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TV-Star Francis Fulton-Smith zu “Oktoberfest 1900“: “Die Wiesn ist ein Lebensgefühl“

  • In der Historienserie “Oktoberfest 1900” geht es um den Kampf zweier Brauereien um die Vormachtstellung beim Oktoberfest.
  • Mittendrin: Schauspieler Francis Fulton-Smith als Brauereichef.
  • Im RND-Interview spricht er über seine Verbindung zur Wiesn, die Corona-Krise – und ob die Serie sowas wie “Babylon Berlin” auf bayerisch ist.
Martin Weber
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München. Wildwestatmosphäre in München: Die opulente Historienserie “Oktoberfest 1900” dreht sich um den unerbittlichen Kampf zweier schnauzbärtiger Bierbarone um die Vormachtstellung auf dem größten Volksfest der Welt. Der vor 120 Jahren spielende Sechsteiler mit Stars wie Martina Gedeck, Brigitte Hobmeier und Misel Maticevic läuft am 15., 16. und 23. September in drei Doppelfolgen im Ersten. Der gebürtige Münchner Francis Fulton-Smith spielt einen der beiden Brauereichefs, der vor nichts zurückschreckt, um seinen Platz auf dem Oktoberfest zu behaupten.

Francis Fulton-Smith kam 1966 als Sohn eines Engländers und einer Deutschen zur Welt, wuchs zweisprachig auf und war schon in zahlreichen Filmen und Serien zu sehen. Von 2004 bis 2020 spielte der Schauspieler, der auch als Autor und Maler erfolgreich ist, eine Hauptrolle in der beliebten ARD-Serie “Familie Dr. Kleist”. Francis Fulton-Smith hat aus einer geschiedenen Ehe zwei Kinder und lebt in München.

Herr Fulton-Smith, die Historienserie “Oktoberfest 1900” spielt im München der Jahrhundertwende, in dem es ziemlich turbulent zuging. Ist das eine Art “Babylon Berlin” auf bayerisch?

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Francis Fulton-Smith: Nein, das glaube ich nicht, wir haben etwas vollkommen Eigenständiges gedreht. Klar, auch unsere Serie ist ähnlich wie “Babylon Berlin” aufwendig, historisch, dramatisch und manchmal auch bombastisch. Sie hat alles, was eine moderne Serie erfordert, die internationalen Sehgewohnheiten entspricht. Ich denke, das wird spektakuläre Unterhaltung.

Die Serie thematisiert den beinharten Kampf zweier großer Brauereien um die Vormachtstellung beim Oktoberfest.

Ja, damals ging es in der Bierbranche ganz schön zur Sache, da fand ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb statt. Im Jahr 1900 existierten in München sage und schreibe noch 186 Brauereien und nur zehn Jahre später waren nur noch zehn davon übrig. Allein an dieser Entwicklung kann man sehen, was da los war, da ging es teilweise zu wie im Wilden Westen.

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Die Serie kommt ja auch wie ein Bayern-Western daher …

Genau das haben wir uns beim Drehen auch immer gesagt, es fühlt sich an wie in einem Western, toll (lacht). Allerdings hat die Serie nichts von einem alten Edelwestern von John Ford, sondern mehr von einem schmutzigen Italowestern à la Sergio Leone. Das München von damals war eine schlammige, eine dreckige Stadt voller Pferdefuhrwerke und Spelunken. Man macht sich das in unserer Luxusgesellschaft heutzutage ja gar nicht mehr so bewusst, dass das alles noch gar nicht so lange her ist.

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Sie spielen mit Schnauzbart, Schlapphut und Schaftstiefeln einen finsteren Münchner Brauereibesitzer, ein urbayerisches Kraftpaket. Ist Ihnen als gebürtigem Münchner die Rolle leichtgefallen?

Nicht unbedingt, ich musste mich auch in diese Figur einarbeiten und hineinfinden wie in alle anderen Figuren, die ich schon gespielt habe. Dabei kam mir zugute, dass die Drehbücher schon in einem frühen Stadium auf derart hohem Niveau waren, dass man die Figuren beim Lesen förmlich riechen konnte.

