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  • Tatort am Sonntag: Mit der neuen Folge "Pumpen" kommt der Krimi-Sonntag aus der Sommerpause

“Pumpen” in Wien: Erster “Tatort” nach der Sommerpause überzeugt mit schwarzem Humor

  • Krimifans können aufatmen: Die “Tatort”-Sommerpause endet am Sonntag – und der erste neue Fall kommt aus Österreich.
  • In “Pumpen” ermitteln Moritz Eisner und Bibi Fellner unter anderem in einem Fitnessstudio, was auch den Titel erklärt.
  • Wer schwarzen Humor mag, kann mit diesem Film viel Spaß haben.
Ernst Corinth
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Jetzt haben die Sonntagabende endlich wieder einen Sinn: Die diesmal besonders lange “Tatort”-Sommerpause ist vorbei. Und nach all den Wiederholungen der letzten Wochen startet die neue Saison mit einem völlig virenfreien Fall aus Wien. Der von Regisseur Andreas Kopriva inszenierte “Tatort: Pumpen” (Drehbuch: Karin Lomot, Robert Buchschwenter) wurde bereits 2019 abgedreht, als Aerosole noch ein Fremdwort waren und in Fitnessstudios noch ohne Maske und Abstand gepumpt – also mit schweren Gewichten trainiert – wurde.

Gepumpt wird in diesem Film von vorwiegend männlichen Muskelprotzen extrem viel. Sogar Moritz Eisner (Harald Krassnitzer), der hier wenige Tage vor seinem 60. Geburtstag zum 47. Mal ermittelt, wird von dem Fitnessvirus zumindest leicht infiziert. Mit seiner Fitness, wie man bei Verfolgungsjagden sehen kann, steht es nicht zum Besten. Aber statt schweißtreibendem Pumpen verzichtet er dann doch lieber nur auf fettes Essen.

Bibi Fellner (Adele Neuhauser) sorgt für eine Überraschung

Auch seine Partnerin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) sorgt gleich zu Anfang für eine kleine Überraschung. Zum ersten Mal sieht der Zuschauer die trockene Alkoholikerin recht freizügig im glückseligen Liebesrausch. Bloß wird das kleine Glück mit ihrem neuen Lover Franz gleich wieder zerstört, als nach einer ersten Liebesnacht morgens die Polizei vor der Tür ihres Liebhabers steht und sich nach einer angeblich dort gemeldeten Frau erkundigt. Die Folge ist ein eifersüchtiger Rosenkrieg, der sich unterhaltsam durch den ganzen Film zieht.

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Aber erst einmal muss Bibi mit ihrem Moritz ermitteln. Die beiden werden zu einem vermeintlichen Selbstmord an eine Bahnstrecke gerufen. Ein Mann ist von einem Zug arg bös überrollt worden. Sein zerschundener Körper liegt bei ihrem Eintreffen noch auf den Gleisen, auch sein künstliches Gebiss wird in der Nähe gefunden. Doch all diese schrecklichen Dinge, die zum Glück sehr dezent gezeigt werden, scheinen die beiden nicht besonders zu beeindrucken. Jedenfalls verzehren sie bei der Leichenschau scheinbar ungerührt ihren morgendlichen Imbiss und diskutieren dabei über Mord oder Selbstmord.

Schwarzhumorige Szene

Das ist eine richtig schwarzhumorige Szene – und schwarzen Humor muss man mögen, um seinen Spaß an diesem Film zu haben. So fahren beispielsweise Moritz und Bibi nach dem Pflichttermin in der Pathologie zu einem Imbissstand, wo der Kommissar sich dann ausgerechnet einen “Eitrigen” bestellt – eine Wurst mit Käsefüllung, wobei der Käse beim Verzehr wie Eiter aus einer Wunde tropft. Na dann, guten Appetit.

Besonders in der ersten Hälfte lebt dieser “Tatort” von solch makabren Szenen, zahlreichen kleinen Gags und dem witzigen Smalltalk seiner beiden Ermittler. Danach wird es allerdings richtig ernst. Und die Ermittlungen in dem Selbstmord, der sich schnell als Mord erweist, führen schließlich in eine überraschende Richtung. Dabei muss man allerdings wissen, was österreichische “E-Cards” sind; und zwar ermöglichen sie die elektronische Abwicklung von Arztkosten genauso wie die Überweisung der “Mindestsicherung” von Rentnern und Arbeitslosen. Das wird im Film leider nicht verraten. Und sei hiermit nachgeholt.

Zuerst führt die Spur in ein Fitnessstudio

Aber zuerst führt die Spur in ein Fitnessstudio, das den schönen Namen “Arni’s Studio” trägt. Dabei stoßen die Ermittler wenig überraschend auf dunkle Geschäfte mit Anabolika, die vermutlich von einer Balkanmafia betrieben werden. Ein Verdacht, der noch verstärkt wird durch die Aussage eines ehemaligen Polizeikollegen (Anton Noori), der dort auch regelmäßig pumpt. Und dass mal wieder besonders finster blickende Männer vom Balkan als Hauptverdächtige herhalten müssen, ist ein Klischee, dem sich der Wiener “Tatort” leider viel zu oft bedient. Da hilft auch keine Szene, in der Moritz einem über “Balkanesen” rassistisch schimpfenden Taxifahrer den Stinkefinger zeigt.

Ansonsten macht der Film einfach Spaß. Neben dem von ihm hübsch gepflegten Wiener Schmäh, gibt’s urige Typen wie die neugierige Nachbarin des Mordopfers. Auch der nicht abgesprochene und ziemlich unbedarfte Undercoveralleingang des übereifrigen Chefinspektors Fredo (Thomas Stipsits) sorgt für Abwechslung in dem Ermittlungseinerlei. Und richtig erfrischend ist, dass die gute Bibi endlich mal eine andere Seite zeigen darf. Kurzum: Der Start in die neue “Tatort”-Saison ist mit kleinen Abstrichen mehr als gelungen. So unterhaltsam macht der Sonntagabend wirklich Sinn!

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