„The Tomorrow War“ mit Chris Pratt: Der weiße Mann rettet Amerika

  • Im Sci-Fi-Film „The Tomorrow War“ muss sich Chris Pratt gegen Aliens aus der Zukunft zur Wehr setzen.
  • Der Streifen läuft ab dem 2. Juli auf Amazon Prime.
  • Die Geschichte wird zwar rasant erzählt, doch stolpert der Film dabei über seine eigenen Fallstricke, findet unsere Autorin.
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Er schwebt aus dem apokalyptischen Himmel, der feuerrot glüht. Es sieht aus, als wäre Chris Pratt gemacht hierfür, als wäre er unantastbar. Als wäre er, der hier im Amazon-Film „The Tomorrow War“ Dan Forester heißt, der Checker. Doch dann schlägt er auf, und es ist klar, dass er dafür nicht gemacht war. Die Soldatenkörper, die neben ihm aufschlagen, treffen den Boden aber noch härter. Wie an den Stränden der Normandie landen diese Soldaten im Actionfilm „The Tomorrow War“. Oder eher: Sie knallen hart auf Hochhausdächern auf. Es regnet Soldaten. Schreie, Blut, Verletzte. Und der Krieg hat noch nicht einmal begonnen.

Und Schnitt. Da ist er wieder, der Dan Forester, 30 Jahre früher wohl. Er sieht noch genauso aus, doch ist er nicht mehr Actionheld. Er ist amerikanischer Durchschnittsvater, der von seiner deprimierenden Arbeit kommt. Er ist Ex-Soldat und Ex-Wissenschaftler, der beruflich in einer Highschool als Biolehrer untergekommen ist, und hatte sich irgendwie mehr vom Leben erhofft. Eigentlich war er doch für etwas Großes ausersehen, diskutiert er mit seiner schönen Frau Emmy (Betty Gilpin) in seinem weihnachtspartytrunkenen, typisch amerikanischen Vororthaus. Und mitten in der wuseligen Weihnachtsparty 2022 wird noch das schwierige Verhältnis mit seinem Vater thematisiert und die bedingungslose Liebe zu seiner Tochter Muri (Ryan Kiera Armstrong) unter Beweis gestellt. Schließlich guckt er vom WM-Finale 2022 in Qatar vom Fernseher weg, um mit ihr über ihr Lieblingsthema zu reden: Wissenschaft. Ein ganz normaler Mann eben, für den die Midlife-Crisis mit dem Gefühl, das Geltungsbedürfnis nicht genug ausleben zu können, etwas früh kommt.

Ein Glück für Dan Forester: Der Krieg kommt

Aber dann landen ja zum Glück während des Finales Menschen aus der Zukunft auf dem Fußballfeld und verkünden eine Botschaft: Die Menschheit wird in 30 Jahren durch einen Krieg mit Aliens vernichtet werden. Und außerdem sind Zeitreisen möglich. Die Menschheit von 2022 müsse sich nun auf den Weg machen, um die Zukunft ihrer Kinder zu retten. Und so werden alle Frauen und Männer im fähigen Alter eingezogen, um eine Woche lang als Kanonenfutter in der Zukunft zu dienen. So auch Forester.

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Und nun nehmen sich die Filmemacher auf die Schnelle etwas Zeit, um zu erklären, dass er ja doch eigentlich nicht wieder in den Krieg ziehen will, nach seinen Erfahrungen im Irak. Dass sein Vater auch schon in Vietnam war und danach nicht zurechtkam. Dass er aber keine Wahl hat, weil sonst seine Frau eingezogen wird. Da ist er dann natürlich der Held, und er wird es für den Rest der Filmes bleiben.

Wenn er und seine Truppe in der Zukunft ankommen, und hier schließt sich die Eingangsszene mit den regnenden Soldaten wieder an, dann ist er es, der einen kühlen Kopf bewahrt und seine mäßig ausgebildete Mannschaft aus Soldaten, die sich wie Zivilisten verhalten, durch die belagerte Stadt lotst. Dabei ist er im Übrigen nicht halb so witzig, wie man ihn aus „Guardian of the Galaxy“ kennt, und besitzt nur einen Bruchteil der Komik, die ihn in der Serie „Parks and Recreation“ bekannt gemacht hat. Für den Comic Relief müssen eher die Sidekicks herhalten.

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Zu viele Seitenschauplätze, zu wenig Konzentration aufs Wesentliche

Eigentlich hätte man damit den Film enden lassen können: Forester hat im Kampf in der Zukunft wieder zu alter Stärke gefunden, hat wichtige wissenschaftliche Proben aus einem Labor gerettet, ein paar Aliens abgeschossen und hätte damit genug für sein kränkelndes Ego getan. Doch vielleicht war das Drehbuchautor Zack Dean nicht komplex genug, auf jeden Fall schickt er seinen Helden auf eine Odyssee.

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Das führt zwar dazu, dass die Story im positiven Sinne atemlos ist. Dass man sich immer und immer wieder angucken kann, wie diese Monster niedergemetzelt werden. Dafür fragt man sich aber auch irgendwann, wie diese Viecher es geschafft haben, innerhalb von ein paar Jahren die globale Menschheit mit all ihrer Technologie wie Atomwaffen und Drohnenflugzeuge und sonstigen militärischen Findigkeiten auf eine Handvoll Amerikaner zu reduzieren.

Ideen zu viel ausgeführt – oder zu wenig

Doch nach seinen beiden Missionen sind die Aliens noch immer nicht ausgerottet, ganz im Gegenteil: Sie gewinnen. Die einzelnen Handlungsstränge werden dann besonders schablonenhaft, wenn sie versuchen, etwas Komplexes zu erzählen, wie die Frage, wie Zeitreise überhaupt funktioniert, oder der Versuch Foresters, die Beziehung zu seinem Vater zu kitten. An anderer Stelle hat sich Regisseur Chris McKay ausgedacht, die miesen Aliens eine ganze Zeit lang nicht zu zeigen und sie auch nicht zu beschreiben. Und in dem Moment, in dem man denkt, sie müssten die eigene Vorstellungskraft übersteigen, werden sie gezeigt. Und ihr Anblick ist enttäuschend. Hier rächt es sich, dass er so viele Missionen, so viele kleine Seitenschauplätze in den 140-Minuten-Film stopfen will.

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Und doch: Die Action ist vom Feinsten, wenn man sich nicht allzu sehr auf logische Lücken oder halb durchdachte Erklärungen fixiert. Es gibt kaum eine Szene, in der Forester nicht sein Gewehr am Anschlag hat, finster guckt und gleich drauf und dran ist, das nächste Alien durch einen Kugelhagel zum Zittern zu bringen.

So muss Dan Forester, zurück in seiner Gegenwart, von Neuem ausrücken, er steht mit dem Rücken an der Wand. Der Krieg hat ihn eingeholt. Jetzt liegt alles an ihm. Er ist ganz auf sich, seine Muskelpakete und die eigene Genialität gestellt, so wie es sich bei guten Helden gehört. Es ist die Frage ganz oder gar nicht. Und dann – dann ist plötzlich alles gut. Der weiße Mann hat wieder Amerika gerettet, äh … die Welt natürlich.

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