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  • Trivia zu 50 Jahre „Sesamstraße“: Ernie und Bert, Mahna Mahna und Herr Bödefeld – hätten Sie es gewusst?

Unnützes Wissen über die „Sesamstraße“: Warum verschwand Herr von Bödefeld?

  • Seit 50 Jahren flimmert die „Sesamstraße“ auch in Deutschland über die Fernsehbildschirme.
  • Seit dieser Zeit ranken sich einige Mythen um die erfolgreiche Kindersendung.
  • Wussten Sie beispielsweise, welchen schlüpfrigen Hintergrund der Song „Mahna Mahna“ hat? Und was geschah eigentlich mit Herrn von Bödefeld?
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Hannover. Vor 50 Jahren flimmerte erstmals eine Ausgabe der „Sesamstraße“ über die deutschen Fernsehbildschirme – damals noch importiert aus den USA und zunächst gänzlich unsynchronisiert, später dann auch mit deutscher Rahmenhandlung. Seit den Anfangsjahren mit dabei: Ernie und Bert. Andere Figuren hingegen kamen erst später hinzu, manche verschwanden mit der Zeit.

Wissen Sie zum Beispiel, wo Herr von Bödefeld plötzlich abgeblieben ist? Können Sie erraten, welchen schlüpfrigen Ursprung der Song „Mahna Mahna“ eigentlich hat? Und überhaupt: Sind Ernie und Bert eigentlich ein Paar oder nur ziemlich beste Freunde? Dieses und mehr unnützes Wissen über die beliebte Kindersendung haben wir in diesem Text zusammengestellt.

Die verbotene Folge 847

Am 10. Februar 1976 wird eine Folge der US-„Sesamstraße“ ausgestrahlt, die danach nie wieder gezeigt wird. Episode 847 löst nämlich wütende Briefe von Eltern aus, die der Ansicht sind, die Episode sei für ihre Kinder viel zu gruselig.

Margaret Hamilton, die Schauspielerin der Hexe aus „Das zauberhafte Land“, verkörperte in dieser „Sesamstraßen“-Episode ebenfalls eine Hexe. Wegen der zahlreichen Beschwerden wurden später Tests durchgeführt, um die Reaktionen der Kinder auf die vermeintlich angsteinflößende Figur genauer untersuchen zu können.

Diese Tests lieferten kein eindeutiges Ergebnis, dass die Kinder tatsächlich Angst vor der Hexe haben könnten. Die Forschungsabteilung des verantwortlichen Senders schlug dennoch vor, die „Margaret-Hamilton-Show“ nicht mehr in der „Sesamstraße“ zu zeigen.

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Der Hit „Mahna Mahna“ stammt eigentlich aus einem Softporno

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Diesen Song kennt wirklich jeder – und bekannt wurde er vor allem durch die „Sesamstraße“. Die Rede ist von „Mahna Mahna“ (ursprünglich eigentlich „Mah Nà Mah Nà“). 1969 war er erstmals in der US-Version der „Sesamstraße“ zu hören, 1976 schaffte er es in die britische „Muppet Show“ und erlangte internationale Bekanntheit.

Was viele nicht wissen: Geschrieben wurde der Hit ursprünglich für einen Erotikfilm. „Mah Nà Mah Nà“ gehört zum Soundtrack des italienischen Softcorestreifens „Svezia, inferno e paradiso“ von 1968 (Deutsch: „Schweden – Hölle oder Paradies?“), in dem es um nackte Tatsachen in Schweden geht.

In einem Youtube-Video ist zu sehen, wie der Song ursprünglich in dem Film eingesetzt wurde: Eine Gruppe Frauen bewegt sich zu der Musik in einer schwedischen Sauna. Angeblich hatte für genau diese Szene seinerzeit noch die Musik gefehlt, also improvisierte der Erfinder des Stücks, Piero Umiliani, mit einigen Musikern, spontan ein kurzes Lied. „Mah Nà Mah Nà“ trug ursprünglich eigentlich den Titel „Viva la Sauna Svedese“ („Es lebe die schwedische Sauna“).

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1968 wurde der Erotikstreifen für den amerikanischen Markt zurechtgeschnitten, dabei wurden die Produzenten auf den Soundtrack aufmerksam. „Mah Nà Mah Nà“ wurde schließlich als Single ausgekoppelt und dann auch in der „Sesamstraße“ verwendet. Der Rest der Erfolgsgeschichte ist bekannt.

Ein Brand veränderte alles

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1988 ereignete sich in den Wandsbeker Studios des NDR ein Großbrand, bei dem die Puppen und auch die Kulisse der „Sesamstraße“ zerstört wurden. Danach wurde das Konzept der beliebten Kindersendung vollständig überarbeitet.

Einige Figuren kehrten nicht mehr in die Sesamstraße zurück, neue stießen hinzu. Der Vor- und Abspann der Sendung wurde geändert, auch die Kulisse änderte sich: Künftig spielte die Kindersendung in drei Bereichen: in einem Vorgarten, in einem Wald und vor einer Höhle.

Auch Prominente tauchten erstmals in der Sendung auf, Gernot Endemann zum Beispiel, aber auch Hildegard Krekel. Später spielten auch Dirk Bach und Miriam Krause in der „Sesamstraße“ mit.

