Wie Serien die Corona-Pandemie thematisieren

  • Corona ist auch im Fernsehen und auf den Streamingplattformen allgegenwärtig.
  • Nun beeinflusst das Virus nicht mehr nur die Produktion beliebter TV-Serien, sondern auch deren Handlungen.
  • In deutschen Shows ist das allerdings weniger der Fall.
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Es ist eine Gratwanderung, die Serien in Corona-Zeiten machen: Die Pandemie in die Handlung aufnehmen oder nicht? Realitätsnah sein oder den Zuschauerinnen und Zuschauern Realitätsflucht bieten? Einige Produktionsfirmen aus den USA entscheiden sich für Ersteres, wobei das Virus in deutschen Serienhandlungen wohl eher kein Thema ist.

„This Is Us“-Charaktere mit Maske

Die Dramaserie „This Is Us“ über die komplizierte Pearson-Familie (Amazon Prime Video) hat den neuen Corona-Alltag in ihre Geschichte aufgenommen. Wie in der ersten Folge der fünften Staffel zu sehen ist, betreiben die Charaktere Kevin (Justin Hartley), Toby (Chris Sullivan) und Kate (Chrissy Metz) Social Distancing und tragen Masken. Anstatt sich zur Begrüßung in die Arme zu fallen, gibt es „Luftumarmungen“, wie Kate es nennt. Außerdem begeben sich die Eheleute Rebecca (Mandy Moore) und Miguel (Jon Huertas) am Anfang der Pandemie in Quarantäne und wohnen auf unbestimmte Zeit in der abgelegenen Familienhütte. Dort will das Seniorenpaar die Pandemie „aussitzen“.

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Die Produktion änderte aufgrund der Pandemie kurzerhand einen wichtigen Teil der Handlung: Eigentlich sollte die Figur Rebecca wegen ihrer Alzheimer-Erkrankung an einer klinischen Studie teilnehmen. Diese Therapie wurde aufgrund der aktuellen Lage allerdings verschoben. Tatsächlich entspricht das auch der Realität vieler chronisch kranker Menschen in den USA: denn durch die Pandemie wurden einige medizinische Behandlungen erst mal abgesagt.

Die Serie so realitätsnah wie möglich zu machen schien die Motivation hinter dieser Drehbuchänderung gewesen zu sein. Gegenüber „Deadline“ erklärte der „This Is Us“-Macher Dan Fogelman: „Offensichtlich ist es etwas, das gerade vielen Menschen im ganzen Land und auf der ganzen Welt passiert, wo Gesundheitspläne entweder verschoben oder irreparabel geändert werden.“

Gebrochene Quarantäne bei „Black-ish“

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Auch einige US-Ärzteserien nehmen die Pandemie auf, darunter „The Good Doctor“,„Grey’s Anatomy" und die Sitcom „Black-ish“. In Letzterer geht es um die fünfköpfige Familie Johnson: Die Mutter Rainbow (Tracee Ellis Ross) arbeitet als Anästhesistin im Krankenhaus und behandelt in der aktuellen Staffel Covid-19-Erkrankte.

So geht es am Anfang der siebten Staffel um die Isolation, in die sich die Familie begeben hat. Der älteste Sohn Junior (Marcus Scribner) bricht diese und lädt seine Freundin Olivia heimlich in das Johnson-Haus ein. Wie in einer Vorschau zu sehen ist, macht das die Ärztin Rainbow ziemlich wütend. „Olivia hier im Haus zu haben bedeutet, alles zu missachten, wofür ich kämpfe. (...) Ich tue alles in meiner Macht Stehende, um mich, meine Patienten und meine Familie zu schützen. Und du gefährdest alles“, sagt Rainbow zu ihrem Sohn. Dieses fiktive Streitgespräch stellt Diskussionen dar, die wahrscheinlich viele Familie während des Lockdowns führen mussten.

