„The Walking Dead“: Letzte Folgen der zerrissenen Staffel

  • Corona hat die zehnte Staffel der Endzeitserie „The Walking Dead“ in drei Teile zerpflückt.
  • Heute (1. März) starten bei Sky die sechs versprochenen Zusatzepisoden.
  • In den ersten beiden geht es um Gefühle – um neu entflammte Rache und Liebe in einer Hütte am Rand der Welt.
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Ja ja, schon klar. Wandelnde Tote sind sie allesamt in der Serie „The Walking Dead“. Die ehemaligen Menschen, die als Zombies in ziemlich heruntergekommener Optik tumb durch Wald und Wiesen taumeln sowieso. Aber auch die noch Lebenden, die stets Gewahr sein müssen, dass sie von einem der immer hungrigen Toten gebissen werden oder dass ihnen ein missgünstiger Rivale Besitz und Leben nimmt.

Alle Rezivilisationsversuche in der Welt der Fox-Serie waren zum Scheitern verdammt. Für die Todgeweihten gibt es wohl nie ein Happy End, nur Staffel um Staffel vergeblichen Strebens – dazu Schwesterserien und demnächst, wenn mit dem elften Durchgang die Mutterserie die Pforten schließt – ein Spin-off. „Daryl und Carol verlaufen sich im Wald“ oder so. Neverending Endzeitstory.

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Die zehnte Staffel wurde durch die Pandemie zerrissen. Im Herbst erst konnte die einsame 16. Episode ausgestrahlt werden. Und weil man die Fans nicht hängen lassen wollte, hat man jetzt noch sechs Folgen angehängt. Treuebonus quasi. Die ersten beiden dieser Extras wurden den Medien vorab zur Sichtung überlassen. Sie sind gut, obzwar Kritiker in den USA befanden, die gezeigten Geschichten hätte man auch gut in die 24 Folgen der im Herbst anstehenden elften Staffel integrieren können.

Mit der Rache ist’s wie mit den Vulkanen

Folge 17 heißt „Home Sweet Home“. Witwe Maggie (Lauren Cohan) kehrt nach langer Zeit der Trauerbewältigung zu ihren Freunden zurück. Und trifft ein weiteres Mal auf den Mörder ihres Mannes Glenn. Negan (Jeffrey Dean Morgan), der wohl irrste aller Schurken der Serie, ist nicht mehr im Karzer, hat sich inzwischen sogar als nützliches Gemeindemitglied erwiesen und dem Schuftsein abgeschworen. Dass man es ohne ihn niemals gegen die Flüsterer geschafft hätte, jenen gefährlichen Menschenclan, der sich in selbst gefertigten Hautmasken unter die Zombieherden mischte, versucht Carol (Melissa McBride) der Freundin Negans neuen Status schönzureden. „Negan war unsere beste Möglichkeit“, sagt sie weiter, aber der Gesichtsausdruck der Zurückgekehrten sagt uns Zuschauern, dass es sich mit der Rache verhält wie mit Vulkanen. Sie schläft nur.

Maggie hat einen Sohn von Glenn, und der kleine nach ihrem Vater Hershel benannte Junge wollte wissen, ob „der Mann tot ist, der meinen Daddy umgebracht hat“. In gewissem Sinne ist das auch so, aber des neuen Negans sorgenvoller Blick zeigt, dass er auf Gnade wegen Läuterung lieber nicht vertrauen möchte. Dann geschieht etwas, das alle Aufmerksamkeit von der schließungsbedürftigsten Rechnung der Serie abzieht. Neue Gegenspieler tauchen auf. Das alte Überlebensspiel beginnt. Zwischendurch röcheln die Leichen und man kann froh sein, dass sie immer noch nicht wissen, was „Pssst!“ ist.

Plaudereien münden in einen gehässigen Streit

Die 18. Episode namens „Find Me“ erzählt von Daryl (Norman Reedus) und Carol, die sich damit anscheinend schon mal auf ihre eigene Serie vorbereiten. Nachdem Daryl mit gefühlt 25 Kicks sein Motorrad zum Laufen gebracht hat, geht es mit Carol und Schäferhund Dog los in die Wildnis. Plaudereien und Gespräche zweier alter Freunde fernab der anderen, die leider bald schon in die Niederungen eines gehässigen Streits rutschen. „Das Gute scheint nicht mehr auf unserer Seite zu sein“, unkt Carol. „Wir hatten einen guten Lauf, länger als andere.“

Dann läuft Dog weg und stoppt an einer alten, verfallenen Hütte. Und wir bekommen Flashbacks von der Zeit, als die Behausung noch tipptopp war, als Daryl lange allein durch die Welt streifte, losgezogen, um nach dem entführten Ex-Anführer und Freund Rick Grimes zu suchen und um mit sich selbst klarzukommen. Da lebte eine Frau in der Hütte, rothaarig, schön, auch schön abweisend, eine Frau, der Dog einst als Welpe gehörte. Wie alle Überlebenden der Zombieapokalypse hat sie eine traurige Geschichte und bevorzugt das Alleinsein, um nicht noch jemanden zu verlieren. Aber Daryl hat nicht umsonst diese sexy Stimme aus Rauch, Bier und Asphalt. Und dann ...

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Leah heißt die rothaarige Frau wie in dem gleichnamigen Song von 1962, in dem Roy Orbison, der wohl klangvollste Bariton des frühen Rock ’n‘ Roll, von einer verlorenen Liebe singt: „But just before the dawn / I awake and find you gone.“ Man ahnt, wie das ausgeht mit Daryl und Leah. Aber wie das Sonnenlicht auf dem Grün der Welt funkelt, könnte man die schreckliche Pandemie dieser Serie und die enervierende Pandemie unserer Welt glatt vergessen. Wie „The Walking Dead“-Kurzgeschichten wirken die Zusatzepisoden bisher und eine Lovestory in der Welt des Todes ist doch mal was Schönes. Es gibt eben doch Licht am Ende des Zombietunnels, Carol! Siehste wohl!

„The Walking Dead, Staffel 10c“, bei Sky, sechs Episoden, von Angela Kang, mit Norman Reedus, Melissa McBride, Lynn Collins, Lauren Cohan (ab 1. März)

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