Wenn sich Parallelwelten berühren: Die Netflix-Serie „Schnelles Geld“

  • Stockholmer Clans treffen auf Start-up-Szene: In der Serie „Schnelles Geld“ begegnen sich zwei Welten.
  • Heldin ist eine Multitaskingmama, die schnell reich werden will und bald schon mit der Gangsterwelt dealen muss.
  • Am Ende geht es nur noch ums Überleben – und die Serie hat ihre Originalität längst schon eingebüßt.
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Schon toll, was junge Frauen heute so wuppen. Erstens sorgt die alleinerziehende Mutter Leya für ihren kleinen Sohn Sammy, zweitens stemmt sie lange Abenddienste als Kellnerin im arabischen Restaurant, und dann mischt sie drittens auch noch im beinharten Start-up-Business mit.

Schnelles Geld (Originaltitel: „Snabba Cash“) will Leya machen, schon damit sie Sammy teure Elek­tro­autos kaufen kann. „Schnelles Geld“ heißt auch die Netflix-Serie nach den Büchern des schwedischen Schriftstellers und Strafverteidigers Jens Lapidus. Er ist als Produzent und Autor (zusammen mit Oskar Söderlund) mit an Bord.

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Wie aus dem Ei gepellt steht die stets termingehetzte Leya in dem hippen Stockholmer Bürogebäude und setzt ihr Siegerlächeln auf. Junge Kreative hocken da wie Bienen in ihren Waben und basteln an Ideen für die Zukunft, von denen noch niemand weiß, ob die Menschheit sie braucht. Leya (Evin Ahmad, „The Rain“) hat nur eine kleine Wabe, aber dafür ein vielversprechendes Projekt am Start.

Bloß scheint ihr Geschäftspartner sie übers Ohr balbieren zu wollen – und das gerade jetzt, da der Investor Tomas Storm (Olle Sarri) angebissen hat. Storm haut so markige Sprüche raus wie seine deutschen Showkollegen in der „Höhle der Löwen“, benimmt sich aber wie ein Garagennerd mit sozialer Störung, als es noch kein Silicon Valley gab.

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Die Start-up-Szene ist nicht die einzige Parallelwelt in dieser Serie. Es gibt noch eine zweite – eine gewalttätige: Über den Bruder ihres getöteten Mannes ist Leya verbandelt mit der Stockholmer Clanwelt – und da scheint ebenso viel herumgeballert zu werden wie, sagen wir, in New York. Klar möchte sich Leya von der Unterwelt fernhalten, aber sie braucht das nötige Startkapital.

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Die Serie ist lose inspiriert von der Filmtrilogie „Easy Money“ nach den Romanen von Lapidus, die vor zehn Jahren mit dem Boom skandinavischer Thriller auch nach Deutschland schwappte. Auf Krimis verstehen sich die Schweden – vielleicht sogar zu gut. Das Personal hier schrammt, abgesehen von der Multitaskingmama, immer wieder knapp am Klischee vorbei.

Natürlich passiert unter der Regie von Jesper Ganslandt, was passieren muss: Die Parallelwelten vermengen sich. Leya verliebt sich in Salmi (Alexander Abdallah) – und vor allem verliebt er sich in sie. Der Schöne mit dem Hundeblick ist im Erstberuf Hochzeitssänger, im zweiten der eiskalte Vollstrecker der Gang ihres toten Mannes.

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Und dann ist da noch Teenager Tim (Ali Alarik), den es zu den bösen Jungs in ihren Markentrainingsanzügen zieht. Jeder ist hier abhängig vom anderen, und allen dreien folgen wir durch ein Stockholm, in dem andere Menschen kaum zu existieren scheinen. Unweigerlich spitzt sich das Drama zu. Auch der Regisseur scheint sich am Ende der Gewalt zu ergeben. Es geht nicht mehr ums Geld, sondern nur noch ums Überleben. Da hat die Serie jede Originalität eingebüßt.

„Schnelles Geld“, sechs Episoden bei Netflix, von Jens Lapidus und Oskar Söderlund, mit Evin Ahmad, Alexander Abdallah, Ali Alarik

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