Von den Taten des Vaters dominiert: Doku „Die Tochter des Spions“

  • Die Welt der Agenten und Geheimdienste ganz ohne Glamour.
  • In dieser wahren Geschichte gerät eine Familie in den 70er Jahren zwischen die Fronten der Systeme.
  • Die Doku „Die Tochter des Spions“ im Ersten (Montag, 23.35 Uhr).
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Berlin. Der Kalte Krieg ist im kollektiven Gedächtnis längst in weite Ferne gerückt. Die gnadenlose Konfrontation der beiden Supermächte nach dem Zweiten Weltkrieg und die ausgeklügelten Winkelzüge der Geheimdienste sind oft nur noch Stoff für Spionagethriller. Wie brutal allerdings in dieser bleiernen Zeit Familien auseinandergerissen wurden, davon erzählt die Geschichts-Dokumentation „Die Tochter des Spions“. Der Film von Jaak Kilmi und Gints Grube läuft am Montag (14. Juni) um 23.35 Uhr im Ersten.

„Fast mein ganzes Leben war bestimmt von den Taten meines Vaters“, sagt Ieva Lešinska gleich zu Beginn. Das Drama beginnt 1978, als die 19-jährige Ieva aus dem damals sowjetischen Riga in den Sommerferien nach New York reist, um ihren Vater Imants zu besuchen. Der arbeitet als Dolmetscher bei der UN, ist aber eigentlich Doppelagent sowohl für den sowjetischen Geheimdienst KGB als auch für die CIA.

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Davon hat seine Tochter Ieva aber nichts gewusst. Jetzt will ihr Vater endgültig die Seiten wechseln und in den USA bleiben und stellt seine Tochter vor die Wahl: Entweder bleibt sie in den USA und sieht ihre Mutter in Riga vielleicht nie wieder oder sie geht zurück und muss Repressalien befürchten wegen der Flucht ihres Vaters.

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Ieva entscheidet sich dafür, im Westen zu bleiben, aber das Heimweh nach Zuhause bleibt groß. Im FBI-Schutzprogramm muss sie eine falsche Identität annehmen. Sie ist jetzt die DDR-Emigrantin Evelyn Dorn, ein Mädchen aus Ostberlin. Mitte der 80er Jahre stirbt ihr Vater unter nicht geklärten Umständen, jetzt muss die Tochter alleine klarkommen, in ständiger Angst vor dem KGB, dessen Agenten ihre wahre Identität aufdecken könnten. Mit dem Mauerfall und dem Ende des Ostblocks 1990/91 kommt die Befreiung aus der Umklammerung der Systeme. Ieva kann nach Riga zurück und endlich ihre Mutter wiedersehen.

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Die Regisseure erzählen diese traurige Geschichte in einem Mix aus dokumentarischen Aufnahmen, vielen privaten Familienfotos und einigen nachgestellten Szenen, die allerdings etwas leblos daherkommen. Zudem bleibt ihr Film zu stark auf der individuellen Ebene verhaftet: Wirklich Erhellendes über die Zeitumstände und historischen Kontexte des Kalten Krieges erfährt der Zuschauer in diesen 45 Minuten kaum. Was bleibt, ist das Drama einer zwischen die Mühlsteine der Politik geratenen Familie.

RND/dpa

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