Trump-freundlicher Kanal Newsmax sagt Fox News den Kampf an

  • Jetzt, wo der einstige Lieblingssender Fox News es sich mit dem abgewählten US-Präsidenten verdorben hat, drängt der kleine Konkurrent Newsmax in die Gunst der Trump-Anhänger.
  • Newsmax ist der Fernseh-Ableger einer konservativen Website.
  • Noch immer spricht der Sender nicht von Biden als designiertem Präsidenten, lässt stattdessen immer wieder Theorien über Wahlunregelmäßigkeiten widerhallen.
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New York. „Wir haben Fox echt von rechts in die Ecke gedrängt“, brüstet sich Chris Ruddy. „Das hatten sie noch nie.“ Mit seinem Sender Newsmax positioniert sich Ruddy beim konservativen US-Publikum, das bislang Fox News die Treue hielt. Doch Fox, der lange als Haussender Donald Trumps galt, hat es sich spätestens mit der Wahlberichterstattung mit dem Präsidenten verdorben. Ruddy hingegen ist fester Trump-Freund.

Newsmax, der Fernseh-Ableger einer konservativen Website und bislang eher im Schatten, verzeichnet entsprechend einen Zustrom von Trump-Fans. „Wir hauen sie hier um auf Newsmax, mit einer Taktik, die sie nie ausprobiert haben“, stichelt Newsmax-Mann Grant Stinchfield in der Prime Time gegen die große Konkurrenz. „Sie heißt Wahrheit, die eiskalte Wahrheit, und wenn man mal davon probiert hat, wird man es nie wieder hinnehmen angelogen zu werden“, lehnt er sich aus dem Fenster.

Gewagt – denn in vielen Fällen trifft genau das Gegenteil zu. So berichtete der Sender etwa, dass Joe Biden wegen Wahlbetrugs nicht als rechtmäßiger künftiger Präsident gelten könne. Oder er füttert dem Publikum Verschwörungstheorien, die die Trump’sche Wahlniederlage schönreden. Dennoch lässt sich der Zuschaueranstieg nicht abstreiten. Im Zeitraum zwischen Anfang Juli und der Woche vor dem Wahltag schalteten sich im Schnitt werktags von 19 bis 22 Uhr rund 58.000 Zuschauer zu. In der Woche nach der Wahl schnellte die Zahl laut Daten des Marktforschers Nielsen auf fast das Zehnfache an und lag bei 568.000. Untertags stieg die Zuschauerzahl von 46 000 auf 450 000.

Noch liegt Fox News in der Gunst des konservativen Publikums weit, weit vorne: laut Nielsen in den oben genannten Zeiträumen abends bei durchschnittlich 3,6 Millionen Zuschauern. Und Fox-Corporation-Chef Lachlan Murdoch gibt sich locker: „Wir lieben den Wettbewerb“, sagt er. Doch Newsmax hat zum Kampf geblasen.

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Ruddy führt den Zuwachs stark auf Trump-Anhänger zurück, die Fox den Zuschlag der Wahlmännerstimmen Arizonas an den Demokraten Joe Biden in der Wahlnacht nicht verzeihen. Ausgerechnet Fox brachte diese Gewinnprognose zuerst, noch vor den anderen Sendern. Auch wenn sich bald bestätigte, dass Fox richtig lag, war das für treue Fans des Noch-Präsidenten unangebracht und ein Zeichen der Illoyalität.

Wo früher deutlich zu sehen war, dass die Sympathien Trumps Fox News galten – er zeigte sich als treuer Zuschauer und gab dem Netzwerk häufiger Interviews als anderen Nachrichtenmedien -, war die Abkühlung zuletzt merklich zu spüren. Im Wahlkampf kritisierte Trump mehrfach den Sender, jetzt legte er seiner Anhängerschaft per Twitter nachdrücklich einen Wechsel zu Newsmax oder One America News Network ans Herz, einem kleinen Mitbewerber mit ebenfalls konservativem Standpunkt.

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Newsmax hat kein großes Nachrichtengeschäft

Im Fernsehprogramm sind vor allem News-Talkshows, bei denen nicht schwer zu erahnen ist, wo die Loyalitäten liegen „Donald Trump ist die mächtigste Person auf der Welt“, ist da etwa von Greg Kelly zu hören, einem einstigen Fox-Mann. „Nicht weil er Präsident ist, sondern weil er von so vielen Menschen geliebt wird.“ Als Kollege Chris Salcedo in einem Interview mit einer Frage zu Biden ins Fettnäpfchen trat, wurde das schnell abgetan. Salcedo musste als Antwort des Interview-Partners, Trump-Berater Peter Navarro, hinnehmen: „Was mich angeht, so wird Präsident Trump eine zweite Amtszeit haben.“

Noch immer spricht Newsmax nicht von Biden als designiertem Präsidenten, lässt stattdessen immer wieder Theorien über Wahlunregelmäßigkeiten widerhallen. Nichtsdestotrotz räumt Gründer Ruddy inzwischen ein, dass die Chancen Trumps, das Wahlergebnis noch umzukehren, gering sind. Und für den Fall, dass Trump nach seinem Ausscheiden aus dem Weißen Haus kein eigenes Medienunternehmen gründen, sondern sich einem existierenden anschließen will, sagt er: Er glaube ja nicht, dass Donald Trump eine tägliche Show übernehmen wolle, aber vielleicht eine wöchentliche. Und Newsmax wäre sehr interessiert daran, ihn zu gewinnen.

RND/AP

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