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  • „Wenn die Stille einkehrt“: Arte zeigt dänische Serie über fiktiven Terroranschlag

Leben nach dem Terror: dänische Serie „Wenn die Stille einkehrt“ bei Arte

  • Arte zeigt die dänische Serie „Wenn die Stille einkehrt“ (29. Juli) über einen fiktiven Anschlag auf ein Kopenhagener Restaurant.
  • Im Zentrum stehen die Opfer, die Suche nach den Tätern spielt keine so große Rolle.
  • Es geht aber nicht nur um Einzelschicksale, diese werden auch eindrücklich in einen größeren Zusammenhang gestellt.
Cornelia Wystrichowski
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Es ist ein entspannter Abend in einem Kopenhagener Restaurant. Die Gäste wollen den Tag mit einem guten Essen ausklingen lassen, als zwei maskierte Männer das Lokal betreten. Die Fremden zücken Sturmgewehre und richten ein Blutbad an. 19 Menschen sterben – der Zuschauer hört Schüsse und verzweifelte Angstschreie, dann wird es beklemmend ruhig. Die dänische Thrillerserie „Wenn die Stille einkehrt“ (ab 29. Juli bei Arte) erzählt ebenso aufwühlend wie vielschichtig von einem fiktiven Attentat auf ein Restaurant in Kopenhagen: Der iranische Regisseur Milad Alami verknüpft die Schicksale von acht Betroffenen und begleitet sie in den Tagen vor und nach dem Massaker.

Der Terroranschlag wird zu Beginn der Serie nur andeutungsweise gezeigt, dann springt die Handlung neun Tage zurück und erzählt die Vorgeschichte in Form eines Countdowns. Die Protagonisten der Serie gehen ihrem Alltag nach: Der grönländische Koch Nikolaj (Peter Christoffersen) reißt sich mit List das Restaurant unter den Nagel, in dem er bisher angestellt war. Justizministerin Elisabeth Hoffmann (Karen-Lise Mynster) streitet sich mit ihrer Lebensgefährtin, die sich vernachlässigt fühlt. Jamal (Arian Kashef), Sohn libanesischer Einwanderer, vermasselt die Führerscheinprüfung, dabei soll er doch im Taxibetrieb der Familie mitarbeiten. Und die neunjährige Marie (Viola Martinsen) findet in der Nähe eines Asylbewerberheims ein Waffenlager und meldet den Fund der Polizei – es ist eine folgenreiche Entdeckung, wie sich zeigen wird.

Schicksalslinien der Protagonisten laufen auf verhängnisvollen Abend zu

In Szenen von nur ein, maximal zwei Minuten Dauer werden die Protagonisten zunächst vorgestellt, immer intensiver verknüpft die Serie dann ihre Schicksalslinien, die schließlich auf den verhängnisvollen Abend zulaufen. Die fünfte Folge der zehnteiligen Serie schließlich zeigt den Terroranschlag im Restaurant sehr ausführlich, das muss man erst mal verdauen können – auch die kleine Marie wird lebensgefährlich verletzt. Aber natürlich verdeutlicht die schonungslose Darstellung des Grauens auch, was dieser Einbruch von Gewalt in den Alltag für die Betroffenen bedeutet.

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Die Suche nach den Tätern spielt keine so große Rolle, wie es in einer handelsüblichen Krimiserie der Fall wäre – im Zentrum stehen die Opfer. Zu denen gehört auch die Justizministerin, die sich bislang vehement für eine liberale Flüchtlingspolitik starkmacht. Da bei dem Attentat auch ihre Lebensgefährtin ermordet wird, sieht die Politikerin die Dinge nun anders: Sie will durchsetzen, dass Jamal, der zu den Tatverdächtigen gehört, gefoltert wird, um ihn zu einer Aussage zu nötigen. Im Lauf der Serie werden die wahren Täter, zwei Männer mit Migrationshintergrund, gefasst. Der Anschlag auf das Restaurant war nur ihr Plan B, denn eigentlich hatten sie mit den Waffen, die Marie gefunden hatte, einen größeren Anschlag geplant. Weil das nicht klappte, stürmten sie ersatzweise das Restaurant und ermordeten kaltblütig die Gäste und Angestellten.

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Serie weckt Erinnerungen an Terroranschläge der vergangenen Jahre

Natürlich weckt die Serie Erinnerungen an die islamistischen Terroranschläge der vergangenen Jahre, etwa das Attentat auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz oder die verheerende Anschlagserie von Paris 2015. Wie leben Menschen weiter, die ein solches Attentat überlebt oder dabei Angehörige verloren haben? Die Serie gibt den Schicksalen der Opfer Raum, stellt die persönlichen Geschichten dabei aber in einen größeren Zusammenhang: Das Themenfeld Migration, Integrationspolitik und Fremdenfeindlichkeit zieht sich als roter Faden durch die Serie. Auch Figur Nikolaj wird als Grönländer oft von dänischen Mitbürgern rassistisch beleidigt. Ganz am Ende darf er sein Restaurant, vor dem das Meer der Trauerblumensträuße allmählich verrottet, wieder öffnen. Das Lokal füllt sich, immer mehr Gäste kommen, und im Kerzenlicht teilen sie ihre Erinnerungen und ihr Empfinden miteinander: ein Ende, das dem Zuschauer nach so viel Tragik einen kleinen Lichtblick gewährt.

„Wenn die Stille einkehrt“ läuft am Donnerstag, 29. Juli, ab 22 Uhr bei Arte.

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