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„Traumschiff“-Dreh in Corona-Zeiten: Wenn der Kapitän nicht mehr das Sagen hat

  • Seit fast 30 Jahren schippert das „Traumschiff“ Weihnachten, Neujahr und Ostern im ZDF über die Weltmeere.
  • Doch in diesem Jahr hat Corona auch diese Dreharbeiten beeinflusst.
  • Warum TV-Legende Wolfgang Rademann mit dem Dreh so seine Schwierigkeiten gehabt hätte und weshalb Passagiere plötzlich Masken nähten, lesen Sie hier.
Dennis Ebbecke
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„Keine Gewalt, kein Mord, mäßiger Sex und immer ein Happy End.“ Getreu diesem Motto des 2016 verstorbenen TV-Produzenten Wolfgang Rademann steuert „Das Traumschiff“ seit nunmehr knapp 30 Jahren die Häfen, Traumstrände und schönsten Destinationen dieser Welt an.

Für die TV-Zuschauer haben die neuen Folgen an Weihnachten, Neujahr und Ostern Tradition. Vom Empfang der Passagiere vor dem Auslaufen des luxuriösen Kreuzfahrtschiffes „Amadea“ durch Hoteldirektorin Hanna Liebhold (Barbara Wussow), die 2018 in die Fußstapfen von Chefhostess Beatrice (Heide Keller) getreten war, bis zum abschließenden Kapitänsdinner samt Torten, Wunderkerzen und einer Rede von Kapitän Max Parger (Florian Silbereisen): „Das Traumschiff“ im ZDF gilt als eine der wenigen Konstanten in einer schnelllebigen und aktuell schwierigen Zeit.

„Traumschiff“ in Afrika: An Neujahr geht es auf die Seychellen

Aufgrund der globalen Corona-Pandemie wurde das Produktionsteam im Rahmen der Dreharbeiten zuletzt zwar vor große Herausforderungen gestellt, doch auch hier konnte die Crew dem Rademann’schen Wunsch nach einem Happy End entsprechen. Am 2. Weihnachtsfeiertag nahm der Ozeanriese Kurs auf Kapstadt, an Neujahr (20.15 Uhr/ZDF) entführt Kapitän Parger die Zuschauer auf die Seychellen.

Auch Corona konnte die „Amadea“ also nicht vom Kurs abbringen, wenngleich das eine oder andere strategische Manöver notwendig war. „Nach wie vor können wir Träume verkaufen“, erklärt ZDF-Redakteurin Andrea Klingenschmitt im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

2020 hatte mal nicht (nur) der Kapitän das Sagen

Seit 1991 ist Klingenschmitt Teil der „Traumschiff“-Familie, koordiniert die Abläufe rund um die Dreharbeiten – 2020 war auch für sie vieles Neuland. In all den Jahren hatte der jeweilige Kapitän auf der Brücke das Sagen, doch unter diesen besonderen Umständen sei diesmal „der Hygieneschutzbeauftragte der Chef im Ring“ gewesen. Dabei hatte alles so reibungslos begonnen. „Wir konnten unsere Dreharbeiten an Land bereits vor der Pandemie finalisieren. Insofern war es für uns ein ganz normaler Drehbeginn, wie wir ihn seit vielen Jahren kennen“, erinnert sich Klingenschmitt.

Zumindest bis dahin, denn danach begann eine Zeit voller Überraschungen und Ungewissheiten. Der Lockdown hatte maßgebliche Auswirkungen auf die Route des „Traumschiffs“, auf dem sich zu diesem Zeitpunkt rund 750 Menschen befanden – etwa 450 Passagiere inklusive des ZDF-Teams mit 40 Personen und circa 300 Crewmitglieder der „Amadea“.

Der ursprüngliche Plan sah vor, Mitte März in Panama einen Austausch vorzunehmen. Das gesamte Team der Kapstadt-Folge sollte dort von Bord gehen, die Seychellen-Crew zusteigen. „Daraus wurde jedoch nichts, weil die Häfen in dieser Zeit ihre Tore schlossen. Das Seychellen-Team stand also schon mit gepackten Koffern am Flughafen, ehe uns der entsprechende Anruf erreichte“, verrät Klingenschmitt. Die Reederei habe dann entschieden, das komplett ausgebuchte Schiff auf direktem Weg in den Heimathafen zurückzuholen, etwa 14 Tage später seien alle glücklich und gesund eingetroffen.

Passagiere und Kostümbildner nähten Masken

In Bremerhaven angekommen, mussten trotz der erfolgreichen Atlantiküberquerung zwei Probleme gelöst werden. Zum einen befanden sich an Bord nicht ausreichend Masken für alle Passagiere, zum anderen waren die Schiffsszenen für die Seychellen-Folge noch nicht im Kasten. Die erste Hürde konnte dank eines solidarischen Kraftaktes gemeistert werden, wie die ZDF-Redakteurin stolz berichtet: „Unsere Kostümbildner und andere Passagierinnen haben sich zusammengetan, um sage und schreibe 1200 Masken zu nähen.“

Und die Schiffsteile für die Neujahrsfolge wurden ab Mitte Juni im Hafen von Bremerhaven nachgedreht – auch wenn „Traumschiff“-Macher Rademann laut Klingenschmitt „wahnsinnig geworden wäre“. Zwar hätte er die Produktion ebenso professionell durchgezogen, „aber ein Dreh im Hafen beziehungsweise in der Werft, das wäre nicht seine Welt gewesen“.

Kuss-Szenen wurden schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie gedreht

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Letztendlich zählt immer das Ergebnis, das Happy End – und darauf wurde auch diesmal nicht verzichtet, zumal sowohl an Land (die Szenen waren bereits vor Corona abgedreht) als auch an Bord nach wie vor geküsst werden durfte. „Die gesetzlichen Bestimmungen und Hygieneschutzmaßnahmen für die Dreharbeiten sind natürlich genauestens eingehalten und überwacht worden. Zudem wurden die Kollegen täglich getestet“, weiß Klingenschmitt zu berichten.

Um das Jawort für den „Traumschiff“-Ableger „Kreuzfahrt ins Glück“ zu bekommen, überlegte sich die ZDF-Redaktion übrigens einen Clou. Beide Folgen (Ostsee und Tirol) wurden mit echten Ehepaaren oder Lebenspartnern besetzt. Den magischen Worten „Sie dürfen die Braut jetzt küssen“, ausgesprochen von Kapitän Silbereisen, stand demnach nichts im Weg. Das „ZDF-Traumschiff“ bleibt also eine Konstante. Ohne Gewalt, ohne Mord und mit mäßigem Sex kommen die Fans der Kultserie in den Genuss eines Happy Ends, das an Ostern auf „Maalifushi“ (Malediven) seine Fortsetzung finden wird. In einer Zeit, in der viele Urlaubspläne durchkreuzt werden, lässt „Das Traumschiff“ die Träume der TV-Zuschauer wahr werden. Ganz so, wie es Rademann immer gewollt und einst vorgelebt hat. Leinen los!

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