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  • Weihnachtswerbung 2020: Edeka, Aldi, Lidl und Co. - die schönsten Spots des Jahres

Edeka, John Lewis und Co. – Das sind die schönsten Weihnachtswerbespots 2020

  • Die Alten werden eingebunden oder binden sich selbst ein – jedenfalls in den Weihnachtswerbespots des Corona-Jahres 2020.
  • Das Fest der Nächstenliebe, wie Aldi, Doc Morris oder Disney es sehen, wendet sich in diesem Jahr gegen Einsamkeit und Ausgrenzung.
  • Aber wenn die Rührseligkeit in den Clips allzu groß und kitschig gerät, stichelt die Konkurrenz – im wahrsten Sinn des Wortes.
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Job und Stress, die vierte Kerze brennt schon bald und so viel muss noch erledigt werden. Meist rennt man ja genervt mit gefühlt 120 Sachen durch den kompletten Advent und knallt dann frontal gegen Weihnachten, als wäre es aus Stahlbeton. Wenn man endlich am 24. Dezember um die Mittagszeit alle Geschenke, den Gänsebraten und die letzte noch vorhandene dreifach verdrehte Weihnachtskrüppelkiefer eingekauft hat, rollen auch schon die Wagen mit den Verwandten vor und es wird enge Nacht, redselige Nacht. 2020 aber, im Jahr der Pandemie, droht Jesu Geburtstagsparty zum Hochamt der Einsamkeit zu werden. Viele große Konsum- und Unterhaltungskonzerne, sonst bemüßigt, in ihren Werbeclips ihre Produkte anzupreisen, zeigen jetzt traditionell Herz, lassen es menscheln, geben Rat, wie man auch in der pandemischen Zeit zusammenstehen kann. 2020 steht im Mittelpunkt der Werbevideos, die Alten und Alleinstehenden nicht zu vergessen.

Edeka-Spot: Herr Schmidt und die Stunde der Toleranz

Den Herrn Schmidt aus der Edeka-Werbung „Die besondere Weihnachtsgeschichte des Herrn Schmidt“ kennen wir schon gut. Er ist ein alter Griesgram, Muffelkopf, Außenseiter, der gern die türkischstämmigen Kinder anherrscht, wenn die wieder mal im Treppenhaus oder im Innenhof zu laut sind. Niemand mag ihn, auch der Zuschauer ist abgeneigt, dann aber entdeckt einer der Jungs, dass Schmidt so schmal in Sachen Toleranz ist, weil er auf sein Testergebnis wartet, das dann auch prompt positiv ist.

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„Abstand“ und „Corona“ steht auf seiner Tür, aber die netten türkischen Nachbarn kochen zu Weihnachten was für Schmalhans Schmidt, den wir gerade noch in karger Küche Butter aufs Brot schmieren sahen. Und damit es Schmidt auch schmeckt, stellen sie ihm was gutbürgerlich Deutsches vor die Wohnungstür: Ente, Klöße, Rotkohl. Die lauten Jungs von nebenan wünschen ihm höflich „Frohe Weihnachten“, da ist Herr Schmidt, der Gott sei Dank keine allzu schlimmen Symptome zeigt, gerührt und die Multikulti-Love-and-Peace-Botschaft „Lasst uns froh und bunter sein“ kommt ja vielleicht auch dauerhaft bei ihm an. Ab sofort wird jedenfalls auch bei uns alles noch viel toleranter. Aber was kochen wir bloß dem alten einsamen Herrn Mustafa von gegenüber?

Disney und das (fast) wortlose Lob der Familie

Der computeranimierte Wohlfühlspot von Walt Disney erstreckt sich über stolze 80 Jahre. Ein kleines Mädchen bekommt 1940 eine Micky-Maus-Puppe von ihrem Daddy, die sie Jahrzehnte später an ihre Enkelin weitergibt. Die Kleine wird größer, sie mag irgendwann keine Weihnachtssterne mehr mit der Omi basteln, sie legt auch die Micky Maus beiseite und schließlich lässt sie Oma Lola allein sitzen, um mit Freunden die heilige Nacht zum Tage zu machen (was niemand nachmachen soll in Zeiten des Lockdowns). „Familie ist das schönste Geschenk“ so heißt der Clip, und das dämmert ihr dann bei der nächtlichen Heimkehr. Und so verbringt sie den Rest der Nacht mit ihrem schlechten Gewissen und einer reuigen Aktion, die die greise Großmutter am Morgen total verzaubert.

„Sei gut zu den Deinen“, ist die Botschaft, „du weißt nicht, wie lange du sie noch hast.“ Dass der gesamte Dreiminutenfilm mit nur einem einzigen Wort auskommt, zeigt Meisterschaft auf der Klaviatur der Gefühle. Damit man merkt, worum es Disney auch noch geht, läuft im Hintergrund im Fernseher „Die Eiskönigin“. „Bin ich eigentlich schon Abonnent von Disney+?“ ist die Frage, die sich einem im Anschluss an die Frage „Hab ich eigentlich schon bei Oma angerufen?“ stellt.

