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ZDF-Magazin

So erklärt „logo!“ Kindern den Krieg in der Ukraine

Seit 1989 ist „logo!“ fester Bestandteil des Kinderprogramms des ZDF.

Seit 1989 ist „logo!“ fester Bestandteil des Kinderprogramms des ZDF.

Sie ist eine beliebte Konstante im deutschen Fernsehen: Seit 1989 berichtet die vom ZDF produzierte Kindernachrichtensendung „logo!“ (samstags bis donnerstags, 19.50 Uhr, sowie freitags, 19.25 Uhr, bei Kika) zuverlässig über Ereignisse auf der ganzen Welt. Dabei sind es vor allem die leichte Sprache sowie die Nähe zur Lebensrealität der acht- bis zwölfjährigen Zielgruppe, welche sowohl Kinder als auch Eltern schätzen. Knapp eine Woche nach Beginn des Krieges in der Ukraine ist bereits eine Vielzahl kindgerecht aufgearbeiteter Informationen zum Krieg und seinen Hintergründen online unter www.zdf.de/kinder/logo sowie www.kika.de/logo verfügbar.

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Für Samstag, 5. März, ist zudem eine Sondersendung „logo! - Krieg in der Ukraine: Eure Fragen“ um 19.50 Uhr im Kika sowie auf Abruf in der ZDF-Mediathek geplant. Doch welche Gedanken begleiten die Verantwortlichen, wenn sie derart komplexe und brutale Themen für Kinder aufarbeiten? Welche Ängste müssen Beiträge auffangen? Und wie können sie diese lindern? „logo!“-Redakteurin Romy Geiger gibt im Interview Aufschluss.

Der Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine vergangenen Donnerstag veränderte viel in Europa. Wie erlebte die Redaktion von „logo!“ den schicksalshaften Tag?

Wir als Redaktion waren mit Sicherheit genauso überrascht wie viele andere Menschen in Deutschland. Natürlich hatten wir uns mit der Situation in der Ukraine beschäftigt und kannten auch die ganzen Drohungen und Zuspitzungen. Wir wussten, dass Putin ein Militärmanöver abhält und Truppen an der Grenze zusammenzieht und dass es weitergehende Informationen gab, die darauf schließen ließen, dass ein Angriff möglich sei. Aber über die Dimensionen, also dass er tatsächlich Kiew und andere Städte angreift, waren wir überrascht. Es fühlte sich für jede und jeden völlig absurd an, dass wirklich Krieg in Europa herrscht. Wir bei „logo!“ sind Menschen und fühlen natürlich mit denen mit, die leiden. Als Journalistinnen und Journalisten sind wir objektiv und halten die Standards ein, die wichtig sind für eine unabhängige Berichterstattung.

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Welche Gedanken begleiten Sie, wenn Sie eine derartige Nachrichtensendung für Kinder konzipieren?

Wir wissen, dass die Kinder die Entwicklungen schon mitbekommen. Unsere Zielgruppe sind Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren. Bei ihnen gehen wir davon aus, dass sie diese mediale Berichterstattung auf allen Kanälen erreicht. Deswegen finden wir es wichtig, Kinder entsprechend ihrem Recht auf Information ernst zu nehmen und die Fragen, die sie dazu haben, zu beantworten. Das ist natürlich nicht so einfach wie bei Erwachsenen, weil Kinder sehr emotional darauf reagieren. Wir versuchen, den Kindern ein Stück weit ihre Angst zu nehmen, indem wir auf ihre konkreten Fragen antworten. Wir gehen auf die Straße, hören uns bei den Kindern um oder fragen in unseren sozialen Netzwerken konkret nach: Welche Fragen habt ihr? Diese versuchen wir dann in einfachen Worten klar zu beantworten.

+++ Alle Entwicklungen zum Krieg gegen die Ukraine im Liveblog +++

Romy Geiger: „Die Kinder wollen verstehen, worum es geht“

Gibt es ein Thema, welches besonders viele Kinder interessiert?

