Dresdner “Tatort: Die Zeit ist gekommen”: Packender Krimi trotz dilettantischer Kommissarinnen

  • Der Dresdner “Tatort: Die Zeit ist gekommen” (5. April) stellt eine Familie in den Mittelpunkt, bei der so einiges schiefläuft.
  • So schief, dass es schon fast wehtut.
  • Doch trotz dessen, und auch trotz der dilettantisch handelnden Kommissarinnen, ist dieser Krimi spannend bis zum Schluss.
Ernst Corinth
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Dresden. Träume hat die Familie Bürger aus Dresden noch. So träumt sie von einem Leben im Süden irgendwo am Meer in Kroatien. Dort will Louis (Max Riemelt) eine Surfschule aufmachen, obwohl er gar nicht surfen kann. Aber im Traum ist ja alles möglich. Und Louis’ Frau Anna (Katia Fellin) möchte sich dann endlich mehr um ihren gemeinsamen zwölfjährigen Sohn Tim (Claude Heinrich) kümmern. Ja, das könnte alles so schön, so harmonisch sein.

Doch die Realität sieht leider ganz anders aus. Und beide sind sich dessen auch irgendwie bewusst. So ist für sie ein erstes Ziel eine feste Arbeit für beide. Auf ein wildes Partyleben mit Drogen wollen sie zukünftig verzichten, stattdessen ihrem Sohn ein ordentliches Zuhause bieten. Und selbst das ist schwer genug. Louis hat nämlich drei Jahre im Gefängnis gesessen für eine Tat, die er immer noch bestreitet. Und der gemeinsame Sohn ist vom Jugendamt gerade in einem Heim untergebracht worden, weil er Rauschgift genommen hat. Aus Versehen, wie Louis behauptet.

Träume kosten ja bekanntlich nichts

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Dennoch, Träume kosten ja bekanntlich nichts. Und scheinbar sind die Bürgers auch auf dem rechten Weg, wie der neue “Tatort” aus Dresden, “Die Zeit ist gekommen”, zu Anfang zeigt. Da überrascht Louis seine Frau an ihrem Geburtstag mit einer Designertasche, die sie dann auch den ganzen Film über nicht mehr aus den Augen lässt. Und er versichert ihr dabei: “Der Bon ist drin.” Danach unternehmen die beiden eine Spritztour auf einem Motorroller, den er angeblich geliehen hat. Das Leben hat zum Glück auch für Menschen wie Anna und Louis gute Momente. Allerdings dauert ihr bescheidenes Glück nicht allzu lange.

Schon am nächsten Morgen wird Louis recht früh geweckt. Die Dresdner Kommissarinnen Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) stehen vor der Tür und wollen von ihm wissen, wo er gestern Nacht gegen 1 Uhr gewesen ist. Louis versucht zu fliehen, wird aber gleich festgenommen und dann abgeführt vor den Augen der neugierigen Nachbarn und seines Schwagers (Karsten Antonio Mielke), der im selben Haus wohnt. Seine Flucht macht ihn nun erst recht zum Verdächtigen, dennoch beteuert er laut seine Unschuld. Aber gleich mehrere Indizien sprechen dafür, dass er in der letzten Nacht seinen Nachbarn, einen Polizisten, bei einem Streit auf offener Straße erschlagen hat.

Familie Bürger im Mittelpunkt der Geschichte

Gut 20 Minuten dauert diese Anfangssequenz, die vorwiegend aus der Perspektive der Bürgers erzählt wird. Und auch in der Geschichte, die sich dann entwickelt, stehen dieses Paar und sein Sohn im Mittelpunkt. Die Polizeiarbeit tritt dabei meistens zurück, findet im Hintergrund statt, und nur die Ergebnisse werden präsentiert. Und selbst das Kommissarinnenduo hat nicht das sonst bei einem “Tatort” übliche Gewicht.

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Dadurch übersieht man dann auch gern, dass die zwei Ermittlerinnen sich bisweilen doch arg dilettantisch verhalten. Und es ist dann ausgerechnet ihr Chef Schnabel (Martin Brambach), der am Schluss den Fall fast im Alleingang löst. Doch das dauert.

Kein langweiliger, langatmiger Krimi

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Langweilig oder langatmig wird dieser Krimi dennoch nicht. Ganz im Gegenteil: Nachdem Louis nämlich in Untersuchungshaft gelandet ist, wird er dort erstaunlich trickreich von seiner Frau befreit. Als beide auf der Flucht ihren Sohn aus dem Jugendheim abholen wollen, werden sie von der Polizei überrascht. Es kommt zu einer Geiselnahme, die dann auch den Schwerpunkt des Films bildet. Sie ist zwar konventionell erzählt, mit allem, was nun einmal in einem Krimi dazugehört. Gleichwohl bleibt der Film bis zum Ende packend.

Dies liegt zum einen daran, dass Regisseur Stephan Lacant und das Autorenduo Stefanie Veith und Michael Comtesse mit der Psychologie einer solchen Ausnahmesituation ein aufregendes Spiel treiben. Ein Spiel, bei dem auch dem Sohn der Bürgers eine nicht unwichtige Rolle zukommt. Und zum anderen, weil dabei angedeutet wird, dass das Paar vermutlich nicht nur Täter, sondern auch Opfer ist.

Das erzeugt eine spannende Ambivalenz, die Louis und Anna bisweilen sogar sympathisch erscheinen lässt. Aber was die zwei auch machen, sie geraten als geborene Verlierer stets immer tiefer ins Schlamassel. Das tut beim Zuschauen richtig weh. Doch zum Glück gibt’s ja dann im starken Finale den guten Herrn Schnabel alias Martin Brambach.

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