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Wiener „Tatort: Verschwörung“: ein gedopter Beamter und Bibi Fellner in Not

  • Wie schon beim vorherigen Fall des Wiener Duos lässt der „Tatort: Verschwörung“ (9. Mai, ARD) seine frühere Leichtigkeit vermissen.
  • Das Gefrotzel zwischen den Kommissaren Moritz Eisner und Bibi Fellner fehlt.
  • Stattdessen sind sie einer Verschwörung auf der Spur – wobei die Ermittlerin selbst in Gefahr gerät.
Ernst Corinth
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Wer hätte gedacht, dass man den legendären Inkasso-Heinzi (Simon Schwarz) mit seinen schicken Protzschlitten noch mal vermissen würde? Und selbst der wunderbar stoffelige Assistent Fredo fehlt einem inzwischen beim Wiener „Tatort“, dem ganz offensichtlich die frühere Leichtigkeit und besonders der Schmäh abhanden gekommen ist. So hat es schon beim vorletzten Fall „Die Amme“ im März nichts mehr zu lachen gegeben. Die Stimmung des Films war düster und bedrückend, und das Wiener Markenzeichen, das amüsante Gefrotzel zwischen den beiden Ermittlern, war dabei verloren gegangen.

Leider war das kein einmaliger Ausrutscher. Auch der neueste Fall „Verschwörung“ (9. Mai, ARD, 20.15 Uhr), den die beiden „Tatort“-Neulinge Claudia Jüptner-Jonstorff (Regie) und Ivo Schneider (Drehbuch) zu verantworten haben, ist wieder eher ernst als heiter, und vor allem thematisch so überfrachtet, dass die angerissenen Themen und Probleme gleich für mehrere Filme gereicht hätten.

Korruption, Doping, Spielsucht – in diesem „Tatort“ ist alles dabei

So geht’s natürlich um die im Titel beschworene Verschwörung, aber auch um Korruption, Doping, Spielsucht, Bodenspekulation, Eifersüchteleien und sogar um einen schnöden Nachbarschaftsstreit. Und wie inzwischen in beinahe jedem zweiten deutschen TV-Krimi beginnt alles mit einer Vorblende, also mit einer Szene mitten aus der Handlung, um dann die Geschichte von da an erst einmal rückblickend zu erzählen.

Da sitzt also Oberstleutnant Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) vom Bundeskriminalamt schwitzend im Arbeitsamt. Draußen ist es fürchterlich heiß, der Schweiß rinnt ihm von der Stirn, und als er dann endlich an der Reihe ist, erfährt man überrascht, dass er nach all seinen vielen Dienstjahren auf Arbeitssuche ist. Notgedrungen, denn eigentlich, sagt er der Frau vom Amt, habe er nur seinen Job gemacht.

Ein ziemlich kurioser Auftakt

Ein ziemlich kurioser Auftakt, der den Zuschauer neugierig machen soll auf die Vorgeschichte, die zu Eisners Kündigung geführt hat. Tatsächlich blendet der Film dann eine Woche zurück. Und man sieht seine Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuheuser) morgens durch einen Wald joggen, dabei trifft sie zufällig auf einen hohen Beamten des Innenministeriums, der dort ebenfalls joggt. Was sie nicht ahnt, aber der Zuschauer sieht, ist, dass dieser ganz offenbar unter schlimmsten Halluzinationen leidet.

Nach diesen Szenen beginnt dann der eigentliche Film mit einer Rückkehr. Eisner war nämlich in Den Haag. Er hat sich für einen Job bei Europol beworben, eine Stelle scheint ihm dort sicher. Als er davon gerade Fellner euphorisch erzählt, werden die beiden an einen Tatort am Rande von Wien gerufen. Ein Mann ist böse einen Hang hinabgestürzt, vermutlich beim Joggen. Und der tödlich Verunglückte ist der Mann aus dem Ministerium, dem Fellner morgens noch „pumperlgesund“ begegnet ist.

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Alles sieht nach einem Unfall aus

Alles sieht nach einem Unfall aus, aber bei der Obduktion entdeckt man in seinem Körper ein Dopingmittel. Und Fremdverschulden ist nicht völlig ausgeschlossen. Danach beginnen die üblichen Untersuchungen und routinierten Befragungen. Es gibt Verdächtige wie Sand am Meer: Die Frau (Lilly Epply) des Toten hat womöglich ein Verhältnis mit einem schnöseligen Sportarzt (Fabian Schiffkorn), der sich bestens mit Doping auskennt. Der arrogante und sehr einflussreiche Nachbar (Matthias Franz Stein) hat auch irgendwie Dreck am Stecken. Selbst der Bürgermeister der kleinen Gemeinde ist nicht ohne. Und dann ist da noch ein Gärtner – und Gärtner sind ja spätestens seit Reinhard Meys bekanntem Lied aus dem Jahre 1971 per se verdächtig.

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Dabei werden viele falsche Fährten gelegt, allerdings so viele, dass der Zuschauer völlig den Überblick und damit auch bald das Interesse an dem Film verliert. Die Enthüllung des wahren Mörders am Ende nimmt man nur noch achselzuckend zur Kenntnis. Genau wie die Drehbuchidee, dass die gute Bibi Fellner bei den Ermittlungen selbst in Lebensgefahr gerät. Genau das jedoch war schon beim letzten Mal der Fall und wird nach so kurzem Abstand auch nicht origineller.

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