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  • „Tatort“-Kommissarin Heike Makatsch über ihre Kinder und Diversität im Fernsehen

Heike Makatsch über ihre Kinder: „Neue Generation versteht die Welt anders“

  • Schauspielerin Heike Makatsch ist nach drei Jahren wieder als „Tatort“-Kommissarin zu sehen.
  • Im RND-Interview spricht sie über den neuen Fall „Blind Date“ (24. Oktober, ARD), den Umgang mit ihren Kindern und die Diversität im deutschen Fernsehen.
  • „Filme, in denen die Diversität unseres Alltags nicht abgebildet wird, sind Filme, die an unserem Leben vorbeigehen“, meint sie.
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Nach drei Jahren Pause ist Heike Makatsch als Ermittlerin Ellen Berlinger wieder im „Tatort“ zu sehen. Im Mainzer Fall „Blind Date“ hat sie es mit einer ganz besonderes Zeugin zu tun – mit einer Blinden. Im Interview spricht sie auch darüber:

Frau Makatsch, die einzige Zeugin im neuen „Tatort: Blind Date“ ist blind. Die Kommissare sind ungeübt damit und wissen erst nicht, wie sie damit umgehen sollen. Glauben Sie, dass so ein „Tatort“ auch den Blick auf Blinde verändern kann?

Ich gehe nicht davon aus, dass der „Tatort“ diesen Bildungs­auftrag hatte. Aber natürlich ist es interessant, eine Frau mit einer Behinderung zu zeigen und ihre Bedürfnisse, wie sie sich emanzipieren möchte von ihrem Vater, ihre sexuellen Sehnsüchte, ihren Wunsch nach Unabhängigkeit und Anerkennung unter denen, die sehen können. Das ist ein Aspekt, der auch etwas beim Zuschauer bewirken kann. Es ist wahrscheinlich ein Nebenprodukt von Kunst und Kultur generell, dass sie aufklären und Sichtweisen erweitern.

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Verkörpert wird die blinde Rosa durch die nicht blinde Schau­spielerin Henriette Nagel. Warum passiert es so selten, dass Figuren mit Behinderung von Schau­spielerinnen oder Schau­spielern mit der entsprechenden Behinderung gespielt werden?

Das ist gerade im Wandel. Es wird jetzt immer häufiger darauf geachtet, dass Menschen mit Behinderungen oder bestimmten ethnischen Hintergründen oder sexuellen Vorlieben besetzt werden für eine entsprechende Rolle. Gleichzeitig müssen die Hintergründe der Schauspieler für mich nicht zwangsläufig deckungsgleich sein mit denen der Figur. Schauspielern ist auch das Interpretieren eines Zustandes einer Figur und das ist jedem auf seine Art möglich.

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Was muss sich Ihrer Meinung nach in Sachen Diversität in der deutschen Fernseh­landschaft noch verändern?

Ich war kürzlich beim Deutschen Filmpreis und war positiv überrascht, wie ernst das Thema Diversität da genommen wurde. Es war eine Freude, dass Menschen, die nicht dem deutschen Stereotyp entsprechen, auf der Bühne standen und gezeigt haben, wie sie unsere Film- und Kultur­land­schaft bereichern. Das ist der richtige Weg. Filme, in denen die Diversität unseres Alltags nicht abgebildet wird, sind Filme, die an unserem Leben vorbeigehen. Insofern gehe ich davon aus, dass da die richtigen Weichen gestellt werden. Der Spiegel der Gesellschaft, den Filme bedeuten können, wird dadurch realistischer, wahrer, bunter und lebendiger. Ich denke, dass sich auch Sehgewohnheiten und der Anspruch, den Zuschauer an ein Fernseh- oder Kino­programm haben, verändern. Der Anspruch wird beinhalten, dass man das ganze Spektrum des menschlichen Lebens und der Möglich­keiten, wie eine Biografie ablaufen kann, sehen will. Man will nicht nur das vorgelebt bekommen, was sich die Christliche Union mal unter Familie vorgestellt hat.