Ein alter Herr, die Enkelin und der Weihnachtsstern

Selbst ist der Greis. Der rüstige Herr im Doc-Morris-Filmchen „Herzensangelegenheit“ ist ganz anders drauf als der passive und aggressive Herr Schmidt von Edeka. Als er die Weihnachtsaktivitäten in seinem Umfeld wahrnimmt, beginnt er sich mit einem uralten Kugelgewicht fit zu trimmen. Um dann beim Baumschmücken das kleine Enkeltöchterchen stemmen zu können, damit die den Weihnachtsstern an der Christbaumspitze befestigt. Gesunde Alte – das passt zur Internetapotheke wie ein Löffel Doppelherz oder Vita Buerlecithin,

Wo da die soziale Distanz bleibt? Ob Opa nicht weiß, dass Enkel keine Symptome zeigen müssen, um ansteckend zu sein? Nun, weil die Weihnachtsferien anderthalb Wochen früher angefangen haben, braucht Opa sich überhaupt keine Sorgen zu machen, dass ihm demnächst ähnlich niederschmetternde Neuigkeiten ins Haus stehen wie Herrn Schmidt.

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Bei Waitrose lernen Igel das Fliegen

Besonders fantasievoll ist das Weihnachtsfilmchen der britischen Supermarktkette Waitrose & Partners. Auch hier geht es darum, füreinander da zu sein. Ein Mädchen hilft einem Jungen, dessen Ball im Baum hängt, mit ihrem herzförmigen Regenschirm. Der Junge formt zuhause seinem schmelzenden Schneemann einen herzförmigen Luftballon aus Schnee, mit dem dieser abhebt und ins Land der Schneemänner und -frauen fliegt, die mit ihrem Schneemobil Waitrose-Waren an nächstenliebende Menschen ausliefern.

Das Ganze wechselt charmant von Realfilm in diverse Puppen- und Zeichentrickstile. Am Ende vom „Give a little Love“ – so heißt der Film – verhelfen Tauben dann auch noch einem Igel, der gern ein Vogel wäre, zu einem Freiflug. Letzteres bitte nicht nachmachen und um Himmels Willen niemanden aus dem Winterschlaf wecken – angeblich hegen nur sehr wenige der kleinen Stachelwesen den uralten Traum vom Fliegen.

Bei Aldi wird eine Karotte zum Egel

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Der Aldi-Weihnachtswerbungsheld 2020 heißt Kai Karotte. Er war eigentlich nur die Nase eines Schneemanns, ist dem weißen Herrn aber aus dem Gesicht gefallen und bewegt sich jetzt – „durch magische Klänge geweckt“ – mit seiner Wurzelspitze so problemlos wie ein Zweibeiner durch eine Wohnung, tunkt sich selbst in Kartoffelbrei, riecht am Braten, schaut beim Champagner vorbei oder macht Schneeengelchen im Puderzucker eines Christstollens.

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Dazu dichtet ihm eine Off-Stimme Reime wie „Schnee süß und lecker – was für ein Segen / so lecker, da könnt er sich glatt reinlegen“ und man denkt wehmütig an bessere Zeiten mit besserer Lyrik. Das Happyend ereilt die Grinsemohrrübe, die bei Aldi in England schon seit längerem bekannt ist, als sie den Verkündigungsengel an der Spitze des Christbaums spielen darf. Darunter sitzen zu viele Leute zu eng beisammen und genießen im Schummerlicht des Heiligabends ein Mahl aus dem Aldi-Sortiment. Draußen am Fenster saust Santa mit dem Schlitten vorbei – nichts wie weg, auch er gehört zur Risikogruppe.

Lidl sieht das mit den Möhren realistischer

Lidl UK, bekannt dafür, in seinen Adventsspots die weihnachtliche Gefühligkeit mit einem Augenzwinkern zu konterkarieren, und konkurrierende Spots auf den Arm zu nehmen, präsentiert in seinem Spot „At Lidl we’re big on a Christmas You can believe in“ (Bei Lidl sind wir groß in glaubwürdiger Weihnacht) eine Familie beim Weihnachtsmahl (als Puppentrickfilm). Und wer dampft da mit gequältem Blick in der Schüssel mit den gekochten Möhren?

Niemand anderes als Kai Karotte. Was der Aldi-Held von Lidl zu Weihnachten bekommt? Statt den Ehrenplatz am Baum die Gabel des Nesthäkchens in den orangefarbenen Bauch. In der Tat ist das viel glaubwürdiger, als der Spitzenplatz einer Möhre hoch über Lametta und Christbaumkugeln.


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