Warum Herr von Bödefeld verschwand

Viele dürften sich gar nicht mehr an ihn erinnern, ältere Semester fragen sich jedoch bis heute: Was geschah eigentlich mit Herrn von Bödefeld? Bei der Figur handelt es sich um einen Negativcharakter der deutschen „Sesamstraße“: rosa Fell, wilde, bunte Locken. Angeblich soll Herr von Bödefeld ein Meerschweinchen darstellen, er ist spießig, spricht affektiert, ist sehr eitel und legt Wert darauf, stets gesiezt zu werden. Auf Youtube sind heute noch Ausschnitte mit der Puppe zu finden – einer der erfolgreichsten trägt den vielsagenden Titel „Herr von Bödefeld hält alle für zu fett“.

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1988 dann allerdings verschwand Herr von Bödefeld urplötzlich aus der „Sesamstraße“. Erklärt wurde das nicht. Seither spinnen sich die wildesten Theorien, was eigentlich mit dem rosa Spießer geschehen sein möge. Wurde es ihm zu bunt mit seinen Nachbarn in der Sesamstraße? Ging er auf Weltreise? Oder ist er gar gestorben?

Die Antwort ist deutlich simpler: 1988 lief die Lizenz für die Puppe aus. Herr von Bödefeld stammte nämlich nicht, wie alle anderen Figuren, aus dem „Sesamstraßen“-Ensemble aus den USA, sondern wurde allein für die deutsche Variante der „Sesamstraße“ eingekauft. Nachfolger des Miesepeters wurde schließlich der heute deutlich bekanntere Charakter Rumpel, der in einer Regentonne lebt.

Warum Rumpel den fiesen Oscar ersetzte

Wo wir gerade bei Rumpel sind: In der „Sesamstraße“ gibt es gleich zwei Figuren, die in einer Tonne leben – neben Rumpel gibt es nämlich noch den Griesgram Oscar. Das hat einen Grund: Oscar ist eine Figur aus der US-Version der „Sesamstraße“. Dort verbreitet er aus seiner Mülltonne heraus in unregelmäßigen Abständen schlechte Laune und stieß damit auch auf Kritik – vor allem bei Eltern.

In Deutschland wurde insbesondere wegen Oscar die amerikanische Rahmenhandlung der Kindersendung ab 1976 nicht mehr gezeigt. Es soll Beschwerdebrief gehagelt haben, weil Oscar angeblich einen schlechten Einfluss auf die Kinder haben soll. In einem seiner umstrittensten Lieder singt die Figur „Ich mag Müll. Alles, was schmutzig ist, stinkig und dreckig.“.

Bei der späteren deutschen Variante der „Sesamstraße“ fehlte die Figur aus der Tonne daher zunächst, bis 1988 schließlich Rumpel zum Ensemble hinzustieß. Ein deutlich freundlicherer Griesgram, der statt in einer Mülltonne in einer Regentonne lebt. Bis 2009 war die Figur in der „Sesamstraße“ zu sehen, ehe sie aus dem Ensemble gestrichen wurde.

Sind Ernie und Bert jetzt ein Paar oder nicht?

Um den Beziehungsstatus von Ernie und Bert gibt es seit vielen Jahren Diskussionen. © Quelle: imago images/UPI Photo

Einer der größten Mythen rund um die „Sesamstraße“ ist sicherlich dieser: Jahrzehntelang wurde darüber spekuliert, in welchem Verhältnis eigentlich die Figuren Ernie und Bert zueinander stehen. Immer wieder gab es dafür auch Erklärungsansätze. Von den Machern der „Sesamstraße“ wurden die Figuren stets als „Freunde“ bezeichnet, was Fans jedoch nicht so richtig glauben wollten.

2013 befeuerte die Zeitschrift „The New Yorker“ schließlich die Diskussion um den Beziehungsstatus der Figuren. Unter dem Titel „Moment of Joy“ wurde ein Cover veröffentlicht, das Ernie und Bert auf einer Couch beim Fernsehen zeigt und wie sich Ernie zärtlich an Bert anlehnt. Auf dem Fernseher ist derweil das amerikanische Verfassungsgericht zu sehen, das seinerzeit über die Verfassungsmäßigkeit von lokalen Gesetzen entschied, in denen es um das Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen ging.

2018 äußerte sich dann erstmals ein ehemaliger Macher der „Sesamstraße“ ausführlich zum Hintergrund der beiden Figuren. Mark Saltzman, langjähriger Autor der Kindersendung, erklärte dem LGBT-Magazin „Queerty“, das Verhältnis der beiden Figuren sei durchaus als Beziehung zu interpretieren.

Saltzman habe in die Handlung der Figuren sogar Dinge einfließen lassen, die ihn selbst an seinem eigenen Partner störten. Seinem Chef habe er die Parallelen zu seinem eigenen Leben aber nicht mitgeteilt. Saltzman stieß erst in den 1980er-Jahren zur Sendung, als es die Charaktere Ernie und Bert bereits mehr als zehn Jahre gab. Erst in dieser Zeit habe er auch sein Coming-out gehabt.

Die heutigen Macher der „Sesamstraße“ sind mit dieser Erklärung derweil alles andere als glücklich. Sie dementierten später Saltzmans Aussagen.

In einem Statement wies der „Sesame Workshop“ darauf hin, dass Ernie und Bert „schon immer“ beste Freunde gewesen seien. Die Puppencharaktere seien entwickelt worden, um zu zeigen, dass Menschen trotz großer Unterschiede gute Freunde sein können. „Obwohl wir sie als männliche Charaktere identifizieren und sie viele menschliche Züge und Charakteristika besitzen (wie fast alle „Sesamstraßen“-Muppets es tun), bleiben sie Puppen und haben deshalb keine sexuelle Orientierung“, schreiben die Urheber.

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