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TV-Kritik zur neuen Pocher-Show bei RTL: Gefährlich egal

  • Am Freitag feierte die neue Late-Night-Show von Oliver und Amira Pocher Premiere.
  • Die ist allerdings so langweilig, dass man sich nicht mal gescheit drüber aufregen kann, findet unser Autor.
  • Die witzigste Pointe lieferte ausgerechnet eine Seniorin, die nicht hauptberuflich Comedian ist.
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Köln. Es ist kurz nach Mitternacht, als mich Ilka Eßmüller von meinem Leid erlöst. Das Nachtjournal berichtet über eine Schimpansenfarm in Uganda, die wegen der fehlenden Touristen jetzt in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Es ist der erste halbwegs mitreißende Beitrag seit über einer Stunde im RTL-Programm. Die Affen tun mir leid, und ich werde ganz kurz wieder wach.

Dann allerdings holt mich die Realität wieder ein: Der verflixte Text muss noch geschrieben werden. Was hab ich mir nur dabei gedacht?

Übermütig hatte ich mich dazu bereit erklärt, mir die neue Late-Night-Show von Oliver Pocher anzusehen. Nicht weil ich viel davon erwartet hätte – sondern eher in der Hoffnung, mich zum Start ins Wochenende mal genüsslich über sein Schaffen aufzuregen.

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Die Überschrift stand auch schon: “Gefährlich dämlich”. Pocher würde ja ganz sicher wieder mit gepflegter Doppelmoralkeule irgendwelche Influencer zum Heulen bringen, Schlagerstars mit schlechten Parodien durch den Dreck ziehen, nach unten treten wo es nur geht, vielleicht noch den ein oder anderen Porno leaken und am Ende den Diss-Track einer Hip-Hop-Band einfach komplett ignorieren, weil man mit dem ganzen pseudointellektuellen Geblubber ohnehin nicht dagegen punkten kann.

Günther Jauch nimmt sich die letzte Würde

Doch nichts davon geschah. Gar nichts. Stattdessen das hier:

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Ausgerechnet Altmeister Günther Jauch muss für das Intro der Show herhalten, er präsentiert in einem fiktiven “Menschen, Bilder, Emotionen”-Beitrag die bisherigen “Highlights” des Jahres 2020 und nimmt sich damit seine letzte Würde. Gezeigt werden Pochers Wendler-Parodien, sein Auftritt bei Mario Barth, sein Unfall mit dem Gewehr und der Platzwunde, seine Corona-Erkrankung, seine Influencer-Parodien, seine Autokinoshows.

Gefühlte zehn Minuten geht das so, und es wird klar: In dieser Show wird es vor allem um eines gehen, nämlich um Pocher selbst.

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Das Intro endet ohne Pointe, die Kamera schwenkt auf den tänzelnden Pocher, der jetzt mit seiner Frau Amira im Late-Night-Studio steht. “Die erste Late-Night-Show, wo die Frau mitsitzt”, kündigt Pocher an. Dann ruft eben diese dazu auf, doch bitte Mails zu schreiben, wenn man “was Lustiges im Netz” sehe.

Schamlose Eigenwerbung

Dann geht es, na klar, noch mal um Pocher selbst: Mit einer spektakulären Wette versuchen die beiden Akteure seinen Instagram-Account noch bekannter zu machen als er ohnehin schon ist. Knacke man innerhalb der Sendung die zwei Millionen Follower, wolle er sein Blut verlosen, kündigt Pocher an. Innerhalb von nur drei Minuten springt die Zahl von 1,9 Millionen auf 2 Millionen.

Es folgen diverse Beiträge über diverse verrückte Leute – Attila Hildmann zum Beispiel. Pocher macht sich über dessen Verschwörungsgeblubber lustig, und zwar im altbekannten Stil. Er lässt das Video laufen, steht daneben und äfft es nach. Immerhin steht Pocher diesmal nicht mit iPad vor der Kamera, wie bei seinen semiprofessionellen Instagram-Clips. RTL hat stattdessen in einen großen Studioscreen investiert.

Das macht die Sache aber nicht viel lustiger – auch dann nicht, als Pocher einen verschwörungsschwurbelnden Heilpraktiker nachmacht. Nur zur Verdeutlichung ein paar seiner “Pointen”: "Ich habe keine Lust mehr auf Fenster, weil Windows ist von Bill Gates.” Oder: “Jens Spahn hat ein eigenes Land: Spahnien, wo Corona zuerst wütete.” Oder: “Ich esse auch keine Chips mehr. Ich lasse mich nicht chippen, ich esse Flips.” Mein Gott, habe ich das gerade wirklich aufgeschrieben?

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Peinliche Selbstinszenierung

Es folgen ein nicht viel lustigerer Beitrag über eine Corona-Demo in Berlin und eine pöbelnde Privatnachricht von Attila Hildmann, ehe Pocher das präsentiert, was er noch viel weniger kann: parodieren.

Diesmal ist Peter Kloeppel an der Reihe, Pocher fährt ein fiktives “Nachtjournal” ab, in dem ein schlecht imitierter Dr. Christian Drosten einen Zusammenhang zwischen Pochers Instagram-Followerzahl und den Corona-Infektionszahlen herstellt. Merken Sie was? Genau: Schon wieder so ein selbstreferenzieller Quatsch.

Es folgt ein Schlenker zu Sido und dem Besuch der “Bild”-Zeitung vor seiner Haustür, und dann nutzt Pocher ein letztes Mal die Chance, sich als Comedylegende zu inszenieren: Er holt seine alte Rubrik “Rent a Pocher” samt Retroabspann noch mal zurück – als wäre das irgendwas, an das sich noch irgendjemand erinnern würde (Zur Erklärung: Lief vor sehr langer Zeit mal kurz auf Pro7).

Den besten Gag macht eine Seniorin

In dem Beitrag besucht er das DRK und sagt beim Anblick der Erste-Hilfe-Übungspuppen Sachen wie: "Aha, Sexspielzeuge”.

Den lustigsten Gag der ganzen Sendung bringt schließlich nicht Pocher selbst, sondern eine alte Dame in einer Seniorenwohnanlage. Sie fragt den Moderator, wann sie und die Sendung denn im Fernsehen zu sehen seien. “Freitag, 23.15 Uhr”, antwortet Pocher. “Ah, gucke ich. Wenn ich da noch lebe”, antwortet die Seniorin.

Und damit endet das lustlose Schauspiel der beiden Pochers, ehe endlich das Nachtjournal übernimmt.

Wussten Sie eigentlich, dass Covid-19 für Schimpansen noch viel gefährlicher ist als für den Menschen? Und dass auf Ngamba Island auch noch Hochwasser ist? Wenn das Wasser bis zum Elektrozaun vordringt, können sich die Pfleger nicht mehr um die Tiere kümmern. Und überhaupt reicht das Futter nur noch bis zum Ende des Monats.

Ich werde den Beitrag aus dem Nachtjournal mal Amira per Mail schicken – sie hatte ja drum gebeten. Vielleicht läuft dann nächste Woche mal was Vernünftiges in der neuen Pocher-Show. Sofern sie dann noch nicht abgesetzt ist.

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