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  • „Tatort“-Kommissare: Diese Mätzchen und Marotten machen die Figuren unverwechselbar

Milchbubis und Opernfreaks: die Mätzchen und Marotten der „Tatort“-Kommissare

  • Mätzchen und Marotten sollen Kommissare und Ermittlerinnen im „Tatort“ unverwechselbar machen.
  • Inzwischen gehen so viele Ermittler auf Gaunerjagd, dass kleinere oder größere Spleens als Merkmal wichtiger sind denn je.
  • Ein Überblick von Horst Schimanski bis Lena Odenthal.
Cornelia Wystrichowski
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Hauptkommissar Thorsten Falke trinkt gern Milch direkt aus der Tüte, Professor Boerne entspannt sich beim „Walkürenritt“ von Richard Wagner, den er lautstark im Wohnzimmer hört. Die österreichische Polizistin Bibi Fellner kachelt in coolen Amischlitten durch Wien, Kiel-Kommissar Borowski steht auf Süßes, und Schwaben-Cop Bienzle (Dietz-Werner Steck) ging nie ohne Hut aus dem Haus: Im „Tatort“ sind seit dem Start der Kultreihe, deren 50. Geburtstag 2020 gefeiert wurde, schon Scharen von Ermittlerinnen und Ermittlern auf Mörderjagd gegangen. Zur besseren Unterscheidbarkeit haben die Erfinder den Figuren so manche Eigenheiten mitgegeben: Mätzchen und Marotten gehören in der 1970 gestarteten Krimireihe zu den Kommissaren wie Schießeisen und Dienstmarke.

Die Besonderheiten sagen so einiges über den Helden und seine Zeit. Cop Schimanski (Götz George) etwa sagte gerne „Scheiße“ und war mit seinem Schmuddelparka die Galionsfigur der Achtzigerjahre, jenes Jahrzehnts also, in dem die Grünen in den Bundestag kamen und der antiautoritäre Geist der 68er-Generation im Fernsehkrimi Einzug hielt. Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) hingegen joggt allein durch Ludwigshafen. Die Botschaft: Sie ist tough, eine einsame Wölfin – bei ihrem Debüt 1989 brachte die kurzhaarige Lena mit der Lederjacke einen ganz neuen Frauentyp in die Krimilandschaft.

Autos charakterisieren die „Tatort“-Kommissare

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Inzwischen gehen im „Tatort“ so viele Ermittler auf Gaunerjagd, dass kleinere oder größere Spleens als Merkmal wichtiger sind denn je. Kommissar Borowski (Axel Milberg), der gerne Kekse und Schokolade futtert, meldet sich am Telefon bekanntlich mit einem schroffen „Ich höre!“. Das soll signalisieren: Hier ist ein Eigenbrötler am Werk. Apropos Telefon – ein Klingelton sagt mehr als tausend Worte: Bei Wotan Wilke Möhring als Thorsten Falke dudelt das Smartphone „Sympathy for the Devil“, beim biertrinkenden St. Pauli-Fan Frank Thiel (Axel Prahl) ist es „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“. Sein Kollege aus Münster, der schnöselige Gerichtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers), ist der zurzeit womöglich schrulligste Ermittler und hat diverse Attribute – er liebt neben Rotwein, Opern und Golf auch schicke Autos.

Der fahrbare Untersatz ist generell ein beliebtes Mittel, um „Tatort“-Kommissare zu charakterisieren. Ulrich Tukur, der als Murot immer denselben Anzug trägt, ist mit einem NSU Ro 80 unterwegs – eine altmodische Stilikone für Kenner. Richy Müller fährt als Stuttgarter Kommissar Thorsten Lannert einen braunen Porsche 911 Targa, Baujahr 1974, und erklärt: „Lannert ist ein Individualist mit großer Emotion und Feinfühligkeit, zu dem eben ein sehr individuelles Fahrzeug passt.“

Kommissar Brinkmann ging nicht ohne Fliege raus

Der Halbitaliener Mario Kopper aus Ludwigshafen war in seinen Alfa vernarrt, Markenzeichen des Saarbrücker Bonvivants Palu (Jochen Senf) war dagegen sein Rennrad. Der coole Pontiac Firebird von Bibi Fellner, den die Kommissarin aus Wien „Zuhälterflunder“ nennt, zeigt: Diese Frau ist unkonventionell. Freddy Schenk (Dietmar Bär) liebt ebenfalls spritfressende US-Schlitten, er wäre halt so gerne ein Großstadtcowboy – in Cowboystiefeln wie früher sieht man den Köln-Cop aber schon lange nicht mehr. Geblieben ist die Angewohnheit, gemeinsam mit dem Kollegen Ballauf (Klaus J. Behrendt) an der Wurstbude zu futtern.

Mätzchen und Marotten sind dabei kein Erfindung der jüngeren „Tatort“-Geschichte. Der Frankfurter Kommissar Brinkmann (Karl-Heinz von Hassel) ging in den 80er- und 90er-Jahren nicht ohne Fliege raus, und Heinz Haferkamp (Hansjörg Felmy) liebte Jazz und Frikadellen – er ermittelte ab 1974 in Essen. Unvergessen sind die Gesangseinlagen von Manfred Krug und Charles Brauer: Als die „Swinging Cops“ aus Hamburg 1996 damit anfingen, stiegen ihre Zuschauerzahlen um bis zu zwei Millionen.

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