzismus“ geht zurück auf das griechische Wort „exorkizein“, zu Deutsch „beschwören“. Das heißt: „jemanden inständig anrufen und dazu veranlassen, etwas zu tun.“ In der katholischen Kirche gibt den „Großen Exorzismus“ seit 1614. Seine Prozeduren laufen nach wie vor so ab, wie man es aus vielen Filmen kennt, inklusive „Besprechung“ des Besessenen durch den Exorzisten, Weihwasser etc. Im „Großen Exorzismus“ der derzeit gültigen „Römischen Rituale“ - eine Reform gibt es erst sein 1999 - ist festgelegt, dass nur katholische Priester, die vom jeweiligen Ortsbischof beauftragt werden, befugt sind, die Worte zu sprechen und damit Menschen von der „Bedrängnis“ oder gar der Besessenheit durch Teufel und Dämonen zu befreien.

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1999 hat gar die Weltgesundheitsorganisation WHO „Trance- und Besessenheitszustände“ in ihr Diagnoseschema aufgenommen - und zwar „unter dem Druck von Psychiatern aus der Dritten Welt“, wie der Innsbrucker Sozialpsychiater Hartmann Hinterhuber 2013 der österreichischen Wochenzeitung „Die Furche“ erzählte.

Der tragische Fall von Klingenberg

In Österreich und der Schweiz spricht man vonseiten der Kirche offener von Exorzismus als in Deutschland. Doch warum? Experten führen dies immer noch auf einen Fall im unterfränkischen Klingenberg aus dem Jahre 1976 zurück, der auch in den Filmen „Der Exorzismus der Emily Rose“ (2005) oder Hans-Christian Schmids „Requiem“ (2006) thematisiert wurde. In Klingenberg starb die 24-jährige Anneliese Michel nach 76 exorzistischen Sitzungen an Entkräftung. Die Tochter konservativer und von Marienfrömmigkeit geprägter Eltern, die an Epilepsie litt, hatte die mehrmonatige Prozedur nicht überlebt.

Geht es derzeit wieder mehr um Exorzismus - und wenn ja: warum?

Corona, Putin, Klimakatastrophe: Es gibt viele gute Gründe, heute wieder an eine archaische Idee „des Bösen“ in der Welt zu glauben. Immerhin schreibt das 1999 reformierte Kirchenrecht vor, dass der „Große Exorzismus“ bischöflich beauftragten Priestern vorbehalten ist, die verpflichtend mit Ärzten zusammenarbeiten müssen. Oft lassen sich bei den „Besessenen“ psychiatrische Krankheitsbilder ausmachen - was nicht heißen soll, dass ein „Exorzismus“ als Ritual den Betroffenen nicht helfen mag.

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Fast jeden Tag findet inmitten des aufgeklärten Deutschlands ein Exorzismus, eine Teufelsaustreibung, statt. Zumindest recherchierte dies Marcus Wegner 2009 in seinem Standardwerk „Exorzismus heute. Der Teufel spricht deutsch“. 2020 recherchierte „Der Stern“ zum Thema Exorzismus in der Schweiz und stellte fest: Laut der evangelischen Beratungsstelle „Relinfo“, wo man sich über Exorzismus informieren kann, hat sich die Zahl der Teufelsaustreibungen zwischen 2012 und 2017 verdreifacht.

Welche anderen „Tatorte“ beschäftigten sich zuletzt mit dem Okkulten?

Ausflüge in die Welt des Teufels und des Okkulten haben dem „Tatort“ in den letzten Jahren selten gutgetan. Der Stuttgarter Fall „Hüter der Schwelle“ (2019) war einer der schwächsten der in den letzten Jahre fast stabil herausragenden Schwaben-„Tatorte“. Auch das experimentierfreudige Frankfurter Revier tat sich mit dem Horror-“Tatort: Fürchte dich“ (2017) keinen Gefallen. Einzig und allein die Dresdner Folge „Parasomnia“ (2020) war eine wunderbar stimmungsvolle „Tatort“-Variante des artverwandten Grusel-, Geister- und Haus-Horror-Genres. Der Krimi gelang deshalb, weil die Filmemacher und ihre Figuren das Übernatürliche ernst nahmen.

RND/Teleschau

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