Aber dass Sie Münchner sind, hat speziell bei dieser Figur doch schon geholfen, oder?

Das ist sicher richtig, und der Bayerische Rundfunk hat ja auch darauf geachtet, dass ein paar waschechte Bayern oder sogar gebürtige Münchner wie Martina Gedeck, Brigitte Hobmeier, Maximilian Brückner oder eben ich mitspielen.

Welche Verbindung haben Sie zum Oktoberfest?

Eine ganz starke. Viele meiner Freunde sind Wiesn-Wirte. Insofern war es für mich auch eine große Ehre, den Chef einer Bierdynastie zu spielen, der passioniert und ein echter Visionär ist – und ein knallharter Hund dazu (lacht).

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Sind Sie jedes Jahr auf der Wiesn?

Natürlich. Die Wiesn ist ein Lebensgefühl. Ich bin aber nicht der klassische Oktoberfestbesucher, der sich an den Fahrgeschäften und Bierzelten erfreut, sondern nutze die Veranstaltung hauptsächlich für gesellschaftliche und geschäftliche Kontakte. Ich glaube, das Oktoberfest muss jeder einmal gesehen haben.

Francis Fulton-Smith und seine Ehefrau Verena Klein.

Was gefällt Ihnen denn am Oktoberfest?

In erster Linie die Tradition: Wenn die Männer ihre Ledernen anziehen und die Frauen sich ins Dirndl werfen, dann hat das einen ganz besonderen Charme, der einzigartig ist. Hinzu kommt, dass das Essen auf dem Oktoberfest mittlerweile richtig gut ist, und dass diese riesige Massenveranstaltung – abgesehen von dem furchtbaren Terroranschlag 1980 – größtenteils völlig friedlich über die Bühne geht. In München geht Multikulti eben. Klar, wenn der ein oder andere Zeitgenosse eine Maß zu viel intus hat, wird es auch mal ungemütlich, aber so etwas wird meistens im Keim erstickt. Da macht die Münchner Polizei immer wieder einen richtig guten Job.

Sind Sie selber Biertrinker?

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Es wäre seltsam, wenn ich diese Frage als gebürtiger Münchner verneinen würde (lacht). Aber meistens trinke ich Wasser, und beim Bier greife ich bevorzugt zur alkoholfreien Variante.

Wie finden Sie es, dass das Oktoberfest dieses Jahr wegen Corona ausfallen muss?

Das ist eine Katastrophe – menschlich, gesellschaftlich und vor allem wirtschaftlich, am Oktoberfest hängen ja ganz viele Existenzen. Ich kann nur hoffen, dass uns die Traditionsinstanz Oktoberfest bald wiedergeschenkt wird.

Wie ist es Ihnen in der Corona-Krise bislang ergangen?

Als Schauspieler gehören zeitweilige Stille und Einsamkeit ja zum Job, von daher empfand ich das alles als nicht so dramatisch. Ich habe derzeit etwa 20 Drehbücher auf dem Tisch, alles tolle Angebote, und orientiere mich neu. Ich schreibe außerdem Drehbücher, arbeite an einem neuen Roman, bereite mit meiner Produktionsfirma drei neue Projekte vor, und ich habe Anfragen für zehn neue Ausstellungen meiner Malerei. Dazu kommen noch meine zwei bezaubernden Kids. Sie sehen, bei mir gibt es immer etwas zu tun, und deswegen begreife ich die Pandemie, so schrecklich sie auch ist, in gewisser Weise sogar als Chance.

Inwiefern?

Dass man mal für sich eine Standortbestimmung macht und sich darüber klar wird, was einem im Leben eigentlich wichtig ist.

Was ist Ihnen denn wichtig?

Die Arbeit und meine Liebsten, würde ich sagen. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

Und wie wichtig war Ihnen die Serie “Familie Dr. Kleist”, in der Sie viele Jahre die Hauptrolle gespielt haben und die vor Kurzem zu Ende gegangen ist?

Die war wichtig für mich, und ich denke sehr gerne an sie zurück. Aber das Kapitel ist abgeschlossen und ich freue mich auf neue Herausforderungen. Insofern begreife ich “Oktoberfest 1900” als Startschuss in eine neue künstlerische Ära.

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