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Neue Raab-Show bei TV Now: Ein Unfall mit Ansage

  • In der neuen Raab-Show „Täglich frisch geröstet“ versuchen sich B-Promis als Late-Night-Hosts.
  • Das Scheitern gehört in dieser Sendung zum Konzept – und wirft gleichzeitig eine Frage auf.
  • Wenn man 45 Minuten überhaupt nicht unterhalten wird, warum sollte man es sich dann angucken?
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Köln. Ralf Moeller als Host einer Late-Night-Show? Was soll da schon schiefgehen? Die Antwort liegt nahe: alles. Und genau damit hat Stefan Raab, TV-Legende und Produzent der neuen TV-Now-Show „Täglich frisch geröstet“, wahrscheinlich auch gerechnet.

Das Scheitern gehört zum Konzept seiner neuen Show. Halbwegs bekannte B-Promis versuchen sich als Late-Night-Hosts, fallen damit krachend auf die Nase und werden dafür hinter der Bühne von einem Comedyprofi „geröstet“. In der ersten Folge nimmt Olaf Schubert Ralf Moeller auseinander. Das Problem: Allein das reicht nicht, um die Sendung einigermaßen unterhaltsam zu machen. Sie ist ein Unfall mit Ansage – und die knapp 45 Minuten ziehen sich wie ein durchgekautes Kaugummi.

Müde Zoten und Lacher vom Band

Apropos durchgekaut: Wenn wenigstens die Gags einigermaßen originell wären, wäre schon viel gewonnen. „Täglich frisch geröstet“ fängt allerdings genau da an, wo „TV Total“ vor fünf Jahren aufgehört hat: mit müden Zoten, die sich diesmal immerhin nicht gegen Minderheiten richten – sondern gegen den Gastgeber der Show. Moeller wird als „Recke aus Recklinghausen“ vorgestellt, sein größter Erfolg: „Hai-Alarm auf Mallorca“, ein Trash-Fernsehfilm aus dem Jahre 2004. Moeller sei „leidenschaftlicher Tänzer“, so die Stimme aus dem Off. Gegen ihn wirke „John Travolta wie Kerstin Ott bei Let’s Dance“. Auch seine Freundschaft zu Arnold Schwarzenegger wird im Laufe der Sendung immer wieder ironisch thematisiert.

Dann betritt Moeller selbst die Bühne, im Gladiatorkostüm – in Anlehnung an einen weiteren seiner Erfolgsfilme. Die Band spielt typische „TV Total“-Funkmusik, heißt aber nicht mehr Heavytones sondern – Überraschung – Hai-Alarm auf Mallorca.

Mit dem Auftritt von Moeller beginnt auch die Arbeit von Schubert hinter der Bühne. Er kommentiert Moellers platte Gags süffisant, das meiste nimmt Moeller durch seine selbstironischen Texte jedoch bereits vorweg. Zudem fehlt ein wichtiges Korrektiv: das Publikum, das wegen der Corona-Pandemie zu Hause bleiben musste. Stattdessen spielen die Produzenten Lacher vom Band ein – und zwar an Stellen, an denen sicherlich niemand lachen würde. Das macht die ganze Sache nur noch schlimmer.

Ups, die Superpannenshow

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Dann nimmt sich Moeller weiter selbst aufs Korn. Bei „Täglich frisch geröstet“ dürfe in jeder Folge ein „neues Gesicht“ antreten, erklärt er und ergänzt: „Das heißt, nach meinem nächsten Lifting darf ich wiederkommen.“ Halbwegs solide Gags wie dieser werden jäh zerstört von kurzen Youtube-Clips, die kurz darauf eingespielt werden – etwa vom lachenden Dalai Lama. Dieses „Stilmittel“ erinnert ein wenig an die früheren „TV Total“-Nippel, die einst als rote Knöpfe auf Raabs Schreibtisch befestigt waren. Oder an „Ups, die Superpannenshow“.

Eigentlich fast schon bezeichnend: Die Mediengruppe RTL, Betreiber von TV Now und heutiger Partner von Stefan Raab, hatte im Jahre 2002 einmal mehr als 800.000 Euro an Lizenzgebühren von Raabs Produktionsfirma Brainpool gefordert, weil sich Raab in seiner Sendung immer wieder ungefragt an RTL-Ausschnitten bedient hatte. Der damalige RTL-Chefredakteur Hans Mahr sprach seinerzeit sogar von „schnödem Bilderklau“. Später einigte man sich außergerichtlich. Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, wie viel Fremdmaterial in Form von „Nippeln“ in der neuen Raab-Show steckt.

Aber zurück zur Sendung selbst: Moeller macht noch ein paar Witze über Arnold Schwarzenegger, Donald Trump und Jorge González, ehe er einen überdimensionalen Corona-Test absolviert und dann einem Barkeeper aufs Maul haut. Dann wird der Film „Hai-Alarm auf Mallorca 2“ angekündigt. Statt hier allerdings tatsächlich einen witzigen Filmausschnitt zu produzieren, belässt man es bei einem kurzen Trailer, in dem Möller einen Hai-Wecker kaputtschlägt. Auch hier wirkt die Sendung wie die letzten Tage von „TV Total“: Man hätte was draus machen können, hatte dann aber offenbar keine Lust.

