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  • Trump bei Twitter gesperrt: Dauerhafte Sperrung - Grund sei das "Risiko einer weiteren Anstiftung zur Gewalt“

Twitter sperrt Trump dauerhaft - der poltert auf anderem Account weiter

  • Kurz vor dem Ausscheiden aus dem Amt verliert der abgewählte US-Präsident Donald Trump seine mit Abstand wichtigste Kommunikationsplattform.
  • Twitter sperrt ihn aus - dauerhaft.
  • Hintergrund ist die Gewalteskalation am und im Kapitol.
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Washington. Nach der Erstürmung des Kapitols durch Anhänger Donald Trumps hat der Kurznachrichtendienst Twitter das wichtigste Konto des abgewählten US-Präsidenten nach eigenen Angaben dauerhaft gesperrt. Grund sei das „Risiko einer weiteren Anstiftung zur Gewalt“, teilte Twitter am Freitagabend (Ortszeit) mit. Twitter ist die wichtigste Kommunikationsplattform Trumps gewesen. Er hatte sich über die Plattform meist mehrfach täglich direkt an seine Anhänger und die Weltöffentlichkeit gewandt. Mehr als 87 Millionen Menschen folgten dem Präsidenten auf dessen Account @realDonaldTrump.

Kritiker werfen Trump vor, seine Anhänger am Mittwoch bei einer Kundgebung zum Angriff auf das Kapitol angestiftet zu haben. Bei den Ausschreitungen kamen fünf Menschen ums Leben. Die Tweets auf dem Konto @realDonaldTrump waren am Freitagabend nicht mehr zugänglich. Stattdessen erschien dort die Meldung „Account gesperrt“. Twitter führte zur Begründung der neuen Sperre konkret zwei Tweets des Präsidenten vom Freitag auf.

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Twitter sperrt Account von US-Präsident Donald Trump
1:17 min
Der Kurznachrichtendienst Twitter hat die Konten des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump permanent gesperrt.  © Reuters
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Twitter begründet Entscheidung mit zwei Tweets vom Freitag

In einem dieser Tweets schrieb Trump - teils in Großbuchstaben -, die 75 Millionen „großartigen amerikanischen Patrioten“, die bei der Wahl für ihn gestimmt hätten, würden bis weit in die Zukunft eine „gewaltige Stimme“ haben. Sie würden nicht gering geschätzt oder in irgendeiner Form unfair behandelt. In einem zweiten Tweet kündigte Trump an, er werde der Amtseinführung seines Nachfolgers Joe Biden am 20. Januar fernbleiben.

Twitter wertete die Kombination beider Tweets als geeignet, um Menschen zu gewalttätigen Akten im Stile der Stürmung des Kapitols zu inspirieren. Der Kurznachrichtendienst argumentierte unter anderem, Trumps Hinweis, dass er selbst nicht an der Vereidigungszeremonie teilnehme, könne für jene, die möglicherweise Gewalttaten in Betracht zögen, als Ermutigung dienen, „dass die Vereidigung ein 'sicheres' Ziel sei“, weil Trump selbst dort nicht anwesend sei.

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Trump will nicht an Bidens Amtseinführung teilnehmen
1:05 min
Bis zur offiziellen Zertifizierung der Wahlergebnisse am Donnerstag im Kongress hielt Trump an der Darstellung fest, der Wahlausgang könne umgestürzt werden.  © dpa
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Auf Twitter und anderswo würden bereits Pläne für künftige bewaffnete Proteste verbreitet, hieß es weiter. Unter anderem sei dort die Rede von einer vorgeschlagenen weiteren Attacke auf den Kongresssitz am 17. Januar.

Nach den Ausschreitungen am Kapitol am Mittwoch hatte Twitter den Account @realDonaldTrump bereits für zwölf Stunden gesperrt, weil Tweets des Präsidenten „wiederholt und schwerwiegend“ gegen die Richtlinien der Plattform verstoßen hatten. Der Kurznachrichtendienst hatte Trump mit einer dauerhaften Sperre gedroht, sollten diese Tweets nicht entfernt werden.

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Trump twitterte unter anderem Account weiter

Betroffen war unter anderem ein Video, in dem Trump seine Anhänger zwar zum Rückzug aus dem von ihnen gestürmten Kapitol aufrief - aber zugleich abermals seine unbelegten Behauptungen über angeblichen Wahlbetrug wiederholte. In einem weiteren Tweet hatte Trump mit Blick auf die Ausschreitungen seiner Anhänger am Parlament geschrieben: „Das sind Dinge und Ereignisse, die passieren, wenn ein heiliger Erdrutschsieg so unvermittelt und gemein“ gestohlen werde. Twitter begründete die dauerhafte Sperre nun aber mit neuen Tweets.

Das offizielle Konto des Präsidenten der Vereinigten Staaten namens @POTUS bleibt bestehen. Trump kritisierte den Kurznachrichtendienst am Freitagabend (Ortszeit) als Feind der freien Meinungsäußerung und spielte offen mit dem Gedanken, eine eigene “Plattform” aufzubauen. Dies postete er im @POTUS-Account, wo der Tweet rasch gelöscht wurde. Auf ein anderes Konto auszuweichen, um der Sperrung zu entgehen, sei gegen die Regeln, stellte Twitter klar. Künftig werde man dafür sorgen, dass die Nutzung von @POTUS oder @WhiteHouse eingeschränkt werde.

Bei Facebook ist Trump ebenfalls gesperrt

Facebook hatte am Donnerstag mitgeteilt, Trump bis auf Weiteres zu sperren. Trumps Konten bei dem Online-Netzwerk und auch bei der Fotoplattform Instagram sollten für mindestens zwei Wochen beziehungsweise bis zur Amtsübergabe an Nachfolger Joe Biden blockiert bleiben, wie Facebook-Chef Mark Zuckerberg am Donnerstag ankündigte. Zunächst hatte Facebook Trump für 24 Stunden gesperrt.

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Vor allem Twitter beschränkte sich bei Trump bisher auf Warnhinweise, weil der Dienst die Beiträge des Präsidenten als geschichtliche Dokumente betrachtet. Twitter und Facebook hatten in den vergangenen Monaten zahlreiche Beiträge Trumps mit Warnungen vor falschen Informationen versehen und zum Teil auch deren Verbreitung eingeschränkt. Der scheidende Präsident warf den Plattformen daraufhin politische Zensur vor.

RND/dpa

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