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Auch wenn diese Wendung eher nach Drama als nach Humor klingt, handelt es sich bei „Black-ish“ immer noch um eine Sitcom. Die Comedyserie schafft es, die Situationskomik der Pandemie zu betonen.

Das hätte aber auch zu einem respektlosen Flop werden können: Denn die Pandemie ist noch lange nicht vorbei, täglich sterben auf der ganzen Welt Menschen an diesem Virus, besonders die USA sind hart von der Pandemie getroffen. Die US-Zeitung „Los Angeles Times“ analysiert, dass „Black-ish“ es schaffe, Humor aus den düsteren Realitäten des Lockdowns und des Virus herauszuholen und „gleichzeitig den Schmerz und Verlust zu würdigen, den viele amerikanische Familien seit März erlitten haben“.

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Keine Masken in deutschen Traditionsserien

In Deutschland sieht der Serienalltag allerdings anders aus: Wenig bis keine deutschen Traditionsserien nehmen die Pandemie in ihre Handlung auf. Auf RND-Anfrage erklärte die Produktionsfirma Studio Hamburg, die hinter „Großstadtrevier“ steht, dass die „Covid-19-Pandemie keine Rolle in von uns produzierten Formaten“ spiele. Allerdings gebe es Dokumentationen, in welchen die Pandemie thematisiert werde, so die Sprecherin. Ähnlich ist es bei „Sturm der Liebe". Wie eine Sprecherin der Produktion erklärte, sei die Serie „ein eskapistisches Programm“, weswegen eine Pandemie „inhaltlich nicht zur Ausrichtung der Serie“ passe.

In manchen Fällen hat das auch mit dem Zeitplan zu tun: So bestätigte der Sprecher von Filmpool Fiction, die im August „Polizeiruf Rostock" drehten, dass alle Drehbücher, die sie dieses Jahr realisieren würden, weit vor der Corona-Krise entstanden seien und „sich thematisch in anderen Bereichen“ bewegen. Ein zukünftige Folge ihrer Produktionen in Corona-Edition ist aber möglich: So seien sie nicht abgeneigt davon, die Pandemie „auch filmisch umzusetzen“.

Auch wenn die Pandemie also nicht in den Geschichten thematisiert wird, ist sie in den Szenen doch sehr sichtbar: Selten wird geküsst und die Charaktere halten Abstand. Bei „Rote Rosen" mussten zum Beispiel die Bettszenen und Umarmungen aus den Drehbüchern gestrichen werden, wie ARD vor einigen Monaten bekannt gab.

Weniger Liebesszenen

Bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ gibt es ebenfalls seit Monaten kaum mehr Liebesszenen. Die Sprecherin des Filmunternehmens UFA, das „GZSZ“ produziert, erklärte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Die Corona Pandemie beeinflusst seit Beginn natürlich die Arbeitsweise bei den Dreharbeiten und fordert umfassende Maßnahmen, um die Sicherheit der Schauspieler und des gesamten Teams zu gewährleisten.“ Allerdings würde die Pandemie in den Handlungen ihrer Filme und Serien in absehbarer Zeit kein Thema sein.

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Dennoch wird deutlich: Ob Produktionsfirmen die Pandemie in ihre Drehbücher schreiben oder nicht, das Virus mischt mit. Auch Zuschauerinnen und Zuschauer können die Corona-Krise beim Fernsehen nicht ignorieren. Das zeigen einige Memes: darunter eine Zeichnung von Illustratorin Gemma Correll, die bereits mehr als 30.000 Likes hat. Darauf zu sehen ist eine Frau, die gemütlich auf dem Sofa sitzt, eine kuschelige Decke liegt auf ihren Beinen, in der Hand hält sie eine pinke Tasse. Sie schaut sich etwas im Fernsehen an, guckt verschreckt auf den Bildschirm, legt sich ihre Hand auf die Wange und schreit „Zwei Meter Abstand!“ und „Nein, nicht die Hände schütteln!“.


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