“Tatort: Der letzte Schrey”: Leichte Krimikomödie aus Weimar

  • Wie man es aus Weimar gewohnt ist, ist auch der neue “Tatort”-Fall von Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) trotz eines brutalen Auftakts eine herrlich absurde Krimikomödie.
  • "Der letzte Schrey” überzeugt mit seiner Geschichte.
  • Und es wird nicht so viel wie früher auf Gag komm raus gekalauert.
Ernst Corinth
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Hundeliebhaber müssen jetzt ganz stark sein. Gleich zu Beginn des zehnten Weimarer „Tatorts: Der letzte Schrey“ (Regie: Mira Thiel) wird nämlich ein süßer kleiner Hund brutal erschlagen – mit einem Fleischhammer. Mit dem gleichen ungewöhnlichen Mordinstrument wird wenig später auch die Besitzerin des kuscheligen Vierbeiners, die in Thüringen weltberühmte Strickwarendesignerin Marlies Schrey (Nina Petri), getötet.

Dass Hund und Frauchen ähnliche Strickklamotten tragen, ist ein hübsches Detail in diesem detailverliebten Film. Ein Film, der sich trotz des dezent gefilmten, dennoch brutalen Auftakts schnell zu einer herrlich absurden und albernen Krimikomödie entwickelt. Wie man es von dem Team um Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) sowie ihrem bewährten Drehbuchautor und Comedyexperten Murmel Clausen gewohnt ist. Allerdings wird in diesem neuen Fall nicht so viel wie früher auf Gag komm raus gekalauert. Und auch die Nonsenswortspielereien halten sich in Grenzen. Eine Entwicklung, die man nur begrüßen kann.

Klassische Entführungsgeschichte

Ansonsten wird eine klassische Entführungsgeschichte mit den üblichen Zutaten erzählt. Vieles ist vorhersehbar. Auch gängige Klischees fehlen nicht. Aber die Story macht dennoch beim Zuschauen Spaß, weil sie stets einen Tick überzogen daherkommt, dabei angenehm ironisch bleibt. Und weil sie ganz nebenbei beweist, dass im kleinen, feinen Weimar offenbar jeder mit jedem irgendwie verbandelt ist. Selbst das unzuverlässige französische Au-pair-Mädchen (Marion Bott) von Dorn und Lessing, die auf deren “petit prince” aufpasst oder besser: aufpassen soll.

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Dorn und Lessing haben nämlich ihren freien Tag. Die Sonne lacht. Das Leben ist schön. Die beiden Turteltauben wollen den Tag in Weimars beschaulicher Altstadt so richtig genießen – bei einem kleinen Essen. Doch noch bevor sie irgendetwas bestellen können, werden die zwei zu einem Tatort gerufen. Mitten in einer wunderschönen, blühenden Sommerlandschaft ist die Leiche von Frau Schrey gefunden worden. Mit vor Ort ist in kurzen Hosen Kripo-Chef Kurt Stich (Thorsten Merten), der eigentlich gerade mit dem trottelig-naiven Kommissargehilfen Lupo (Arndt Schwering-Sohnrey) für ein paar Tage nach Ibiza fliegen wollte. Ja, das war in Prä-Corona-Zeiten tatsächlich mal möglich! Obwohl man sich dieses merkwürdige Duo wirklich nicht in Ibiza vorstellen mag.

Zuschauer ist den Kommissaren voraus

Aber nun ruft die Arbeit. Der Urlaub wird verschoben. Die Ermittlungen laufen an. Und wenig später findet man im herrschaftlichen Haus des Textilunternehmers erst die totgeschlagene Hundekreatur. Danach steht aufgrund der Spuren fest, dass der Hausherr Gerd Schrey (Jörg Schüttauf) und seine Frau vermutlich entführt worden sind. Und dabei ist eben vermutlich Frau Schrey erschlagen worden.

Auch die beiden Täter kennt der Zuschauer, der den Kommissaren immer ein bisschen voraus ist, zu diesem Zeitpunkt schon: Es sind zwei schräge Dumpfbacken mit den passenden Namen Freya (Sarah Viktoria Frick) und Zecke (Christopher Vantis), die vor aufgestauten Aggressionen kaum laufen können, auch mit dem halbwegs vernünftigen Sprechen hapert’s gewaltig.

Schwarzhumoriger Showdown

Und während Freya sadistisch gern den Fleischhammer schwingt, fuchtelt Zecke lieber mit seiner Pistole rum und ist sowieso arg tumb. Was ihm später, so knapp nach einer Stunde, zum Verhängnis wird in einem sehr schwarzhumorigen Showdown. In der letzten halben Stunde des Films werden dann nämlich wie in einem guten altmodischen Krimi die Zusammenhänge und Hintergründe dieses Verbrechens geklärt. Allerdings sehr, sehr ausführlich. Das Ergebnis ist durchaus verblüffend. Aber in Weimar ist ja eh jeder mit jedem irgendwie verbandelt.

Bierernst darf man die recht abstruse Geschichte sowieso nicht nehmen. Sie dient nur als Hintergrund für witzige Dialoge samt Schiller-Zitaten, für lustige Situationskomik und andere komische Einfälle, die stets punktgenau gesetzt sind. Zwischendurch tippelt sogar mehrfach der an den Füßen gefesselte Schüttauf köstlich albern durch die Szenerie. Und überhaupt kann er in seiner Rolle mal richtig die Sau rauslassen und zeigen, was für ein guter Komödiant er ist. Eine exzellente Leistung! Kurzum: „Der letzte Schrey“ ist eine nette, leichte Komödie mit gutem Timing und einer kleinen Prise schwarzen Humors. Sehenswert!

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