“Tatort”-Star Axel Milberg: “Wir dürfen keine Bananenrepublik werden”

  • Axel Milberg spielt in “Meister des Todes 2” den Geschäftsführer eines Waffenherstellers, der wegen illegaler Exporte vor Gericht steht.
  • Im Interview spricht er über die Hintergründe des investigativen und politischen Films.
  • Außerdem erklärt er, warum er es nicht mag, wenn er mit seiner “Tatort”-Figur Borowski verwechselt wird.
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Axel Milberg (63) ist vor allem für seine Rolle als Kieler “Tatort”-Kommissar Klaus Borowski bekannt. Am 1. April ist er ab 20.15 Uhr im ARD-Film “Meister des Todes 2” zu sehen, der Teil eines Themenabends zu Deutschen Waffenexporten ist. “Meister des Todes 2” ist wie der 2015 ausgestrahlte erste Teil ein investigativer Film. Die Recherchen für Teil eins haben unter anderem strafrechtliche Ermittlungen gegen deutsche Waffenhersteller ausgelöst, die illegal nach Mexiko exportiert haben.

Axel Milberg, in “Meister des Todes 2” geht es um illegalen Waffenhandel nach Mexiko. Der Film ist hoch politisch und investigativ. Was für ein Zeichen setzen Sie als Schauspieler, indem Sie da mitspielen?

Ich kann mir schwer vorstellen, dass ein Schauspieler sagt: Da spiele ich nicht mit, weil ich für den unkontrollierten Waffenexport bin. Ich glaube, dass man nicht viel Mut braucht, auf die Schwachstelle der Waffenexportregelung in Deutschland hinzuweisen, die sich hier offenbart hat. Für mich ist so ein Film immer wichtiger, weil es um was geht. Weil es eben nicht nur reine Unterhaltung ist, sondern ich mich auf Figuren und Geschehnisse beziehe, die es real gibt. Dann schaue ich auch nach, wie das Vorbild meiner Figur aussah, wie der gesprochen hat – und dann nähert man sich dem an. Die Brutalität dieser Figur muss sichtbar werden.

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Inwiefern war Ihnen die Tragweite des Films vor der Ausstrahlung des ersten Teils bewusst? Der hat ja tatsächlich mit zur Anklage gegen Waffenhersteller geführt.

Ich glaube, die Anklage war das Ziel. Man will bis in die Politik, bis in den Bundestag, bis vor die Gerichte diese Sache verfolgen. Das andere macht alles Regisseur Daniel Harrich, er ist da immer zehn Schritte weiter, was die Informationslage betrifft. Er ist unglaublich hartnäckig. Er nennt es nachhaltig. Wir dürfen keine Bananenrepublik werden, die bei Druck aus der Wirtschaft vergisst, das Gesetz anzuwenden.

Sie spielen im Film den Geschäftsführer des Waffenherstellers – ein widerlicher Typ, der vor nichts zurückschreckt. Wie versetzen Sie sich in so eine Figur hinein?

Ich bewerte eine Figur natürlich niemals moralisch. Nicht wenn ich sie spielen soll. Ich muss ja überzeugend sein. Also, Fragen stellen. Warum macht sie das, was will sie? Wie wurde sie dieser Mensch? Wen oder was liebt er? Jede Figur hat für sich und vor sich das Recht zu tun, was sie tut. Dann bin ich ihr schon relativ nahe. Ich bin dann sozusagen parteiisch. In diesem Fall spiele ich einen Spitzenjurist, ein Landgerichtspräsident a.D., angesehen in der Gemeinde, gut vernetzt bis in die Wirtschaft hinein. Er wird gefragt: Kannst du dir vorstellen, uns zu helfen beim Waffenhersteller Heckler & Koch? Und so spüre ich die Empörung dieses Mannes, dass er – der im Ruhestand ist, aufgrund seiner Qualifikationen noch der Wirtschaft und Region hilft – mit Dreck beworfen wird. Das ist so dieser Typ, der sagt: “Ich stehe ein bisschen über dem Gesetz, weil ich es so genau kenne.” Das Interessante ist: Das Töten, die Leichen, das ist zehntausend Kilometer weit weg, in Mexiko. Das würde diese Menschen erschrecken, dass das passiert. Aber sie sind sozusagen sauber. Das kann der Film zusammenbringen – die Gerichtsszenen und das Massaker an harmlosen Studenten in Mexiko.

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Hatten Sie denn selbst schon mal eine echte Waffe in der Hand?

Ja, ich hatte schon echte Waffen in der Hand. Ich spiele ja immer wieder mal einen Kommissar und gehe deshalb auch ab und zu zum Übungsschießen. Außerdem war mein Vater Jäger. Da hatte ich auch schon mal als Kind eine echte Waffe in der Hand.

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Mit was für Waffen drehen Sie beim “Tatort”?

Das sind oft echte Waffen, die aber funktionsuntüchtig gemacht worden sind. Und wenn mir der Waffenmeister die unschädliche Waffe gibt, zeigt er mir immer das Magazin. Dann schaue ich, ob nicht doch noch eine Kugel drinsteckt. Erst dann wird sie zum Drehen eingesetzt.

Haben Sie schon mal etwas gemacht, um ein Ziel zu erreichen, das Sie später bereut haben?

Ich war mal auf der Schauspielschule so unzufrieden mit einem Lehrer und bin dann auf die Barrikaden gegangen. In der Sache hatte ich Recht, aber ich bin dann manchmal zu leidenschaftlich gewesen. Ich bin heute sicher empathischer als früher. Kommunikation ist alles.

In einer Filmszene greifen Sie einen Journalisten an, der unangenehme Fragen stellt. Womit können Journalisten Sie aufregen?

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Für mich ist es immer bedauerlich, wenn ich verwechselt werde mit der Rolle. Wenn man mich mit “Herr Borowski” anredet. Ich bin ja nicht Hauptkommissar. Die Vielfalt meiner Arbeit ist nämlich wunderbar und ich bin dankbar dafür.

Sie spielen Borowski seit 2003 im “Tatort”. Was für Eigenschaften haben Sie von dem Kommissar übernommen?

Ich versuche, diese Figur noch mit letzter Kraft von mir wegzuhalten, sodass sie sich deutlich von mir unterscheidet. Ich bin den Menschen sicher zugewandter als Borowski. Mag sein, dass ich unbewusst etwas übernehme in den Wochen, in dem ich das drehe. Aber Borowski ist ja gar nicht so eingeengt. Borowski hat Swing, der hat was Genialisches. Er sieht Dinge, die andere nicht sehen.


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