Vorbild ist ein Computerspielklassiker

Neue Serie „The Last of Us“ erzählt von einer grausamen Pandemie

Zwei für die Menschheit: Ellie (Bella Ramsey, l.) ist in der Serie „The Last of Us“ die letzte Hoffnung auf eine Heilung von der Pilzpandemie. Joel (Pedro Pascal) ist ihr Beschützer.

Zwei für die Menschheit: Ellie (Bella Ramsey, l.) ist in der Serie „The Last of Us“ die letzte Hoffnung auf eine Heilung von der Pilzpandemie. Joel (Pedro Pascal) ist ihr Beschützer.

Romane, Filme und Serien, die von Viren handeln, haben eine lange Tradition. Aber seit der Corona-Pandemie blicken viele Zuschauerinnen und Zuschauer mit anderen Augen auf diese fiktionalen Stoffe. Wobei alles natürlich immer noch viel schlimmer verlaufen kann als in der Realität – etwa in der neue Serie „The Last of Us“, die sich am berühmten gleichnamigen Computerspiel orientiert.

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Die Endzeitstaffel beginnt mit einer (fiktiven) TV-Gesprächsrunde über Pandemien. Frisuren und Kleidungsstücke der Teilnehmer signalisieren, dass wir hier zunächst in die Vergangenheit reisen, in eine Zeit, in der Fernseher noch Röhren, wenige Programme und kleine in den Ecken abgerundete Bildschirme hatten. „Am Ende gewinnen wir immer“, sagt einer der beiden Epidemiologen über das Verhältnis von Menschen und Viren. Sein Gegenüber ist da nicht ganz so optimistisch. Was denn passieren würde, wenn Pilze eines Tages Menschen bei Befall ähnlich kontrollieren können, wie sie es bei Insekten vermögen? „Dann verlieren wir“, sagt der Experte.

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Zeitsprung: In Neil Druckmanns und Bruce Straleys Serienvorlage, dem Computerspiel „The Last of Us“, war dieses „eines Tages“ Realität geworden. Das Spiel erzählte 2013 von der Verheerung der Menschheit durch einen mutierten Verwandten des Ophiocordyceps unilateralis, des „Ameisenlenkers“ unter den Pilzen. Die Sporen werden durch die Luft übertragen, verwandeln Menschen sofort in Menschenfresser. Auch wer von einem Pilzträger gebissen wird, infiziert sich. Eine Zombieade also.

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Das Spiel war 2013 ein Millionenseller und wurde in Fachkreisen bejubelt. Die britische Filmzeitschrift „Empire“ nannte „The Last of Us“ ein „Meisterwerk, auf das noch nach Jahrzehnten freudig zurückgeblickt werden wird“.

Das lag in erster Linie an der Liebe der Spielemacher zu den Charakteren, den Szenarien, zum gesprochenen Wort und zum Drama. Die 20 Jahre nach dem Siegeszug des Parasitenpilzes in einer Militärdiktatur spielende Geschichte hat einen hartgesottenen Schwarzhändler namens Joel zum Helden, der das 14-jährige Mädchen Ellie aus der Quarantänezone von Boston bringen soll. Es wird daraus eine abenteuerliche Reise quer durch das verheerte Amerika.

Dabei musste in der am Montag beim Streamingdienst Wow gestarteten Verfilmung die Beziehung der beiden Protagonisten nicht eigens vertieft werden – schon im Spiel stand nicht etwa das Zombieliquidieren im Vordergrund, sondern die Vater-Tochter-artige Beziehung zwischen Joel und Ellie. „The Last of Us“ war herzzerreißend.

Anfangs hält man Joels Tochter Sarah für die Hauptfigur

Das erste Mädchen – hier verlassen Sie nun wirklich endgültig die spoilerarme Zone –, das alle Nichtgamer für die Hauptfigur der Serie halten müssen, ist Sarah (Nico Parker), Joels lebensfrohe leibliche Tochter, die dem Vater zum Geburtstag Pancakes brutzelt und an diesem Tag auf dem Heimweg von der Schule ungewöhnlich viele Polizeisirenen hört und die Kampfflugzeuge sieht, die über ihren Kopf hinwegdonnern.

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Abends zeigt das Fernsehen dann nur noch das Testbild, eine Stimme aus dem Apparat mahnt alle Bewohner, die Häuser nicht zu verlassen. Schon ist die Stadt im Ausnahmezustand und Sarah, Joel und sein Kumpel Tommy befinden sich auf der Flucht. Den Feuerball eines Linienflugzeugs in den Straßen überleben sie knapp, dann aber treffen sie auf einen Soldaten, der das Gewehr auf sie richtet, weil er ihren Beteuerungen, nicht krank zu sein, einfach nicht glauben will.

