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SWR hält tödlichen Schuss beim „Tatort“-Dreh für ausgeschlossen

Schreckschusswaffen in der Hand: Die Kommissarinnen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, links) und Johanna Stern (Lisa Bitter) verfolgen im SWR-„Tatort: Der böse König" einen Tatverdächtigen.

Der tödliche Vorfall am Filmset mit Hollywoodstar Alec Baldwin bewegt Menschen weltweit. Zumindest bei der Frage nach dem Warum sind die US-Ermittler inzwischen einen Schritt weiter: Die Waffe, die der Schauspieler abfeuerte, enthielt scharfe Munition. Dass so etwas beim Dreh des ARD-Krimis „Tatort“ nicht denkbar wäre, betont der Südwestrundfunk (SWR), der die Krimis mit den Teams aus Ludwigshafen, Stuttgart und dem Schwarzwald produziert.

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„In Deutschland dürfen am Set laut Waffengesetz nur Schreckschusswaffen eingesetzt werden. Die sind durch einen im Lauf eingeschweißten Stift so manipuliert, dass gar kein Projektil durch den Lauf ginge“, teilte SWR-Sprecherin Annette Gilcher auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) mit. Durch den Lauf würden nur Partikelchen passen, dadurch sei es möglich, beim Abfeuern der Platzpatronen eine Art Mündungsfeuer zu simulieren. Der Sicherheitsabstand zu Personen betrage dann drei Meter und es sei vorgeschrieben, dass ein Waffenmeister am Set ist. „Ohne Waffenmeister keine Platzpatronen“, so Gilcher.

Alle eingesetzten Requisitenwaffen müssen laut SWR außerdem ein eingeprägtes Siegel der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt tragen, das sie als Schreckschusswaffe freigibt. „Im eigentlichen Sinn sind das gar keine Schusswaffen“, betont Gilcher. Auch entspreche die Größe des Magazins nicht der von scharfer Munition, so dass sich die Waffen gar nicht laden ließen.

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„Im eigentlichen Sinn sind das gar keine Schusswaffen“

Zumindest bei Produktionen des SWR werden die Schreckschusspistolen auch nur selten abgefeuert, sagt die Sprecherin. „Der Knall ist sehr laut, das heißt, man muss die Ohren des Teams schützen.“ Deshalb werde meist mit einer völlig ungeladenen Waffe gearbeitet und der Schussknall später in der Postproduktion von Soundesignerinnen und Soundesignern eingefügt. „Der Rückschlag der Waffe ist ohnehin ein anderer als der von echten Waffen, muss also von den Darsteller:innen gespielt werden, selbst bei Platzpatronen. Meistens wird also gar nicht geschossen“, so Gilcher.

Zuvor hatte bereits der Regisseur Sönke Wortmann im Gespräch mit dem RND betont, er könne sich einen ähnlichen Vorfall wie am „Rust“-Set in Deutschland nicht vorstellen. „Aber ich hätte es mir auch in Amerika nicht vorstellen können“, ergänzte Wortmann.

Bei dem tragischen Vorfall in Santa Fe im US-Bundesstaat New Mexico war die Kamerafrau Halyna Hutchins (42) getötet und Regisseur Joel Souza (48) verletzt worden. „Die Waffe war funktionsfähig und gab scharfe Munition ab, die Ms. Hutchins tötete und Mr. Souza verletzte“, sagte Sheriff Adan Mendoza am Mittwoch.

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Am Set stießen die Ermittler auf drei Handfeuerwaffen und etwa 500 Munitionsladungen, darunter Platzpatronen und sogenannte Dummy-Patronen, die kein Schießpulver enthalten. Doch vermutlich war auch noch echte Munition darunter.

Auch ein Mitarbeiter am Set räumte Fehler bei den Sicherheitsvorkehrungen ein: Der Regieassistent sagte in einer Vernehmung, er habe die Waffe nur unvollständig geprüft und nicht alle Patronen inspiziert. Er könne sich auch nicht daran erinnern, ob die zuständige Waffenmeisterin die Trommel des Revolvers vollständig rotiert habe.

RND/seb/goe/dpa

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