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Und ewig schreien die Scream Queens – die „Fear Street“-Trilogie bei Netflix ist komplett

  • Ein Fluch hält das kleine Städtchen Shadyside seit drei Jahrhundeten im Griff.
  • Einige Teenager nehmen den Kampf gegen den Spuk auf.
  • Die Filmtrilogie „Fear Street“ bei Netflix (komplett ab 16. Juli) entstand nach den Jugend-Horrorromanen von R. L. Stine und ist eine Hommage an die klassischen Slasher-Filme.
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Es waren einmal zwei Städte, Shadyside und Sunnyvale, und keine Ahnung, warum überhaupt noch jemand in Shadyside wohnt. Dort läuft alles ziemlich schlecht. Alle paar Jahre sterben in der „Killerhauptstadt der USA“ Menschen unter den Messern, Äxten und Händen amoklaufender Zeitgenossen – und das schon seit mehreren Jahrhunderten.

Der für beide Kommunen zuständige Polizeichef schließt die Fälle üblicherweise schnell ab – es gibt eine Trauerfeier, bei der dann auch Leute aus dem verhassten Nachbarort aufkreuzen, dem, in dem immer alles glattgeht. Shadyside ist eine Geisterstadt im buchstäblichen Sinn. Etwas geht um hier – und in „Fear Street 1994“, dem ersten von drei „Fear Street“-Filmen, wird seine Grabesruhe gestört und eine Handvoll Teenager heimgesucht.

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Der Bestsellerautor Robert Lawrence Stine hat sich früh auf Teenager-Horrorromane verlegt (Rob Letterman verfilmte 2015 „Gänsehaut“ leidlich erfolgreich mit Jack Black). Von seinen „Fear Street“-Romanen – seit 1989 sind es 51 Stück, Nebenreihen nicht eingerechnet – hat er weltweit zig Millionen Exemplare verkauft. Schon 1997 wurde eine TV-Serie geplant, aber dank eines dürftigen Pilotfilms gecancelt.

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Im selben Jahr sollte auch eine „Fear Street“-Filmreihe nach dem Vorbild von Wes Cravens damals prosperierendem „Scream“-Franchise starten. Aber ein Fluch schien auf dem Vorhaben zu liegen. Erst 18 Jahre später begannen die konkreten Vorbereitungen für die Filmtrilogie – „Fear Street 1994“, „Fear Street 1978“, „Fear Street 1966“ – die jetzt (ab 16. Juli komplett) bei Netflix zu sehen ist.

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Vom Auftritt eines Kuttenmörders mit Totenschädelmaske an – wird der Tonfall der „Scream“-Filme gut getroffen. Das kommt nicht von ungefähr – Regisseurin Leigh Janiak hat vor sechs Jahren Episoden der kurzlebigen „Scream“-TV-Serie gedreht. Sieben Tote sind allein die Bilanz des ersten Films – und statt das Böse aus der Welt zu schaffen, steht am Ende nurmehr eine weitere Mörderin in den Diensten des Bösen.

Alles wie immer – Das Böse begann vor Jahrhunderten mit einem Unrecht

Rekrutiert hat den Teenager Sam Fraser offenbar eine ruhelose Seele namens Sarah Fier, eine Frau, die vor Jahrhunderten in Shadyville gehängt wurde, und die nun von den Geschwistern Deena (Kiana Madeira) und Josh (Benjamin Flores Jr.) als Auslöserin eines paranormalen Rachefeldzugs ausgemacht wird, der scheinbar ewig währt und nicht zu brechen ist.

Weiter geht’s dann im zweiten Film mit den noch blutigeren Erinnerungen der Überlebenden eines Fier-Massakers, das sich 1978 in Nightwing ereignete, dem gemeinsamen Feriencamp der verfeindeten Städte. „Fear Street 1666“ der ab 16. Juli zu sehen ist, ist schließlich – zur Hälfte – ein völlig anders gearteter Film über die Selbstermächtigung einer jungen Frau vor 350 Jahren, der eine brutale Hexenjagd folgt. Die Schauspieler der vorangegangenen Filme schlüpfen hier noch einmal in neue, weit ernstere Rollen.

Intoleranz und Angst vor Veränderung sind die Wurzeln des Horrors

Wie in so vielen Horrorfilmen sind Intoleranz und Angst vor Veränderung die Ursachen allen Unheils, und ist Liebe der Antrieb, den Kampf gegen das Übernatürliche aufzunehmen. Deena will ihre Ex Sam aus den Fängen des Übersinnlichen befreien. Wurde Sexualität in den moralisch stockkonservativen Slasherfilmen früherer Zeiten direkt mit dem Tod bestraft, gehört in „Fear Street“ auch und vor allem lesbische Zweisamkeit nicht mehr zu den Sanktionsgründen der Hexe von Shadyville. Aus gutem Grund.

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Sonst passiert nichts wirklich Neues: Das Böse kommt wie immer auf leisen Sohlen, macht dann Riesenrabatz, und mit Vorliebe steht es nach seinem vermeintlich endgültigen Sturz noch einmal auf. Und natürlich tun hier viele, die die Grenze zur Twilight Zone überschreiten – wieder mal das völlig Unlogische. Wie in der Slasherparodie „Scary Movie“ (2000) glänzend parodiert, folgen die Teenager auch hier nie dem Wegweiser „Zum Überleben“ sondern verlässlich dem Schild in Richtung „Sicherer Tod“.

Und nein, dies alles ist nicht etwa im dezenten „drei ???“-Stil für ein minderjähriges Zielpublikum erbracht. Ähnlich wie sich in der letzten Staffel der Netflix-Teenie-Horrorserie „Stranger Things“ blutige Metamorphosen ereigneten, die stark an John Carpenters „Ding aus einer anderen Welt“ (1982) erinnerten, gibt es in „Last Night“ Todesarten, die dem 2015 verstorbenen Wes Craven zur Ehre gereichen. Muss man mögen, oder: Man braucht Magen für diese Hommage.

Und ewig singen Blue Öyster Cult „Don‘t Fear The Reaper“

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P. S.: Der Soundtrack ist oldschool-cool – Rock ’n‘ Roll never dies. „The First Cut is The Deepest“ (Cat Stevens), „Carry On, Wayward Son“ (Kansas) und natürlich wird eine weitere Generation mit Blue Öyster Cults „Don’t Fear The Reaper“ bekannt gemacht, der seit John Carpenters „Halloween“ (1978 gedreht!) der Übersong für Filme mit dem Schnitter Tod ist. Stephen-King-Zitate reichen von der Axtattacke von Jack Nicholson aus Kubricks „Shining“ (1980) bis zu einer Verbeugung vor seinem Erstlingserfolg „Carrie“ (1973) im Showdown. Eine Gestalt erinnert an Michael Myers aus den „Halloween“-Filmen, eine andere an Jason aus der „Freitag, der 13.″-Serie.

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Und natürlich schreien die Scream-Queens. Sie schreien wie verrückt. Die Fay-Wray-Gedächtnismedaille 2021 gebührt unzweifelhaft den Schreiköniginnen der „Fear Street“.

„Fear Street Trilogie“, ca. 320 Minuten, Regie: Leigh Janiak, mit Kiana Madeira, Benjamin Flores Jr., Sadie Sink, Emily Rudd (alle drei Filme streambar ab 16. Juli bei Netflix)

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