Tatort „Tschill Out“: Til Schweiger als weichgespülter Macho

  • Kommissar Tschiller ist reif für die Insel.
  • Til Schweiger schlägt im neuen Tatort „Tschill Out“ (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD) überraschend sensible Töne an – und verzichtet auf Raketenwerfer.
  • Erst am Ende darf Tschiller zeigen, dass noch ein harter Bulle in ihm steckt.
Ernst Corinth
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Wenn es mal richtig hakt und nicht mehr rundlaufen will, dann hilft oft ein Neustart – nicht nur am Computer. Auch Til Schweiger setzt als Kriminalhauptkommissar Nick Tschiller in seinem sechsten „Tatort“ auf diese bewährte Methode und hofft, so das zuletzt rapide gesunkene Zuschauerinteresse an seinen Sonntagskrimi-Auftritten zu stoppen. Das Resultat kann sich durchaus sehen lassen.

Gewiss, auch „Tschill Out“ hat keine überragende Geschichte, ist aber immerhin ein solider Krimi mit einer interessanten Handlung, mit originellen Einfällen, mit guten Dialogen. Und vor allem mit einem Nick Tschiller alias Til Schweiger, der nicht noch einmal verbissen einen Bruce Willis für Arme gibt, sondern ganz andere, weichere Seiten zeigt. Ja, der Polizist darf nun sogar Probleme mit seiner – nun ja – Männlichkeit haben.

Sollte sich die Entwicklung in den noch ausstehenden zwei Tschiller-Folgen fortsetzen, wird einem dieser weichgekochte Macho am Ende womöglich noch richtig sympathisch. Sein charmantes Lächeln hat Tschiller auch in diesem Sonntagskrimi nicht verloren.

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Im neuen „Tatort“ geht es rau und schnodderig zu

Zu verdanken ist der gelungene Wandel wohl in erster Linie Regisseur und Drehbuchautor Eoin Moore, der schon das Konzept für den Rostocker „Polizeiruf 110“ entscheidend miterarbeitet hat – und das ist eine Fernsehreihe, die auch Schweiger nach eigenem Bekunden schätzt.

Ähnlich rau und schnodderig wie in Rostock geht’s nun auch in diesem „Tatort“ zu. Tschiller hat es auf die kleine Nordseeinsel Neuwerk verschlagen. Das ist ein recht unverbrauchter und sehenswerter Drehort. In den neunziger Jahren haben hier schon einmal die „Tatort“-Kommissare Stoever und Brockmöller in kühler Nordseebrise ermittelt. Tschiller ist allerdings nicht als Polizist auf dem 40-Seelen-Eiland gestrandet, er ist dem Rat seiner Tochter gefolgt.

Wegen seiner Eskapaden ist Tschiller zumindest vorerst vom Polizeidienst suspendiert worden. Nun soll er endlich mal herunterfahren, zur Ruhe und auf andere Gedanken kommen. Seine Tochter hat ihm einen Job in einem Projekt für schwer erziehbare Jugendliche besorgt.

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Die Arbeit macht ihm Spaß. Mit den Jugendlichen kommt er hart, aber herzlich bestens aus. Noch dazu hat er sich in die Projektleiterin (Laura Tonke) verguckt, eine Frau, die rein äußerlich nicht recht in sein Beuteschema passen will und die ihn darüber hinaus auch noch unaufgefordert mit küchenpsychologischen Ratschlägen versorgt. Was ihn komischerweise gar nicht zu stören scheint.

Doch so gemütlich kann es auf Neuwerk nicht bleiben: Bald ist Schluss mit Frieden und Sozialarbeit. Ausgerechnet sein alter LKA-Kumpel Yalcin Gümer (Fahri Yardim) bringt das Inselidyll mächtig durcheinander.

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Erst am Ende darf Tschiller den harten Bullen geben

Eigentlich sollte Gümer zwei junge Kronzeugen in ein sicheres Versteck in Spanien begleiten, doch unterwegs werden die drei auf einem Rastplatz überfallen. Dabei stirbt einer der beiden Brüder. Mit dem Überlebenden flieht Gümer nach Neuwerk zu Tschiller – dem einzigen, dem er noch vertraut, da er beim LKA eine undichte Stelle vermutet.

Gümer begibt sich in Hamburg auf die Suche nach dem Maulwurf in den eigenen Reihen und verdächtigt dabei vor allem seine junge Kollegin Robin Pien (verkörpert von Zoe Moore, der Tochter des Regisseurs). Derweil muss sich Tschiller mit dem bockigen Zeugen Tom Nix (Ben Münchow), Sänger einer linksradikalen Punkband, herumschlagen.

Nix hatte mit seinem nun toten Bruder Eddie im Darknet einen illegalen Marktplatz für Drogen unterhalten, bis ihm die Sache nach eigenen Worten zu heiß wurde. Nix wandte sich hilfesuchend an die Polizei – und wird nun offenbar von finsteren Hintermännern gejagt. Wie sich bald schon herausstellt, sind deren Geschäfte noch wesentlich dreckiger als vom LKA vermutet.

Die Geschichte überrascht aber nicht nur durch diese Wendung, sondern auch durch einen sehenswerten Showdown. Da endlich darf Tschiller gewissermaßen als Belohnung für seine ganze therapeutische Kärrnerarbeit beweisen, dass in ihm immer noch ein harter Bulle steckt. Er kommt dabei allerdings ganz ohne scharfe Waffen, große Explosionen und auch ohne den in der Vergangenheit schon einmal bevorzugten Raketenwerfer aus. Geht doch, Tschiller!

„Tatort: Tschill Out“ mit Til Schweiger, Sonntag, 20.15 Uhr, in der ARD

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