Die Kinder wollen verstehen, worum es geht. Die Auseinandersetzungen in der Ukraine existieren zwar schon sehr lange, aber bis vor einigen Wochen waren sie medial noch nicht ganz so präsent. Die Kinder wollen also wissen: Was ist da los? Und zum anderen haben sie Angst: Sie haben Angst um die Kinder dort, sie haben Angst um sich selbst, sie haben Angst, dass der Krieg nach Deutschland kommen kann, dass ein Weltkrieg daraus wird oder dass Putin Atomwaffen einsetzen könnte. Das sind sehr starke Ängste. Wir Erwachsenen können mit den Nachrichten distanzierter umgehen. Für Kinder ist das aber alles sehr nah und sehr viel realer. Deswegen ist es auch unsere Aufgabe zu versuchen, diese Ängste durch Informationen zu nehmen und das Geschehen einzuordnen.

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Wie erklärt „logo!“ solche komplexen Inhalte in einfachen Worten?

Wir haben natürlich eine gewisse Expertise: Der Krieg in der Ukraine ist eine starke Zuspitzung und sehr nah dran, aber Kriege und Krisen gibt es leider immer auf der Welt. Wir müssen alle Formulierungen so wählen, dass Kinder sie verstehen. Dabei tauschen wir uns mit Expertinnen und Experten aus, damit keine inhaltlichen Schieflagen entstehen, wenn wir vereinfachen. Auf der anderen Seite sprechen wir auch immer wieder mit Kinderpsychologen. Zum Beispiel haben wir einen Onlinebeitrag zum Thema „Wenn Nachrichten Angst machen“, der in Zusammenarbeit mit einem Kinderpsychologen entstand.

Werden prominente Gäste wie etwa der SPD-Außenpolitiker Michael Roth vergangene Woche vor ihrem Auftritt speziell gebrieft?

Es gibt immer Vorgespräche. Wenn es hochrangige Politikerinnen und Politiker sind, kann es sein, dass diese Vorgespräche auch mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geführt werden. In diesen Gesprächen machen wir stark darauf aufmerksam, dass wir um einfache Wortwahl bitten, dass keine Fremdwörter genutzt werden und auch keine schwierigen Vergleiche stattfinden sollten. Natürlich gelingt das dem einen mehr und dem anderen weniger gut. Wenn die interviewte Person selbst Kinder hat, fällt es ihr in der Regel viel leichter als Politikerinnen und Politikern, die hauptsächlich untereinander diskutieren.

Menschliche Schicksale statt Kriegsdetails

Am vergangenen Donnerstag schien es, als beträfe der Krieg ausschließlich die Ukraine. Doch als Putin die Atomstreitkräfte in Alarmbereitschaft setzte, führte das auch bei Erwachsenen zu sehr viel Angst. Wie erklärt „logo!“ den Kindern, was die Entwicklungen bedeuten, ohne sie allzu sehr zu verängstigen?

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Generell versuchen wir, am Ende eines Nachrichtenblocks Kindern die Möglichkeit zu geben, sich mit der Lage zu versöhnen. Mit anderen Worten versuchen wir, ihnen einen Hoffnungsschimmer zu bieten. Aktuell versuchen wir zum Beispiel immer wieder zu zeigen, wie den Menschen geholfen wird, und dass es eine große Anteilnahme gibt. Außerdem ist der Aufbau einer Sendung wichtig: Wir wollen emotional einen dramaturgischen Bogen schlagen und auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen. Deshalb haben wir am Ende unserer Nachrichtensendung auch immer ein bunteres Thema, zum Beispiel den „Tag der Komplimente“ am 1. März. Diese Strategie nutzen wir, weil wir denken, dass es wichtig ist, dass Kinder eben auch ein Recht darauf haben, sich mit anderen Themen zu beschäftigen und fröhlich sein zu dürfen. Deshalb sehen wir es als unsere Aufgabe, sie am Ende mit einer leichter verdaulichen Nachricht zu entlassen.

