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„Tatort“-Darstellerin ChrisTine Urspruch: „Wir werden sehr oft nicht gleichberechtigt bezahlt“

  • Sie spielt die wohl bekannteste „Tatort“-Assistentin: ChrisTine Urspruch ist Alberich im Münster-Krimi.
  • Im RND-Interview spricht die Schauspielerin über ihre Rolle und Witze über Kleinwüchsigkeit.
  • Außerdem kritisiert sie die mangelnde Familienfreundlichkeit und Diversität in der deutschen Fernsehbranche.
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Im neuen Münster-„Tatort“ steht Ihre Figur Silke Haller, auch Alberich genannt, mehr im Vordergrund als sonst. Wünschen Sie sich mehr solcher Fälle?

Natürlich. (lacht) Das war ein wunderbares Drehbuch, was meiner Rolle einen erheblichen Aufschwung gibt. Das würde ich mir mehr für die Zukunft wünschen.

Es wird richtig actionreich. Ihre Figur hat am Ende sogar eine Waffe in der Hand. Wie war das für Sie?

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Es war eine Herausforderung, eine Waffe in der Hand zu halten und auf jemanden zu richten. Natürlich sind wir Schauspieler und Schauspielerinnen, aber dennoch schwingt die Frage mit: Wie wäre das, wenn es echt wäre? Das hatte ich zum ersten Mal in dieser Form, und das macht schon was mit einem. Ich habe mir dreimal versichern lassen, dass die Waffe gesichert ist und nichts passieren kann. Ich könnte im echten Leben keine Waffe auf jemanden richten.

Werden Sie auf der Straße manchmal als Alberich oder Frau Haller angesprochen?

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Manchmal ist gut. (lacht) Ich werde fast täglich angesprochen. Ich habe immer Autogrammkarten in meiner Einkaufstasche dabei. Es sind einfach Millionen von Zuschauern, und die trifft man auch mal – ob beim Spaziergang am Bodensee oder im Kaufhaus in Berlin. Meistens ist das schön. Manchmal wünsche ich mir auch etwas Privatsphäre, gerade wenn ich mit meiner Tochter unterwegs bin. Aber das gehört zum Leben in der Öffentlichkeit dazu.

Silke Haller wird von Boerne immer Alberich genannt – nach dem mythischen Zwergenkönig. Auch sonst scherzt er gern über Ihre Kleinwüchsigkeit. Wie gehen Sie persönlich mit solchen Witzen um?

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Das kommt immer auf die Tagesform an. Wobei ich solche Witze in den letzten Jahren reduzierter wahrnehme. Ich habe jetzt auch ein gewisses Alter und eine Erfahrung erreicht, sodass das nicht mehr im Vordergrund steht. Manchmal nervt es mich, immer wieder auf meine Größe reduziert und gefragt zu werden, ob ich sehr darunter gelitten habe. Es hat sich für mich nie wirklich so angefühlt. Natürlich kann man sagen, dass mir wegen meiner Kleinwüchsigkeit gewisse Rollen nicht angeboten werden. Dafür kann ich wiederum andere Rollen gut besetzen. Man kann sich beweisen durch das, was man ist und tut, egal wie groß oder klein man ist.

Es sind also Angebote ausgeblieben, aber dafür haben sich andere Türen geöffnet?

So kann man das sagen. Natürlich weiß ich nicht, warum Caster mich nicht für eine Rolle vorgeschlagen haben. Das tut ein bisschen weh. Aber ich habe unterm Strich immer gute Rollenangebote bekommen. Man muss so was auch immer an seine Lebenssituation anpassen. Ich bin Mutter einer Tochter und froh, dass ich nicht nur in der Welt umherkutschiere, weil ich auch Zeit für meine Familie und meine Tochter brauche. Der Spagat zwischen Beruf und Privatleben ist nicht ohne. Da ist es eigentlich egal, ob ich kleinwüchsig und möglicherweise auf bestimmte Rollen festgelegt bin. Das heißt aber nicht, dass ich mich unter Wert verkaufe. Ich habe großen Ehrgeiz im Beruf und möchte immer noch weiterkommen, auch indem ich Opfer bringe. Und familiär sind das manchmal große Opfer. Aber die bin ich bereit zu geben unter der Prämisse, dass meine Familie das mitträgt.

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Wie steht es denn um die Familienfreundlichkeit, aber auch Diversität in der deutschen Fernsehlandschaft?

Die Familienfreundlichkeit ist in der TV-Branche schwierig. Ohne Kindermädchen und ohne Freiräume, die man sich schafft, geht es nicht. Das ist nicht sehr familienkompatibel. Diversität ist noch mal ein anderes Thema, was uns Frauen vor allem betrifft. Equal Pay ist da ein Stichwort: Wir werden sehr oft nicht gleichberechtigt bezahlt. Außerdem ist es so, dass für Frauen ab einem bestimmten Alter weniger Rollen geschrieben werden. Wir sind aber auf dem Weg der Besserung. Was ich in den letzten Jahren positiv sehe, ist, dass wir häufiger Regisseurinnen in den Fernsehproduktionen haben, auch bei uns im „Tatort“.

Zum Stichwort Equal Pay: Haben Sie es schon konkret mitbekommen, dass Sie in einer Rolle weniger verdient haben als ein männlicher Kollege in ähnlicher Position?

Ja, natürlich. Ich möchte niemandem, der mehr Geld bekommt, das absprechen. Der wesentliche Punkt ist, dass oft wir Frauen hintanstehen. Es gibt einfach einen großen Unterschied zwischen Männern und Frauen bei Verhandlungen. Männer sagen oft: „Das steht mir zu.“ Frauen überlegen dreimal, ob sie das verdient haben. Das macht es uns schon schwer und hat natürlich mit Equal Pay zu tun, weil die Bezahlung nicht geschlechterabhängig sein sollte.

Im neuen „Tatort“ geht es auch um ein anderes, wichtiges Thema: die Diskriminierung Homosexueller, speziell auch homosexueller Polizisten. Hatten Sie sich vor dem Film schon mal damit auseinandergesetzt?

Ja, es gab zuletzt auch unter Schauspielkollegen und -kolleginnen eine große Umfrage zum Outing in der „Süddeutschen Zeitung“. Einige stehen dazu, aber es gibt auch eine große Dunkelziffer. Viele Schauspielerinnen oder Schauspieler haben Angst, dann gewisse Rollen nicht zu bekommen. Da findet eine Diskriminierung statt. Es passiert auch, dass Agenten oder Agentinnen sagen, dass man das lieber unterm Deckel halten soll. Wir sind da noch an einem sehr hinterwäldlerischen Punkt. Eigentlich sollte es keine Rolle spielen, welche Sexualität man hat. Es geht niemanden was an, mit wem ich ins Bett gehe. Es hat keinen Einfluss auf die Art, wie wir fiktive Geschichten erzählen.

Immer wieder greift der „Tatort“ gesellschaftlich relevante Themen auf. Macht ihn das Ihrer Meinung nach auch so erfolgreich?

Auf jeden Fall. Die Frage ist immer, wie man so ein Thema aufgreift. Der Münster-„Tatort“ wird oft verulkt als der clowneske, humorvolle „Tatort“. Dennoch behandeln wir gesellschaftliche Themen. In „Rhythm and Love“ geht es auch um freie Liebe, Homosexualität, und darum, was das im Polizeiberuf noch für ein Tabu ist. Wie es auch bei Fußballern zum Beispiel eines ist. Da geht es darum, inwieweit man solchen „Helden“ auch zugesteht, nicht nur zu tausend Prozent heterosexuell zu sein.

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