Nach „Tatort: Alles kommt zurück“: Diese Udo-Lindenberg-Mythen sind wahr

  • Viele Legenden ranken sich um das Leben Udo Lindenbergs als Dauergast des alten Hamburger Grandhotels Atlantic.
  • In Maria Furtwänglers „Tatort: Alles kommt zurück“ wurden diese Mythen von Regisseur Detlev Buck durch den Kakao gezogen.
  • Doch was stimmt wirklich – und was ist erfunden?
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Herrje, was für ein Krimi! Oder sollte man eher sagen: eine Krimi-Parodie aus dem Geschmacksuniversum von „Tatort“-Regie-Debütant Detlev Buck? Doch wie man aus über 50 Jahren Format-Geschichte weiß, ist der „Tatort“ geduldig, was Experimente betrifft. Trotzdem wird der „Tatort: Alles kommt zurück“ die Krimigemeinde zum Weihnachtsfest 2021 gespalten haben. Wobei Buck, Furtwängler und Co. definitiv clever mit dem Mythos Udo Lindenberg arbeiteten, der mehrfach als er selbst auftrat. Doch welche Lindenberg-im-Hotel-Atlantic-Mythen sind wahr – und bei welchen ist man sich nicht so sicher?

Worum ging es in dem „Tatort“?

Göttingen-Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) reist privat nach Hamburg, um sich im Hotel Atlantic mit einem Mann zu treffen. Doch ihr Blind Date ist tot, als sie ankommt. Der Mann liegt blutüberströmt im Bett. Und Lindholm ist für die Polizei vor Ort dringend tatverdächtig. Es ermitteln die ruppig-dauergenervte Jana Zimmermann (Anne Ratte-Polle) und ihr melancholischer Partner Ruben Delfgau (Jens Harzer). Dabei wäre die Stimmung im 1909 eröffneten Grandhotel bereits ohne Mord skurril genug, denn im Atlantic findet gerade ein Udo-Lindenberg-Doppelgänger-Casting statt. Auch die echte Musiklegende schielt um die Ecke, sitzt an der Bar oder am Flügel – und trifft Charlotte Lindholm zum tiefgründigen Gespräch auf dem Hoteldach. Oder war das vielleicht nur geträumt?

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Worum ging es wirklich?

So viel wie „Bibi & Tina“ mit echten Reiterferien zu tun haben, so nah war dieser Detlev Buck-„Tatort“ am klassischen deutschen Fernsehkrimi dran – und das, obwohl Drehbuchautor Uli Brée, der auch die „Vorstadtweiber“ erfand, schon etliche Wien-„Tatorte“ für das Gespann Krassnitzer / Neuhauser ersonnen hat. Gemeinsam haben Brée und Buck Maria Furtwängler ein schrilles Märchen geschenkt, das bewusst an die Geschichte von Alice im Wunderland erinnern sollte. Nur, dass Bucks Alice auf den Namen Charlotte Lindholm hört und sie statt dem weißen Kaninchen einem Sex-Date folgt. Dass der Krimi an den vielleicht dunkelsten und besten Lindholm-Film „Der Fall Holdt“ (2017) anknüpfte, passte weder inhaltlich noch ästhetisch. „Alles kommt zurück“ war mehr Gaga- als Gesamtkunstwerk und lebte vorwiegend von skurrilen Figuren, Szenen und natürlich vom Mythos Udo Lindenberg.

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Lebt Udo Lindenberg immer noch im Hotel Atlantic?

Seit 1995 soll Udo Lindenberg einen Privatflügel im zweiten Stock des Hamburger Hotels Atlantic bewohnen. Über die Miete bewahren beide Parteien Stillschweigen. Lindenberg bezeichnete das Arrangement mehrfach als „guten Deal“. Man kann es sich denken. Immerhin ist die Musiklegende geniales „Testimonial“ des Hotels. Seit 26 Jahren gab es immer mal Gerüchte, der Panikrocker wäre ausgezogen. Tatsächlich soll der heute 75-Jährige wohl nur während eines Hotel-Lockdowns im Zuge der Corona-Krise 2020 das Haus verlassen haben. Allerdings deutete Lindenberg in einer „Spiegel“-Reportage vom Mai 2021 an, dass er „undercover“ als einziger Gast „neben den Geistern“ im leeren Hotel verblieben sein könnte. Fakt ist, dass die „Tatort“-Dreharbeiten stattfanden, während normale Gäste Pandemie-bedingt ausgesperrt waren. Weil das Hotel geschlossen war, konnte das Filmteam sämtliche Schauplätze ungehindert zur Kulisse machen – und Lindenberg seiner eigentlich „gesperrten“ Wohnzimmer-Bar und der von Schauspielern und Statisten bevölkerten Lobby einen Besuch abstatten.

Kann man den Musikstar im Atlantic treffen?

Es gab Stars, die wohnten jahrelang im Hotel, aber man bekam sie selten bis nie zu Gesicht. Mit seinen 26 Jahren im Atlantic wird Udo Lindenberg aber wohl nur noch von Coco Chanel übertrumpft, die fast 35 Jahre Hotelleben schaffte. Wer regelmäßig im Atlantic verkehrt, kann bestätigen: In regelmäßigen Abständen trifft man Udo Lindenberg dort tatsächlich an der Bar oder in der Lobby, wo er sich unbeirrt von Blicken, die ihn fixieren, mit Freunden und Geschäftspartnern trifft. Ja, es ist wahr: Diese Musiklegende gehört hier quasi zum Inventar.

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Wie geht es mit dem Furtwängler-„Tatort“ weiter?

Auch der nächste „Tatort“ mit Charlotte Lindholm – und ihrer Göttinger Partnerin Florence Kasumba – dürfte ein besonderer werden: „Die Rache an der Welt“ (Arbeitstitel), vorgesehen für das dritte Quartal 2022, ist das Werk des vielfach preisgekrönten und sehr besonderen Filmemacher-Duos Daniel Nocke (Drehbuch) und Stefan Krohmer (Regie). Die beiden Hamburger Kreativen sind bekannt für ihre skurrilen, extrem lebensecht inszenierten Tragikomödien wie „Sie haben Knut“ oder „Neu in unserer Familie“. Dabei klingt die Handlung ihres „Tatorts“ erst mal recht konventionell: Göttingen wird erschüttert durch einen Serientriebtäter, der an abgelegenen Ecken Frauen auflauert und zu sexuellen Handlungen zwingt. „Der Wikinger“, wie der Mann in der Presse genannt wird, hat seine Opfer bislang am Leben gelassen. Doch dann wird die Leiche einer Studentin gefunden. Mala Emde und Sascha Geršak heißen die Gaststars des nächsten Furtwängler-Krimis.

RND/Teleschau

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