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„Tagesschau“-Sprecher Constantin Schreiber: „Der Superman-Vergleich hat mich überrascht“

  • Constantin Schreiber ist der neue Sprecher der 20-Uhr-„Tagesschau“.
  • Sein Einstand am vergangenen Montag brachte ihm viel Lob ein.
  • Im RND-Interview spricht er über die erste Sendung, Reaktionen darauf und den Umgang mit „Lügenpresse“-Vorwürfen.
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Sie hatten am vergangenen Montag Ihren Einstand als Sprecher der 20-Uhr-Tagesschau und haben viel Lob bekommen. Wie wichtig ist Ihnen solche Anerkennung?

Es ist natürlich gut, wenn das positiv aufgenommen wird. Insofern hat mich das gefreut. Wobei es mir erstmal darum ging, die Sendung so gut, fehlerfrei und seriös wie möglich über die Bühne zu bekommen. Mir ist klar, dass die „Tagesschau“ auch ein besonderes Aushängeschild ist, an die Reaktionen habe ich erstmal nicht gedacht.

In den sozialen Medien wurden Sie nach der Sendung von einigen mit Superman verglichen und es wurde erwähnt, wie jung Sie doch aussehen. Wie reagieren Sie auf sowas?

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Ich fand es interessant, wie ich offenbar auf Leute wirke, die mich da zum Teil zum ersten Mal gesehen haben. Gerade der Superman-Vergleich hat mich überrascht. Ich sehe mich persönlich auch ein bisschen anders (lacht). Ich definiere mich in erster Linie eher als inhaltlich arbeitenden Journalisten. Dass auf dieser Bühne auch auf andere Dinge geachtet wird, ist mir aber klar.

Video
RND-Videoschalte mit Constantin Schreiber: "Die erste Sendung vergisst man nie"
4:08 min
RND-Redakteurin Hannah Scheiwe hat mit dem neuen "Tagesschau"-Sprecher, Constantin Schreiber, über seine erste Sendung gesprochen.  © RND

Was macht einen guten „Tagesschau“-Sprecher für Sie aus?

Das Kernelement dieses Jobs ist es, die Seriosität, für die die Marke steht, zu transportieren. Außerdem geht es darum, in dieser sehr formatierten Sendung funktionieren zu können. Andere Nachrichtensendungen sind ja moderiert, da kann man auch mal seine persönliche Anmoderation für ein Thema finden. Ich darf mich auch nicht viel bewegen. Bei der „Tagesschau“ gibt es nur die klassische Sprecherhaltung. Das ist etwas, was nicht jeder möchte oder kann.

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Wenn Sie es sich aussuchen können: Welche Nachricht würden Sie gern mal in der „Tagesschau“ verkünden?

„Die Corona-Pandemie ist überwunden.“ Wenn ich das mal sagen könnte, würde mir ein Stein vom Herzen fallen und vielen anderen Menschen auch.

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Sie haben als Jugendlicher längere Zeit in Syrien verbracht und dort Arabisch gelernt, was später auch Ihre Karriere prägte. Wie kam es damals dazu?

Freunde meiner Familie kamen aus Syrien und haben mich eingeladen, Zeit bei ihnen zu verbringen. Ich habe mir gedacht: Australien, USA, Großbritannien, da fahren viele hin, aber in den Neunzigern kannte ich noch niemanden, der nach Syrien gegangen ist, um dort zu leben. Also habe ich mich dazu entschieden. Dann war ich in Damaskus und habe vor dem Krieg und bevor Touristen dorthin gekommen sind, dieses wunderbare Land kennengelernt.

Später haben Sie Politiker auf ihre Nahostreisen begleitet, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel. Mit welchem Politiker oder welcher Politikerin würden Sie gern nochmal so eine Reise machen?

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Es kommt darauf an, was das für eine Reise ist. Ich habe einen ziemlichen Fokus auf Menschenrechte und Pressefreiheit, weil ich sehr kritisch beurteile und beobachte, wie wir in Deutschland einerseits immer sagen, dass wir für bestimmte Menschenrechte einstehen, und andererseits mit sehr fragwürdigen Regierungen auf der Welt recht eng zusammenarbeiten. Ich fände es spannend, mal mit einem Außenminister oder einer Außenministerin unterwegs zu sein und das kritisch zu begleiten, wie man diesen Spagat hinbekommt oder wie manche da vielleicht auch ängstlich sind, sich zu deutlich zu positionieren. Da würde ich mir manchmal deutlichere Handlungen wünschen, um mehr für das einzustehen, was wir für richtig halten.

2019 haben Sie die Deutsche Toleranzstiftung gegründet, die die Medienkompetenz von Schülern fördern und „Lügenpresse“-Vorwürfe entkräften soll. Wie reagieren Sie, wenn Ihnen jemand so etwas vorwirft?

Es ist tatsächlich ein paar Mal auf offener Straße passiert, dass wir mit einem Kamerateam gedreht haben und jemand uns als „Lügenpresse“ beschimpft hat. Da habe ich das einfach ignoriert. Es zieht aber nicht spurlos an mir vorbei. Das ist etwas, womit man sich auseinandersetzen muss: Woher kommt das? Wie kann man dem begegnen? Ich finde nach wie vor, dass das öffentlich-rechtliche System in Deutschland sehr wertvoll ist. Wenn man sich beispielsweise die Fernsehlandschaft in den USA anschaut, wo der freie Markt herrscht, würde wohl kaum jemand sagen, dass das etwas Erstrebenswertes ist. Dort finden viele Sachen oberflächlich und zugespitzt statt, weil es doch primär um Aufmerksamkeit und Ratings geht. Dass wir das nicht dem Wettbewerb der freien Kräfte überlassen, finde ich richtig und schützenswert. Deswegen ist eher die Frage: Woher kommen die Vorwürfe? Da denke ich, dass soziale Netzwerke eine unheilvolle Rolle spielen, weil es dort unglaublich leicht ist, sich auf das zu konzentrieren, was einem eben passt oder nicht passt. Und die Algorithmen tun ihr übriges. Wenn ich in der Ansicht lebe, dass es eine Lügenpresse gibt, bekomme ich bei Facebook, Twitter oder Youtube auch nur das angezeigt, was diese Meinung unterstützt.

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