WDR zeigt Urlauber mit Nazi-Tattoo

  • Ein Kamerateam des WDR hat sich nach Mallorca begeben, um dort Ballermann-Touristen zu interviewen.
  • Im Beitrag ist auch ein Urlauber mit rechtsextremen Tätowierungen zu sehen.
  • Wie konnte das passieren?
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Köln/Palma. Wie sicher ist ein Urlaub in Corona-Zeiten? Das will der WDR wissen – und macht in seiner Sendung “Markt” den Test. Der Film, der am Mittwochabend ausgestrahlt wurde, beginnt harmlos: Die WDR-Reporter interviewen Touristen am Flughafen, ertappen Urlauber ohne Maske und stellen fest, wie wenig Abstand eigentlich in einem überhitzten Flughafenbus möglich ist.

Dann fliegen die WDR-Reporter selbst nach Mallorca, interviewen dort den – nach eigener Beschreibung – “klassischen Ballermann-Touristen”. Mit dabei: ein Pärchen, das sich darüber freut, den “Strand quasi als Privatstrand nutzen” zu können. Und: ein Mann mit einem fragwürdigen Oberarmtattoo.

Urlauber mit rechtsextremem Tattoo

Und genau da wird die Sache brenzlig: Die Symbole auf dem Arm des Mannes sind als einschlägig rechtsextrem bekannt. Zu sehen ist dort das Abbild eines Wehrmachtsoldaten, aber auch eine Wolfsangel. Diese war das Symbol der Hitlerjugend und der heute verbotenen Organisation Junge Front. Die Verwendung des Symbols ist – mit Ausnahme von Stadtwappen – strafbar.

Historisch hat das Symbol seinen Ursprung im Mittelalter. Seinerzeit wurden Wolfsangeln dazu benutzt, um Wölfe auf brutale Art zu töten. Später verwendeten – genau aus diesem Grund – verschiedene Nazi-Gruppierungen das Symbol als Zeichen der Wehrhaftigkeit.

Kritik am WDR

Auf Twitter wird nun über die Szene diskutiert. Die Nutzerin @wilderaffe fragt: “Hallo WDR, kamen euch die Tattoos von dem Typen, der gerade bei #WDRMarkt gefragt wurde, wie ihm der Urlaub auf Mallorca so gefällt, nicht irgendwie komisch vor?” Ein anderer kommentiert süffisant: “Der fliegt zumindest nicht nach Malle, um braun zu werden.”

Ein weiterer schreibt: “WDR, wisst ihr eigentlich, wem oder was ihr hier in einem ‘Malle-Ambiente’ eine Plattform bietet?” Einer kommentiert: “Wie viel Sangria muss man intus haben, um diese Tattoos zu übersehen? Oder sympathisiert euer Vor-Ort-Team mit diesen Leuten? Oder haben die so absolut null Ahnung? Das geht ja mal so gar nicht.”

So reagiert der Sender

Auf Twitter schrieb die Redaktion von “WDR Aktuell” am Mittwoch: “Danke für den Hinweis. Wir müssen die genauen Umstände noch klären, unter denen dieses Interview entstanden ist, sind uns aber sicher, dass das leider einfach nicht gesehen wurde. Wir besprechen das morgen.”

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Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) teilte der WDR am Nachmittag mit: Da der Fokus bei der Produktion auf den Aussagen der Frau lag, seien die Tattoos “weder der Autorin noch der Redaktion bei der Filmabnahme aufgefallen. Das entspricht nicht unserem Anspruch größtmöglicher Sorgfalt und die Redaktion bittet daher um Entschuldigung.”

In der Mediathek des Senders war der Beitrag am Donnerstagvormittag noch zu finden, inzwischen wurde er jedoch entfernt.

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