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Virologe Christian Drosten erhielt Hassmail und erwägt Rückzug aus Öffentlichkeit

  • Der Chef-Virologe der Berliner Charité, Christian Drosten, ist vor allem wegen seines NDR-Podcasts rund um das Coronavirus vielen Deutschen bekannt.
  • Doch jetzt kritisiert er den Umgang der Gesellschaft und der Medien mit Wissenschaftlern wie ihm – und denkt über einen Rückzug nach.
  • Sogar eine Hassnachricht habe er bereits bekommen.
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Christian Drosten ist wohl der bekannteste Virologe Deutschlands – er informiert in einem NDR-Podcast über die aktuellen Entwicklungen rund um die Corona-Krise und wird von zahlreichen Nachrichtenportalen zitiert und interviewt. In der Podcast-Folge von Montag wird Drosten nun ehrlich und beschwert sich über den Umgang mit ihm und anderen Wissenschaftlern.

So seien es nicht Wissenschaftler, die Entscheidungen treffen, sondern die Politik, sagt Drosten. Die Aufgabe von Virologen wie ihm sei es, Daten zu generieren und diese zu erklären. “Die Wissenschaft hat kein demokratisches Mandat”, so Drosten.

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Drosten: Labore sind Schlüssel zum Erfolg
1:18 min
Der Leiter der Virologie an der Charité sieht in der guten Labordichte in Deutschland einen großen Vorteil im Kampf gegen die Pandemie.  © Reuters
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“Wissenschaftler treffen keine Entscheidungen”

Konkret kritisiert Drosten auch die Gesellschaft und die Medien: “Es gibt Zeitungen, die malen inzwischen nicht nur in den Wörtern, sondern in Bildern Karikaturen von Virologen. Ich sehe mich selber als Comicfigur gezeichnet – und mir wird schlecht dabei.” So sei der Wissenschaftler “wütend darüber, wie hier Personen für ein Bild missbraucht werden, das Medien zeichnen wollen, um zu kontrastieren. Das muss wirklich aufhören.”

Auch deswegen habe Drosten in der letzte Woche keine Interviews gegeben. Er habe das Gefühl, dass ihm “Dinge angehängt werden, die so nicht stimmen”. So berichtet er von einer E-Mail, die er bekommen habe. Darin werde er persönlich für den Suizid des hessischen Finanzministers verantwortlich gemacht. Das sei ein Signal, dass “wir über eine Grenze von Vernunft schon lange hinaus sind in dieser Medien-geführten öffentlichen Debatte”.

Der Virologe betont zudem, dass nicht Wissenschaftler Entscheidungen treffen würden, sondern eben politische Träger. “Das sagt sowohl die Politik wie auch die Wissenschaft.” Eventuell sei man an dem Punkt “an dem die Wissenschaft in geordneter Weise den Rückzug antreten muss, wenn das nicht aufhört”.

RND/am

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