“Unsere wunderbaren Jahre”: Persönliche Schicksale aus der Wendezeit

  • „Unsere wunderbaren Jahre“ ist ein Gesellschaftspanorama der Nachkriegszeit mit überzeugendem Ensemble.
  • Erzählt wird die Geschichte anhand eines Fabrikanten-Ehepaares, das ein Geheimnis vor seinen drei Töchtern hat.
  • Vor allem die Beziehung von Elisa Schlott als Ulla und David Schütter als Tommy macht die Filme spannend.
|
Anzeige
Anzeige

Fabrikinhaber Eduard Wolf (Thomas Sarbacher) hat auf den ersten Blick ein gutes Leben. Ihm gehört die größte Stahlfabrik der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Altena – und sie besteht auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch, seine Frau Christel (Katja Riemann) unterstützt ihn in allen Dingen, und die beiden haben drei schöne Töchter, die alle talentiert, wenn auch jede auf ihre Weise eigensinnig sind. Wäre da nicht dieses große Geheimnis aus der Nazizeit, das auf den Schultern des Familienvaters lastet.

Im ARD-Dreiteiler „Unsere wunderbaren Jahre“ nach Peter Pranges gleichnamigem Roman (2016) geht es eigentlich um Aufbruch, ums Wirtschaftswunder, um Träume und Visionen. Doch immer wieder wird diese oberflächlich zusammenhaltende, aber innerlich distanziert agierende Familie mit der Vergangenheit konfrontiert.

Mutter Christel (Katja Riemann) möchte Ordnung im Leben

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Besonders Mutter Christel, die das Geheimnis ihres Mannes vor ihren Kindern verbirgt, möchte aber, dass alles in geordneten Bahnen läuft. „Ich weiß nicht genau, ob es um den Zusammenhalt der Familie geht oder vielmehr um den Umbruch der Zeit. Das Bedürfnis nach Vergessen und Verschweigen nach traumatischen Ereignissen ist speziell in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg sehr hoch gewesen“, erklärt Schauspielerin Katja Riemann dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) die Motivation hinter dem Handeln ihrer Figur. Die Menschen wollten vergessen, was hinter ihnen liegt, und neu anfangen.

Einen Neuanfang wollen auch die drei Töchter von Christel Wolf im Film – aber nicht unbedingt einen, der im Sinne der Eltern ist. Ulla (Elisa Schlott), Papas Liebling, will Medizin studieren und nicht die Firma des Vaters übernehmen. Und dann trennt sie sich auch noch von Vorzeigefreund und Apothekersohn Jürgen, um mit Draufgänger Tommy (David Schütter), der gerade aus Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt ist, anzubandeln.

Schwester Gundel will die Firma des Vaters leiten

Ihre Schwester Gundel (Vanessa Loibl) hingegen will eigentlich nichts lieber, als die Firma des Vaters gewissenhaft führen, ist aber nur dessen zweite Wahl – und hat wie die Mutter mit einem Trauma zu kämpfen. Die dritte Schwester Margot (Anna Maria Mühe) ist die Verstoßene: Weil sie mit einem Mann verheiratet ist, der für die Nazis im Krieg gekämpft hat und der, entgegen der Hoffnung von Vater Eduard, zurückgekehrt ist.

Anzeige

Sie alle gehen ihren Weg, der sie unter anderem nach Düsseldorf, Tübingen und Ost-Berlin führt. Doch alle kommen immer wieder nach Altena zurück, wo die Fäden dieser Geschichte zusammenlaufen. Der Film ist in erster Linie Entertainment – auch wenn es darin auch um wichtige deutsche Geschichte geht. Doch die persönlichen Schicksale der Figuren stehen im Vordergrund.

Überzeugendes Ensemble

Anzeige

Vor allem Elisa Schlott als Ulla und David Schütter als Tommy überzeugen in diesem Ensemble mit dem Spiel ihrer komplizierten, aber bis zum Schluss spannend bleibenden Beziehung. Und auch Riemann als traumatisierte, irgendwie unterkühlte Mutter gibt der Geschichte ihre Note – auch wenn bis zum Ende undeutlich bleibt, was hinter dem Handeln der Mutter steckt. Die Schauspielerin selbst erklärt die Figur so: „Sie steht für eine Generation von Frauen, deren berufliche Karrieren nichts werden konnten aufgrund des Umstands der Zeit und ihres Geschlechts. Die Figur der Christel Wolf hätte eigentlich Pianistin werden wollen, doch sie entschied sich – oder es wurde für sie entschieden – Hausfrau und Mutter zu sein.“ Dann seien die Nazis und der Krieg gekommen und Christel habe ein Bein verloren. „Diesen Schatten der Vergangenheit auf Seele und Körper habe ich versucht, in der Figur sichtbar zu machen.“ Doch auch Mutter Christel kann ganz am Ende des Films aus ihrem Schatten treten.

Der Dreiteiler "Unsere wunderbaren Jahre“ läuft 18., 21. und 25. März jeweils um 20.15 Uhr in der ARD.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen