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“Tagesschau”-Sprecher Jens Riewa: “Die Stimme ist wichtiger als der Sitz der Frisur”

  • Ende des Jahres geht Jan Hofer als Chefsprecher der “Tagesschau” in Rente.
  • Sein Nachfolger wird Jens Riewa.
  • Im Interview erzählt der 57-Jährige, was er von Hofer gelernt hat, was einen guten Chefsprecher ausmacht und wie er die Qualität der “Tagesschau” beibehalten will.
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Herr Riewa, erst mal herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neuen Job. Wie groß sind die Fußstapfen, in die Sie treten?

Jan ist, wie ich, ein bekannter Oberkörper. Unser Erlebnishorizont liegt oberhalb der Tischkante. Bei seiner Schuhgröße muss ich leider passen. Wahrscheinlich ähnlich geheim wie sein Geburtsdatum.

Was haben Sie von Jan Hofer gelernt?

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Jan ist für mich ein Vorbild darin, dass er ein “Arbeitstier” ist, hoch belastbar, auch im größten Stress die Ruhe bewahrend und höchst kollegial. Und was ich besonders schätze: Er ist Hanseat durch und durch, Handschlag zählt. Ich bedaure mehr, was ich nicht von ihm gelernt habe: zum Beispiel, einen Oldtimer zu restaurieren.

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Wie wird man eigentlich Chefsprecher: Gibt es eine klassische Bewerbung oder wird man von seinem Vorgänger gefragt?

Dem Ersten Chefredakteur von ARD-aktuell obliegt das Vorschlagsrecht für die Funktion der Chefsprecherin bzw. des Chefsprechers. Danach wird diskutiert und die Verantwortlichen entscheiden. Letztlich entschied sich das Haus für die Beibehaltung des bewährten Prinzips des Dienstalters, nach dem die Funktion bisher stets besetzt wurde.

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Was macht für Sie einen guten “Tagesschau”-Chefsprecher aus?

Ich habe während meiner Radiozeit eine exzellente Sprecherziehung genossen, die es in diesem Umfang in Westdeutschland gar nicht gab. Sie war so umfassend, dass ich mich gut gerüstet sehe, die Tätigkeit des professionellen Sprechers über viele Jahrzehnte ausüben zu können. Stete Selbstkontrolle zeichnet eine gute Sprecherin und einen guten Sprecher aus. Ich achte sehr auf Qualität, weil niemand gefeit ist vor Nachlässigkeiten, manchmal schleichen sich Marotten ein. Ich höre, ob jemand kalt den Dienst begonnen oder sich eingesprochen hat. Wie sitzt die Stimme? Das ist nun mal wichtiger als der Sitz der Frisur. Stimmt die Betonung? Und Ausstrahlung braucht´s, es muss was ankommen bei den Zuschauerinnen und Zuschauern.

Sie sprechen seit mehr als 25 Jahren die “Tagesschau” – der eigentliche Job ist für Sie also nicht neu. Welche Aufgaben kommen nun als Chefsprecher dazu? Und gibt es auch Vorteile oder Privilegien?

“Viel Spaß mit der Dienstplanung und auch an Weihnachten und Silvester.” Jan konnte sich bei der Dienstübergabe ein schelmisches Grinsen nicht verkneifen. Den Dienstplan regelt mittlerweile eine App, allerdings ist die nicht so perfekt wie Jans System. Da werden wir beide gemeinsam schauen, wie wir das hinbekommen. Der Chefsprecher ist und bleibt das entscheidende Verbindungsglied zwischen Chefredaktion und dem Team der Sprecherinnen und Sprecher. Mein Privileg ist die Verantwortung, Jan Hofer hatte dagegen noch ein eigenes Büro. (schmunzelt)

Wenn Sie auf die vorherigen Chefsprecher blicken – worin unterscheiden Sie sich von Ihnen, worin sind Sie sich ähnlich?

Vergleiche möchte ich vermeiden. Der langjährige Chefsprecher der Tagesschau, Werner Veigel, hat mich aber maßgeblich geprägt. Er war eine anerkannte Instanz. So manches, wofür er das Fundament gelegt hat, wirkt bis heute nach. Seine Kontinuität strebe ich zumindest an. Und seinen Humor. Der stets perfekt sprechende, gebürtige Niederländer wurde von mir mal korrigiert: "Werner, es heißt nicht Militär-ßpi-onage, sondern Schpieh-onage (er stolperte das s-p). Werner antwortete: “Das weiß ich, aber ich find’s chicker.” Danach prustete er vor Lachen ... Ich selbst würde gern das erfüllen, was ein uralter “Zeit”-Artikel mir seinerzeit für meine Wirkung auf dem Bildschirm zusprach: “unwiderstehlich öffentlich-rechtlich”.

Gibt es schon Ideen für neue Akzente, die Sie möglicherweise setzen wollen?

Aus früheren Zeiten kenne ich ein Mittel der Qualitätssicherung, das ich ganz gut finde: Zweimal im Jahr wurde eine Sendung aufgezeichnet und dann von externen Experten auseinandergenommen, nach allen Regeln der Kunst. Das diszipliniert ungemein und kommt der Sendung in sprecherischer Hinsicht nachhaltig zugute. Vielleicht beginne ich damit.

Mit Constantin Schreiber und Julia-Niharika Sen stoßen zwei junge Kollegen zum Team dazu. Was denken Sie über die Verstärkung?

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Ich würde gern Arabisch sprechen können wie Constantin Schreiber. Und Julia-Niharika Sen zeichnet eine bewunderungswerte Empathie aus. Beide sind höchst professionell und von daher eine willkommene Verstärkung des Teams.

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