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Klamauk für derbe Zwerchfelle

Mike Myers macht Geheimquatsch – Klamaukserie „The Pentaverate“ bei Netflix

Auf der Suche nach dem nettesten Geheimbund der Welt: Reilly Clayton (Lydia West, Mitte), Reporter Ken Scarborough (l.) und Verschwörungstheoretiker Anthony Landsdowne (beide gespielt von Mike Myers). Szene aus „The Pentaverate“.

Der geniale Professor Clark wird entführt. „Jaja, jeder sagt, er stünde zwei Jahre vor dem Durchbruch“, bescheidet man dem gegen das Kidnapping und seinen fingierten Tod protestierenden Wissenschaftler, der behauptet, zwei Jahre vor dem Durchbruch bei der „kalten Fusion“ gewesen zu sein. Jetzt soll der Mann, der den Energiedurst der Welt hätte stillen können, den verwaisten Platz im Pentaverate einnehmen, einem fünfköpfigen Geheimbund, der Geheimstes anstellt, angeblich zum Guten in der Welt.

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„Das Pentaverate ist wie alle Geheimbünde – nur in nett“, heißt es im Vorspann zu Mike Myers Klamaukiade bei Netflix. In der der 58-jährige Comedian ein Gutteil der Rollen selbst spielt – unter anderem das komplette Fünferkollegium, darunter wenig vertrauenserweckende Gesellen wie ein angeblich nicht mehr ganz so rechter australischer Medienmogul, ein Brite namens Lord Lordington im Rolls-Royce-Rollstuhl und ein Mitglied aus Putins Oligarchenriege, der aussieht wie Rasputin und faucht wie ein angriffslustiger Kater, wenn ihm was nicht Genehmes gesagt wird. Nett? Echt jetzt?

Letzte Chance für einen alten, sexistischen Reporter

Die andere Geschichte, die in „The Pentaverate“ erzählt wird, ist die des sexistischen, alten Reporters Ken Scarborough (auch ihn spielt Myers), der nicht viel mehr auf der Pfanne hat als seine zweideutig-eindeutigen frauenfeindlichen Dad-Jokes. Der Sender CACA-News will sich von ihm trennen, wenn er nicht eine von den neuartigen „knallharten Geschichten“ bringt, so seine Chefin (Ryn Alleyne), mit denen Toronto von den USA lernen will. Mit seiner Assistentin Reilly (Lydia West), die vorzugsweise ihr „Kanada heißt den amerikanischen Traum leben, nur ohne die Gewalt – seit 1867″-T-Shirt trägt, gerät er auf die Spur des Pentaverate, gerade rechtzeitig.

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Denn, so stellt der „Maester aus Dubrovnik“ (Jennifer Saunders) genannte Chefkriminologe des Ordens fest – Clarks Vorgänger Jason Ecclestone wurde vergiftet –, darauf deuten nicht nur seine leuchtend blauen Iris hin. Dann stirbt noch jemand aus dem Chefzirkel und der Maester kommt durch allerhand ekelhaftes Geschnüffele und Geschmecke zu dem Schluss, dass der Mörder wohl in den eigenen Reihen zu suchen sei. Könnte es sein, dass auch beim alljährlichen Treffen mit den Staatschefs der Welt (Einspielung auch von Ex-Kanzlerin Angela Merkel) Schlimmes droht?

Ein netter Verschwörungstheoretiker fungiert als Chauffeur

Beim großen diesjährigen Verschwörungstheoretikerkongress jedenfalls stoßen Ken und Reilly auf einen netten Verschwörungstheoretiker, der ihr Chauffeur wird und der Ken den Tipp gibt, über ein Bewerbungsgespräch bei der Liechtensteiner Garde des Ordens Zutritt zum Geheimsten erlangen zu können. Wobei ein beschnittener Penis zum Portfolio der Bewerber gehört und der Gardist-to-be einen schmerzhaften „Ziehtest“ über sich ergehen lassen muss, um sicherzugehen, dass die Vorhaut nicht mit Kleber fixiert wurde.

Solchermaßen ist der Humor von „The Pentaverate“ herb und derb: Wenn die Schiebetür des Vans des Verschwörungstheoretikers aufschwingt, verkürzt sich der in großen Lettern aufgeklebte „Penteverate“-Slogan zu „Penis is small“. Als vorgetäuschte Todesursache des unwilligen neuen Logenmitglieds bringen die landesweiten Nachrichten „Genickbruch bei einer Challenge, den eigenen Anus zu küssen“. Und so weiter. Hier kommt Klamauk – Zwerchfellattacken für alle, die „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ (1980) liebten oder die „Nackte Kanone“-Trilogie (ab 1988) oder den ganzen Kram, den Mike Myers im Laufe der Jahrzehnte so verzapft hat – von „Wayne‘s World“ (ab 1992) über die „Austin Powers“-Bond-Parodien (ab 1997, ein vierter Streifen ist derzeit in Vorbereitung) bis zur Stimme des Ogers „Shrek“ (ab 2001).

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Alles ist freilich etwas versauter und gelegentlich hagelt es in dieser Klamaukiade regelrecht Flüche – ein absolutes No-go fürs US-Fernsehen. Da durchbricht Reilly schon mal die vierte Wand und fragt sich und die Zuschauer und Zuschauerinnen, wie Netflix solche ungehobelte Sprache denn tolerieren könne.

Woraufhin mitten in der zweiten Episode plötzlich der Spaß unterbrochen wird und das Netflix-Logo aufleuchtet. Ein freundlicher, offenbar selbst amüsierter Netflix-Mann (es gibt dort offenbar echte Menschen) wendet sich entschuldigend an Zuschauerinnen und Zuschauer und verspricht, die letzte Szene noch mal fluchbereinigt abzuspielen. Woraufhin sie wie das Exzerpt aus einem Porno klingt.

Außer lustigem Schwachsinn gibt es Spottsalven auf Querdenker und Aluhüte

Wer also auf Schwachsinn steht, in dem das „Saturday Night Live“-Gewächs Myers immer wieder heftige Spottsalven auf querdenkerische, „Fake News!“-krähende Aluhüte, kapitolsturmgeeignete Debilos und Verdummungsmedien feuert, der wird die sechs halbstündigen Episoden am Stück durchbingen und hoffen, dass Ken mit seiner Geschichte die Welt tatsächlich zu retten vermag und seinen Job zurückbekommt. Die Welt ist wichtig, die Arbeit auch. „CACA ist mein Leben“, sagt Ken immer wieder. Wer würde ihm da nicht beipflichten?

„The Pentaverate“, erste Staffel, sechs Episoden, mit Mike Myers, Lydia West, Ryn Alleyne, Rob Lowe, Keegan-Michael Key (bei Netflix)

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