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“Tatort: Das fleißige Lieschen”: Sehenswerte Premiere des neuen Saarbrücken-Duos

  • Am Ostermontag startet das neue Saarbrücker “Tatort”-Duo, bestehend aus Vladimir Burlakov und Daniel Sträßer, in seine Dienstzeit.
  • Ein sehenswerter, hoch emotionaler erster Fall, findet RND-Autor Ernst Corinth.
  • Auch wenn die Vergangenheitsbewältigung der Kommissare, die ein Geheimnis verbindet, den Mord manchmal in den Hintergrund rücken lässt.
Ernst Corinth
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Ausgerechnet an einem Feiertag treten die neuen Saarbrücker Kommissare Leo Hölzer und Adam Schürk ihren “Tatort”-Dienst an. Gespielt werden sie von Vladimir Burlakov und Daniel Sträßer, zwei noch recht unverbrauchte Gesichter im Fernsehen, die übrigens beide im Juli 1987 geboren sind.

Auch das Team um die zwei ist neu und ebenfalls noch ziemlich jung: Brigitte Urhausen als Hauptkommissarin Esther Baumann, Ines Marie Westernströer als Hauptkommissarin Pia Heinrich sowie die ältere Anna Böttcher als Rechtsmedizinerin Dr. Henny Wenzel. Allerdings spielen die Frauen zum Auftakt nur eine Nebenrolle. Das auch optisch nicht unattraktive Männerduo steht eindeutig im Mittelpunkt.

Keine reine Männerwirtschaft geplant

Aber in den kommenden Folgen, verspricht der verantwortliche Sender, sollen die Kommissarinnen durchaus mehr Gewicht bekommen. Eine reine Männerwirtschaft droht in Saarbrücken also offenbar nicht.

Der Neustart am Ostermontag mit dem eine lange Zeit mysteriös bleibenden Titel “Das fleißige Lieschen” (Regie: Christian Theede, Drehbuch: Hendrik Hölzemann) kann sich jedenfalls trotz einiger Schwächen durchaus sehen lassen. Bevor die beiden Kommissare in der Auftaktfolge zum ersten Mal aufeinandertreffen, zeigt der äußerlich so soft wirkende Schürk überraschende Schlagkraft: Nach 15 Jahren kehrt er nach Saarbrücken zurück und wird im Bus Zeuge, wie ein sehr rabiater Vater seinen Sohn zusammenstaucht. Kurzerhand nähert er sich dem Mann und versetzt ihm unbemerkt für die Mitreisenden mit den trefflichen Worten “Hey Arschloch” einen gezielten K.-o.-Schlag.

Schürk ist der Schlagkräftigere

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Auch im weiteren Verlauf des Films ist Schürk der Schlagkräftigere des Ermittlerduos und ein Typ, der nie zu lächeln scheint, dafür aber vortrefflich vielsagend gucken kann. Wie man im Film weiter erfährt, kennt er seinen sensiblen und offenbar unter einer Schießhemmung leidenden Kollegen Hölzer schon seit frühester Jugend. Beide sind engste Freunde gewesen, bis ein verhängnisvoller Zwischenfall die zwei getrennt hat.

Diese anrührende Vorgeschichte rund um ein dunkles Geheimnis spielt im Film dann eine wichtige Rolle und wird in regelmäßigen Rückblenden, die anfangs etwas verwirrend sind, erstaunlich ausführlich und ein wenig langatmig erzählt. Leider gerät dadurch auch die eigentliche Krimigeschichte bisweilen zu stark in den Hintergrund.

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Zudem könnte diese private Vergangenheitsbewältigung, die offenbar in den kommenden Folgen weiter gesponnen wird, zu einem erzählerischen Problem führen. Da nämlich das Saarbrücker Team nur einmal pro Jahr in der ARD ermittelt, lassen die großen Abstände zwischen den einzelnen Folgen ein horizontales Erzählen eigentlich kaum zu. Man vergisst einfach als Zuschauer die Zusammenhänge. Ein Problem sogar bei anderen öfter auftretenden “Tatort”-Teams wie beispielsweise dem aus Dortmund.

Natürlich wird auch gemordet

Natürlich wird auch in diesem Sonntagskrimi am Montagabend gemordet. Nach einem festlichen Essen im Hause des steinalten Patriarchen (Dieter Schaad) des Textilunternehmens Hofer wird dessen Enkel (Gabriel Raab) tot aufgefunden, getötet mit genau 60 Stößen. Zwar stellt sich bald heraus, dass der Tote spielsüchtig und finanziell pleite gewesen ist, was folgerichtig zu Ermittlungen in der zwielichtigen Wett- und Spielerszene führt. Dennoch ist schnell sein älterer Bruder (Moritz Führmann) der Hauptverdächtige.

Er hat bei dem Fest erfahren, dass er trotz seiner wesentlich besseren Qualifikation von seinem Großvater nicht als Erbe eingesetzt wird. Der Alte, wie er genannt wird, hält ihn wegen seiner Homosexualität für “entartet” und verweichlicht, und daher soll sein Bruder die Firma führen. Und überhaupt erinnert die autoritäre Geisteshaltung des Alten, die noch im Nationalsozialismus verwurzelt zu sein scheint, besonders Kommissar Schürk an seine eigene Familie.

Schürk will verbissen die Firmengeschichte aufarbeiten

Entsprechend verbissen beginnt er bei seinen Ermittlungen, die Firmengeschichte der Hofers aufzuarbeiten, da er in ihr die Gründe des Mordes vermutet. Wie sich dabei herausstellt, hat das Unternehmen im Dritten Reich Zwangsarbeiter beschäftigt – unter fürwahr unmenschlichen und sogar tödlichen Bedingungen.

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Und einer der damals Verantwortlichen ist der heutige Chef gewesen. Mehr darf aber an dieser Stelle nicht verraten werden, das würde sonst die Spannung bei diesem sehenswerten, hoch emotionalen “Tatort” zerstören. Einschalten lohnt sich also, vorausgesetzt, man mag Ermittler, die selbst eine sprichwörtliche Leiche im Keller haben.

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