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„Vor Rassisten eingeknickt“: TV-Sender Phoenix distanziert sich von Anti-Hass-Aufklebern

  • Mitarbeiter einer Produktionsfirma haben beim AfD-Parteitag stillen Protest geübt – zum Unmut des TV-Senders Phoenix.
  • Die Verantwortlichen distanzierten sich umgehend von Aufklebern wie „Say no to racism“.
  • Twitter-Nutzer werfen dem Sender rückgratloses Verhalten vor.
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Braunschweig. Mitarbeiter einer Produktionsfirma haben beim Parteitag der AfD in Braunschweig stillen Protest geübt: Sie beklebten eine Gerätebox während der Veranstaltung mit diversen Sprüchen, darunter etwa „Bunt statt braun“, „Gegen Hetze“ oder „Say no to racism“.

Für den TV-Sender Phoenix – der Auftraggeber der Firma – war diese Meinungsäußerung offenbar zu viel des Guten. Nachdem das Portal „Regional Braunschweig“ ein Foto der Box veröffentlicht hatte, distanzierte sich der Sender umgehend davon auf Twitter.

„Das Phoenix-Team auf dem #AfDParteitag hat von den Parolen auf den Geräteboxen des Produktionsdienstleisters weder etwas bemerkt noch davon gewusst. Die Leitung unseres technischen Dienstleisters hat sich umgehend nach Bekanntwerden der Parolen von diesen distanziert, diese umgehend entfernt und sich beim AfD-Pressesprecher entschuldigt“, schreibt der Sender.

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„Traurig, dass ihr vor Rassisten einknickt“

Genau das sorgt jetzt allerdings auf Twitter für massive Kritik. Die Autorin Antje Schrupp schrieb etwa: „‚Say no to racism’ (...) ist für Phoenix eine ‚Parole’, für die man sich bei AfD-Politikern entschuldigen muss. Diese windige ‚bürgerliche Mitte’ ist unser Problem.“

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Die Userin @conny_keil fragt: „Verstehe ich das richtig? Sie haben sich von ‚Say not to racism’ distanziert? Sie befürworten also Rassismus? Sie mussten sich sogar dafür entschuldigen? Bei einem Rassisten?“ @_aterus wird noch deutlicher: ‚Ihr distanziert euch also von ‚Say no to racism’ und entschuldigt euch dafür bei Rassisten? Habt ihr Lack gesoffen?“

Der Nutzer @ReinhardPeters merkt an: „Abgesehen davon, dass ich eure Reaktion ziemlich schei... finde, habt ihr auch noch ein Eigentor geschossen. Denn in keiner dieser ‚Parolen’ wurde die AfD namentlich erwähnt.“ @CptMightypants meint: „Traurig, dass ihr vor Rassisten einknickt.“

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"Meinungsäußerungen unangebracht"

Am Montag äußerte sich der Sender erneut zur Kritik. „Unabhängig von den konkreten Inhalten der Parolen hat sich die Leitung des von uns beauftragen technischen Dienstleisters davon distanziert, dass die eigenen Mitarbeiter die gebotene und zu erwartende Neutralität eines technischen Dienstleisters bei einer Parteitagsberichterstattung verletzt haben.“

Der Sender berichte von Parteitagen aller im Bundestag vertretenen Parteien neutral und unabhängig. „Da wir dabei auch Programme, Protagonisten und Parteitagsbeschlüsse journalistisch-kritisch hinterfragen und analysieren, sind wir der Überzeugung, dass private Meinungsäußerungen an einem professionellen Fernsehset – und sei es auch nur durch die Mitarbeiter eines technischen Dienstleisters – unangebracht sind und unterbleiben sollten.“

Nicht für alle klingt das überzeugend. @HeroJacques schreibt etwa: „Neutralität und Haltung schließen sich nicht gegenseitig aus. Ein Nein zu Rassismus und Faschismus ist Grundkonsens unserer Gesellschaft. Artikel 1 GG. Dass die „AfD“ den nicht mag, ist bekannt, sollte aber nicht weiter interessieren. ‚Kritisch’ solltet ihr noch mal nachschlagen."

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Wie das Portal „Regional Braunschweig“ berichtet, habe die Gerätebox nur wenige Meter von AfD-Politikern wie Björn Höcke entfernt gestanden. Von den 600 anwesenden Delegierten der Partei habe die Aufkleber aber wohl kaum jemand bemerkt, mutmaßt das Portal. Die Sprüche seien am Sonntagmorgen nicht mehr auf der Box zu sehen gewesen.