In den letzten Tagen überschlugen sich die Nachrichten zum Krieg. Doch nicht alle schaffen es in die Sendung. Unter welchen Kriterien fällen Sie Ihre Auswahl?

Bei der Auswahl der Nachrichten über den Konflikt schauen wir, dass wir die Informationsdichte dosieren. Wir überlegen jedes Mal, wie die Nachricht bei den Kindern ankommt, und was sie überhaupt verkraften können. Es darf emotional nicht zu schwierig werden. Wir konzentrieren uns zum Beispiel eher auf die Menschen: Wie geht es den Menschen? Wer hilft ihnen? Wie sieht es an der Grenze aus? Wir berichten also weniger über Kriegsdetails, wie viele Panzer die eine Streitkraft verlor, oder wie viele Gewinne die andere machte.

Prävention gegen Anfeindungen

Je länger die Auseinandersetzungen zwischen Russland und der Ukraine dauern, umso eher besteht die Gefahr, dass sich die Konflikte auch auf die Schulhöfe in Deutschland übertragen: Wie möchte „logo!“ auf Anfeindungen gegenüber russischen oder ukrainischen Kindern reagieren?

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Das ist ein Phänomen, welches wir aus anderen Zeiten kennen: Nach den islamistischen Terroranschlägen gab es Islamophobie auch unter Kindern. Deswegen haben wir das Thema auf der Tagesordnung und werden in den kommenden Tagen einen Beitrag dazu machen. Online gibt es zudem eine Bildergalerie zu den weltweiten Sympathiebekundungen. Darunter finden sich auch zwei Bilder aus Moskau, die zeigen, dass es auch dort Demonstrationen gegen den Krieg gibt. Gleichzeitig erklären wir, wie mutig die Menschen dort sind, weil sie Gefahr laufen, für ihre Meinungsäußerung ins Gefängnis gesteckt zu werden. Man darf aber nicht vergessen: Wir sind nun an Tag sechs des Krieges. Es gibt so viele offene Fragen und so viele Aspekte, die wir einordnen und erklären wollen.

Und diese arbeiten Sie nun Stück für Stück ab?

Genau. Wir versuchen, uns pro Sendung zwei, drei konkrete Fragen zu stellen und darauf auch konkret zu antworten. Zum Beispiel: „Muss ich in Deutschland Angst haben vor dem Krieg?“ Mehr schaffen weder wir in zehn Minuten, noch schafft es ein Kind, das alles auf einmal zu verstehen. Deswegen fragen wir uns täglich: Was ist gerade im Gespräch? Welches Wort hören Kinder heute häufig? Am Montag haben wir uns zum Beispiel dafür entschieden, das Wort Swift zu erklären. Unser Ziel ist es, dass die Kinder den momentanen Diskussionen größtmöglich folgen können und nicht lauter Worte hören, die sie noch nicht kennen.

Wie wurde Ihr Angebot bislang von Kindern und ihren Eltern aufgenommen?

Grundsätzlich steigen auch unsere Einschaltquoten und Abrufe in Zeiten, in denen es überwältigende Nachrichtenthemen wie Krieg oder Corona gibt, deutlich an. Die Reaktionen im Moment sind überwiegend positiv: Wir werden gelobt, dass wir den richtigen Ton treffen, dass wir keine Angst verbreiten und für Kinder angemessen erzählen und dass wir damit auch den Eltern helfen: Sie sind es auch nicht gewohnt, solche komplexen, schwierigen und brutalen Themen wie Krieg ihren Kindern zu erklären. Deshalb gibt es einige Eltern, die auch auf uns zukommen. Wir haben zudem schon von Haus aus einen engen Kontakt zu Kindern, um zu verstehen, was sie interessiert und welches Vorwissen sie haben.

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RND/Teleschau

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