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Ulrich Matthes: „Thema Depression muss unbedingt weiter enttabuisiert werden“

  • Im ARD-TV-Event „Gott von Ferdinand von Schirach“ geht es um Sterbehilfe.
  • Ulrich Matthes spielt darin einen Bischof, der sich dagegen ausspricht. Der Schauspieler selbst ist da anderer Meinung, wie er im RND-Interview erzählt.
  • Außerdem spricht er übers Altwerden und darüber, ob er selbst Sterbehilfe in Anspruch nehmen würde.
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Das Erste zeigt am Montag, 23. November, um 20.15 Uhr den Fernsehfilm „Gott von Ferdinand von Schirach“. Darin geht es um Sterbehilfe: In einem fiktionalen Ethikrat wird über den Fall eines 78-jährigen, kerngesunden Mannes diskutiert, der sein Leben durch ein Medikament und mit Hilfe seiner Ärztin beenden will. Rechtlich ist das nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts seit Februar diesen Jahres möglich, im Film geht es um die ethische Debatte. Am Ende können die Fernsehzuschauer abstimmen, ob der Mann den tödlichen Medikamentencocktail von der Ärztin bekommen soll oder nicht. Nach Verkündung des Abstimmungsergebnisses wird Frank Plasberg dann die Zuschauerentscheidung in seiner Sendung „hart aber fair“ mit Experten erörtern.

Schauspieler Ulrich Matthes (61) verkörpert in dem Film einen Bischof. Mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht er darüber im Interview:

Ulrich Matthes, im Film „Gott“ geht es um Sterbehilfe. Am Ende kann das Publikum abstimmen, ob einem Witwer (78) das tödliche Medikament vom Arzt gegeben werden soll oder nicht. Was halten Sie von dieser Art TV-Event?

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Ich wünsche unserem Film mit diesem existenziellen Thema eine möglichst große Öffentlichkeit. Wenn das Abstimmen danach mit dafür sorgt, soll es mir recht sein.

Der Bischof, den Sie spielen, pocht auf die Souveränität Gottes über Leben und Tod und ist gegen Sterbehilfe. Wie ist Ihre persönliche Haltung dazu?

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Ich bin nicht gläubig und bin da anderer Meinung. Ich respektiere aber diese in sich schlüssige Argumentation des Bischofs. Das Bundesverfassungsgerichtsurteil, das im Februar gefällt wurde, habe ich spontan begrüßt, aber dann gehen die Fragen los. Denn das Bundesverfassungsgericht gibt nicht nur dem sterbenskranken Menschen ein Recht auf Suizidbeihilfe, sondern jedem Menschen, der in einer für ihn selbst unerträglichen Situation ist. Das Urteil hat einer 20-Jährigen, die unglücklich verliebt ist, so die Möglichkeit gegeben, sich mithilfe eines Arztes umzubringen. Das finde ich hochproblematisch. Der Gesetzgeber muss jetzt einen Weg finden, das auszuschließen, zu relativieren oder festzustellen, wie weit dieser Wunsch wirklich ein endgültiger ist.

Viele Menschen haben Angst davor, irgendwann im Krankenhaus oder Altenheim vor sich hin zu vegetieren und nicht mehr in der Lage zu sein, selbst über ihr Leben zu bestimmen. Kennen Sie das auch?

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Ich selbst beschäftige mich tatsächlich nicht mit einer Situation, die mir in ein paar Jahrzehnten oder durch einen Unfall oder so bevorstehen könnte. Aber natürlich bin ich empathisch genug, um nachzuvollziehen, wie das sein könnte. Das Problem im Film ist ja, dass nicht ein schwer kranker Mensch sterben will. Der Herr Gärtner im Film ist gesund, er sagt: Meine Frau ist leidend gestorben, ich möchte mein Leben jetzt in einem bewussten, gesunden Zustand beenden. Wenn dieser Mensch das selbstbestimmt sagt, sollte man ihm das Recht dazu einräumen, finde ich. Das Selbstbestimmungsrecht des Menschen sollte mehr zählen als die Maßgaben der Religion oder des Staates. Aber der Gesetzgeber muss sich Gedanken darüber machen, woran sich das Bewusstsein eines Sterbewilligen misst.

Der Arzt im Film sagt: „Wenn wir beim Sterben helfen, wird sich die Gesellschaft verändern.“ Wie stehen Sie zu dieser Aussage?

Viele alte Menschen sagen ja wirklich manchmal „Ich will keinem zur Last fallen“. Da muss die Gesellschaft sehr aufpassen, und das soziale Umfeld. Und das große Thema Depression muss unbedingt weiter enttabuisiert werden.

Wenn Sie es sich aussuchen könnten: Wie wollen Sie alt werden?

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Ich möchte natürlich möglichst lange gesund sein. Und wenn ich uralt bin, soll mich im Schlaf der Tod kurz anstupsen und sagen: „Guten Tag, da bin ich.“

Wollen Sie dann auch bis ins hohe Alter schauspielern?

Klar! Wenn ich mir dann meinen Text noch merken kann… Ich übe meinen Beruf mit der gleichen Leidenschaft aus wie vor hundertfünfzig Jahren, als ich angefangen habe (lacht). Ich würde gerne mit 90 noch über eine Bühne tapern und Firs, den alten Diener im „Kirschgarten“ von Tschechow, spielen.

Wenn Sie schwer krank werden würden: Könnten Sie sich vorstellen, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen?

Ja. Das kommt darauf an, wie schwer krank ich bin und ob ich noch Herr meiner Sinne bin. Wenn ich das noch wäre und einen entsetzlichen Leidensprozess dadurch abkürzen könnte, also die Möglichkeit hätte, mit Hilfe eines Hausarztes dieses Leiden zu beenden, würde ich das tun. Das sage ich jetzt, in gesundem Zustand. Da wäre ich dankbar für diese Möglichkeit.

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