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Ein Lichtblick: die Amateurband

Wenig neue Ideen erwarten den Zuschauer derweil auch in der Rubik „Burdeckipedia“, in der RTL-Eigengewächs Evelyn Burdecki („Ich bin ein Star – holt mich hier raus“) den heiligen Sankt Martin erklärt. Die Rubrik ist vergleichbar mit „Lukas erklärt“ von „TV Total“, also: Personen mit wenig Allgemeinbildung erklären Dinge. Ja, 2002 hat man über so was gelacht.

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Und auch der Talk auf dem Sofa zwischen Moeller und Schubert zieht sich. Statt hinter der Bühne röstet Schubert Moeller nun in persona, reitet ein bisschen auf der B-Promi-Schiene rum („Als ich Ralf Moeller gelesen habe, dachte ich, das sei ein Platzhalter. Ich dachte, da kommt jemand, den ich ... kenne.“), bleibt ansonsten aber harmlos. Aber was will man auch machen, wenn der Gast dank überschaubarer Relevanz so wenig Angriffsfläche bietet?

Ein kleiner Lichtblick der Sendung ist ausgerechnet ein Einspieler, der mit dem sonstigen Inhalt eigentlich gar nichts zu tun hat. Comedian Lutz van der Horst stellt im Musicstore in Köln eine Amateurband für den Reggaesänger Gentleman zusammen. Auch hier greift das Konzept „Scheitern mit Ansage“, nur dass es diesmal sogar einigermaßen unterhaltsam ist. Die Band spielt völlig aus dem Takt den Hit „Superior“, während Gentleman und seine Backgroundsängerinnen versuchen, das Beste draus zu machen. Der Sänger urteilt später: „Es gab so Sekunden, wo ein Ansatz von Groove da war.“

Wird’s mit anderen Promis besser?

Das Fazit zur Show liefert Olaf Schubert am Ende selbst. Von insgesamt 30 Punkten vergibt er zwölf an den „Recken aus Recklinghausen“. Sein Fazit: „Es gab Witze, die wirklich gut waren. Aber die haben vor dir deshalb auch schon 100 andere erzählt.“

Die Probleme der Show sind derweil noch etwas vielfältiger. Da ist der Gastgeber, der eben nicht mehr als ein B-Promi ist – die Fallhöhe, sich gehörig zu blamieren, ist also einigermaßen gering. Da ist der Roaster, der sich nicht traut, ernsthaft gemein zu sein. Wie auch, wenn der Host schon sämtliche Gags vorwegnimmt? Da ist die fehlende Relevanz der gesamten Sendung. Ein paar müde Gags über Donald Trump, sonst keinerlei Bezug zur aktuellen Nachrichtenlage. Und am Ende bleiben 45 Minuten Fernsehen, nach denen man sich fragt: Wer soll das eigentlich gucken? Warum will man sich 45 Minuten von einem Moderator unterhalten lassen, der einen nicht unterhalten kann?

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Natürlich bleibt am Ende die Hoffnung, dass andere Promikonstellationen die Sache noch ein wenig interessanter machen. In den kommenden Sendungen sollen unter anderem Reiner Calmund, Michael Mittermeier, Jorge González, Kai Pflaume, Nazan Eckes und Mario Basler zu sehen sein. Raab selbst ist überzeugt, die Sendung biete für „für jeden ambitionierten Late-Night-Gastgeber eine große Chance, sich beim Scheitern zusehen zu lassen, aber auch beim überraschenden Sieg“. Es sei sogar eine „neue Talentplattform“, sagt er in einem Interview, das von TV Now in einer Pressemitteilung verbreitet wird.

Es fehlt der Überraschungseffekt

Einen Wunschkandidaten für die Show hat Raab übrigens auch: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. „Die Einladung ist schon raus. Und wenn für Karl Lauterbach der Fame nach Corona weitergehen soll, muss sich der Karl jetzt schon mal Gedanken machen.“

Und, da muss man Raab recht geben: In so einer Konstellation und mit einem solchen Gastgeber könnte „Täglich frisch geröstet“ tatsächlich interessant werden. Wenn dort jemand stünde, der auch tatsächlich Angriffsfläche bieten würde, der eine gewisse Relevanz, einen gewissen Überraschungseffekt in die Sendung bringen würde.

Doch ohne einen solchen Host ist „Täglich frisch geröstet“ nicht mehr als eine weitere Variante des längst aus der Zeit gefallenen Formats „TV Total“. Nur dass der Moderator diesmal nicht gelangweilt ist, sondern schlichtweg langweilig. Das macht die Sache aber nicht besser.

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