Selbst Greisinnen werden wieder agil – und mörderisch

Krank zu sein heißt, lebensgefährlich zu sein. Die Opfer des Pilzes springen wie hungrige Raubtiere und lassen nicht ab von der Verfolgung. Sie sind entmenschte Wesen, denen gruselige Pilzsporen aus dem Mund züngeln.

Pedro Pascal, zuletzt als Weltraum-Westerner „Mandalorian“ Aufpasser für ein Yoda-Baby in der „Star Wars“-Galaxis, ist gut gewählt als Hauptdarsteller für das aufwendig bebilderte „The Last of Us“. In der Militärdiktatur schlägt er sich mit dem Verkaufen bewusstseinsverändernder Substanzen an Soldaten durch oder hilft, die Leichen Exekutierter von Lastwagen in Gruben zu werfen, in denen sie verbrannt werden. Die Lage hat Joel verhärtet und abgestumpft zugleich.

Dass der Möchtegernstaat auf Abschreckung setzt und Leute, die kurz die Quarantänezone verlassen haben, öffentlich aufhängt, schert ihn ebenso wenig wie die Tatsache, dass selbst Teenies umgebracht werden – auch wenn deren Erkrankung gar nicht erwiesen ist. Joel will nur seinen seit drei Wochen vermissten Kumpel Tommy (Gabriel Luna) finden und stößt auf der Suche nach einer Batterie für seinen Truck auf zwei Frauen (Merle Dandridge, Natasha Lumba). Freiheitskämpfer oder – so die Sicht der herrschenden Militärs – Terroristen, deren violettes Signet überall in der Stadt gesprayt ist. Joel ist nun Hüter des 14-jährigen Teenagers Ellie.

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Eine neue starke Rolle für „Game of Thrones“-Darling Bella Ramsey

Bella Ramsey ist jene Ellie, die personifizierte Hoffnung, die nach anfänglicher Gleichgültigkeit bei Joel das Beste in ihm weckt und die – wie die Frau, die sie als Baby bei einer Militäreinrichtung abgab, sagt – „eine Bestimmung hat, größer, als wir uns das vorstellen können“. Bella Ramsey wurde berühmt als loyale Kindlady Lyanna Mormont, Herrin der Bäreninsel aus „Game of Thrones“, und spielt hier einen nicht minder entschlossenen, indes nicht ganz so gefestigten Charakter.

Das Roadmovie, das nun folgt, weckt Erinnerungen an die Verfilmung von Cormac McCarthys Endzeitnovelle „Die Straße“ (2009, mit Viggo Mortensen und Kodi Smit-McPhee) oder an die Endlosserie „The Walking Dead“ (2010–2022), in der Sheriff Rick Grimes (Andrew Lincoln) seine Kinder Carl (Chandler Riggs) und Judith (Cailey Fleming) durch finstere Zeiten bringen musste.

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Am Ende der Pilotfolge singt Dave Gahan aus dem Empfangsgerät, dass er jetzt auf eine Reise mit seinem besten Freund gehe und hoffe, dass der ihn niemals wieder hängen lasse. Depeche Modes „Never Let Me Down Again“ ist das akustische Signet einer der bis dato besten Endzeitserien (bei der allenfalls Gamer von dem Missvergnügen befallen werden könnten, dass ihnen jedwedes Steuern versagt bleibt).

Viel Gegenwärtiges klingt in „The Last of Us“ an

Und es ist eine Serie, in der wir natürlich auch unsere Zeiten anklingen hören – die Rückkehr von durchgeknallten Populisten und größenwahnsinnigen faschistoiden Angriffskriegern, die Vernichtung von Demokratie und die vielleicht – wer weiß das schon? – wirklich zur Neige gehende Corona-Pandemie, die furchterregend war, Millionen Opfer gefordert, Millionen Köpfe vernebelt und uns klargemacht hat, dass Pandemien jetzt zu unserer Zukunft gehören.

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Deshalb denken wir auch, als Partikel in Joels Stube flimmern, illuminiert durch die durchs Fenster leuchtende Sonne, an kleinste Ansteckungsteilchen, an unsichtbare in die Atemwege des Nächsten tanzende Aerosole.

Sieht aus wie Staub? Nun, selbst der ist nicht mehr das, was er früher einmal war. Man kann dem Staub heutzutage nicht mehr trauen.

„The Last of Us“, Serie, erste Staffel, neun Episoden, von Neil Druckmann und Craig Mazin, mit Pedro Pascal, Bella Ramsey, Gabriel Luna, Merle Dandridge, Jeffrey Pierce, Nico Parker, Natasha Mumba, Anna Torv (seit 16. Januar bei Wow)

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