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Die blinde Studentin fühlt sich im Film auch bevormundet durch ihren Vater. Es geht um Unabhängigkeit von den Eltern. Zwei Ihrer Töchter sind jetzt auch so langsam im Teeniealter. Wie schwer fällt Ihnen das, ihnen ihre Freiheiten zu geben?

Ich hatte immer gedacht, dass das Loslassen und Akzeptieren, dass die Kinder anders werden, als man selbst war oder es sich vorgestellt hat, schwerer ist, als es tatsächlich ist. Ich merke, dass die Freude an den Persönlichkeiten, die da heranwachsen, und die damit einhergehenden Entscheidungen, die sie treffen, der Angst überwiegen, dass eine Fehlent­scheidung getroffen oder eine schlechte Erfahrung gemacht wird. Da bin ich bis jetzt, aber ich bin ja noch am Anfang dieses Prozesses (lacht), sehr zuversichtlich und erkenne an, dass diese neue Generation die Welt anders versteht und mir da teilweise auch Zugänge zu fehlen, aufgrund meines Alters. Ich hoffe, dass sie die Dinge in die richtige Richtung bewegen kann. Das ist die Generation, die das jetzt tun muss.

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Gab es bei Ihnen als Jugendliche mal eine Phase, in der Sie gegen Ihre Eltern rebelliert haben?

Ich war ein sehr kompromiss­bereiter Teenager. Ich bin meinen Weg gegangen, aber immer im Rahmen dessen, was den Eltern zumutbar war. Ich hatte schon damals ein Verständnis dafür, dass Familie ein Geben und Nehmen ist. Man hätte mich im Teenager­alter zwar eher als rebellisch angesehen, aber innerhalb des Familien­verbands war ich verständig.

„Vielleicht bin ich wirklich nicht die begabteste Mutter“, sagt Berlinger im Film. Was hat Muttersein für Sie mit Begabung zu tun?

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Eine begabte Mutter ist wahrscheinlich eine, für die es sich nicht anfühlt als würde sie entbehren, obwohl sie es natürlich tut. Es ist unbestritten, dass es Entbehrungen gibt, wenn man sich auf das Aufziehen eines Kindes einstellt. Aber wenn man das nicht als Entbehrung ansieht, sondern als Bereicherung, ist es wohl das, was es als Begabung für eine Mutter braucht.

Kommissarin und allein­erzie­hende Mutter sein ist laut dem „Tatort“ nicht besonders kompatibel. Wie war das mit dem Schauspieljob, als Ihre Kinder noch jünger waren? Sehen Sie da heute eine Weiter­entwicklung?

Schauspielerin und Mutter zu sein ist immer eine Doppel­aufgabe gewesen, aber eine, die ich gut unter einen Hut bekommen habe. Aber es ist anstrengend und man muss Prioritäten setzen. Ob das heute familien­kompatibler geworden ist, weiß ich nicht. Schauspielersein ist wie ein Schau­stellerdasein. Du bist im schlimmsten Fall jeden zweiten Tag woanders, bist über Wochen fern von der Heimat und kannst nur mal am Wochenende völlig übernächtigt nach Hause gondeln, um deine Wäsche zu waschen. Diese Nine-to-five-Schichten werden da in keinster Weise eingehalten. Insofern ist dem Schauspieljob immanent, dass er für viele familiär ein Problem bedeutet.

Mögen Sie dieses ständige Unterwegssein?

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Nein, das war nie meins. Ich bin eher jemand, der gern in seinem Nest sitzt und seine Struktur zu Hause hat. Ich bin auch niemand, der gern ständig mit einer neuen Gruppe von Leuten sozialisiert. Ich habe letztens gelesen, dass der verstorbene Stones-Drummer Charlie Watts mal gesagt hat, dass er seinen Job liebt, aber eigentlich immer zu Hause sein will. Ich liebe meinen Job, würde aber am liebsten jeden Tag in Berlin drehen (lacht).

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Den letzten „Tatort“ mit Ihnen gab es vor drei Jahren. Können wir damit rechnen, Sie künftig häufiger in der Reihe zu sehen?

Ja, der nächste für 2022 wurde vor kurzem abgedreht und für einen weiteren wird das nächste Drehbuch angegangen. Der Wunsch ist auf allen Seiten da, dass es weitergeht.

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