“Tatort”-Star Ulrike Folkerts: “Ich möchte nicht erschossen werden”

  • Seit 30 Jahren verkörpert Ulrike Folkerts (58) die “Tatort”-Kommissarin Lena Odenthal.
  • Im RND-Interview spricht die Schauspielerin über Gemeinsamkeiten zwischen ihr und ihrer Rolle, den Dreh mit Ben Becker und ein mögliches Ende als “Tatort”-Kommissarin.
  • Sie möchte nicht, dass die von ihr gespielte "Tatort"-Kommissarin irgendwann einmal stirbt.
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Ulrike Folkerts, Sie spielen Lena Odenthal jetzt seit 30 Jahren im „Tatort“. Wenn Sie irgendwann aufhören: Wie stellen Sie sich das Ende der Kommissarin vor?

Ich möchte nicht erschossen werden und nicht in den Knast, das steht fest. Ich glaube, da fällt mir was Besseres ein. Sie soll auf keinen Fall sterben.

Haben Sie nie darüber nachgedacht, aufzuhören?

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Doch, es gab Momente, in denen ich dachte, ich mache nur „Tatort“ und bin so festgelegt auf die Rolle und das Image dieser Figur, dass mich niemand in einem anderen Film besetzt. Das ist jetzt länger her, da war auch die Situation, dass es so brav wurde beim „Tatort“, dass man als Polizistin nichts Böses tun durfte. 2005/2006 hatte ich dann die Chance, in Salzburg im Theater als erste Frau den Tod zu spielen beim „Jedermann“. Da habe ich dann gemerkt: Da geht doch noch was.

Anfangs eine von wenigen TV-Kommissarinnen, dann der erste weibliche Tod – das sind schon spezielle Rollen.

Ich bin schon eine Frau für Nischen. Es hat lange gedauert, bis mehr Polizistinnen im Fernsehen aufgetaucht sind. Und dann als erste Frau den Tod zu spielen – da habe ich gedacht: „Ich will wieder mehr Theater spielen.“ Das habe ich dann gemacht und war dann auch wieder im grünen Bereich mit meiner Kommissarin. Eigentlich kann ich mich glücklich schätzen: Ich bin jetzt 58 und habe unterschiedlichste Rollen zu spielen.

Sie haben gesagt, dass Kommissarinnen im „Tatort“ eine Zeit lang nichts Verbotenes machen durften. Im Jubiläums-„Tatort“ „Die Pfalz von oben“ bandelt Lena Odenthal mit einem Tatverdächtigen an. Wie fanden Sie das?

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Das Reizvolle an diesem „Tatort“ ist, dass Lena ebendiesem Dorfpolizisten Stefan Tries (Ben Becker) wiederbegegnet. Die beiden hatten vor 28 Jahren eine kleine Verliebtheit miteinander am Laufen, aus der nichts geworden ist. Jetzt begegnen die sich wieder, und Lena Odenthal ist befangen, weil Stefan Tries vor Ort verwickelt ist, aber Lena bei der Aufklärung ganz klar zur Seite steht. Da switcht Lena immer hin und her zwischen „Ich bin Polizistin und ziehe das hier gnadenlos durch“ und diesem Gefühl zu diesem damals jungen, jetzt älter gewordenen Polizisten.

Am Tatort treffen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Stefan Tries (Ben Becker) wieder aufeinander. Es geht um einen neuen Fall, aber auch Erinnerungen werden wach …. © Quelle: SWR/Benoît Linder
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Wie war es, nach so vielen Jahren wieder mit Ben Becker zu drehen?

Das hat großen Spaß gemacht. Ich schätze Ben als Kollegen, und ich mag, wie er tickt. Wir haben echt super zusammen gearbeitet und auch mit Brigitte Bertele als Regisseurin – die hat diesen Humor zwischen uns laufen lassen und uns Freiraum gegeben, auch über die Grenzen zu gehen. Zwar hatten wir Angst, dass bestimmte Dinge rausgeschnitten werden, aber sie sind dringeblieben.

Wovor hatten Sie Angst?

Dass Lena Odenthal etwas tut, was sie noch nie getan hat im Leben, verführt durch das Zusammensein mit Stefan Tries. Mehr darf ich jetzt nicht verraten.

Sind Sie denn privat schon mal mit der Polizei in Kontakt gekommen?

Nein, also außer Verkehrskontrollen oder vom Fahrrad geholt werden, weil wir zu zweit durch Berlin gefahren sind auf einem Fahrrad, habe ich wenig mit dem Gesetz zu tun gehabt. Ich habe nie geklaut, nie Drogen genommen, ich bin ganz brav.

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Was unterscheidet Sie denn am meisten von Ihrer Figur Lena Odenthal?

Lena ist viel zu einsam, die lebt mit ihrer Katze und ist nur mit dem Beruf verbändelt. Ich bin ein Beziehungsmensch, habe gern Freunde um mich. Es gibt auch ein Leben neben meinem Job, wo ich viel Zeit mit Menschen verbringe, die nichts mit meinem Beruf zu tun haben und mich am Boden halten.

Und was haben Sie gemeinsam?

Eine Lena Odenthal profitiert von meinem Toughsein, von meiner Sportlichkeit. Ich finde, eine Frau muss genau so den Mund aufmachen und eine Haltung beziehen. Sie darf sich gegen Vorgesetzte durchsetzen, Fehler machen, wie ein männlicher Kollege. Das war schon ein Thema als ich angefangen habe, aber heute ist Lena eine gestandene Kommissarin, und es gibt jetzt eine Menge davon, das ist angenommen in der Gesellschaft.