Strafanzeige gegen die “taz”: Journalisten-Verband kritisiert Polizeigewerkschaften

Der Redaktionsraum der “taz”.

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Berlin. Eine Kolumne in der “taz” sorgt für Empörung bei der Polizei. In einem satirischen Beitrag sinniert die Autorin Hengameh Yaghoobifarah über mögliche Berufsalternativen für Polizisten – und kommt am Ende zu dem Schluss, dass da eigentlich nur “die Mülldeponie” bleibe.

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Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) stellten daraufhin Strafanzeige gegen die Zeitung und die Autorin. Zudem reichten die Gewerkschaften Beschwerde beim Deutschen Presserat ein. Der DPolG-Vorsitzende Rainer Wendt kündigte an, die Berufsvertretung werde “solche Denkweisen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen”. In einer Stellungnahme wird die Kolumne auch als “Volksverhetzung” bezeichnet.

DJV kritisiert Vorgehen der Gewerkschaften

Dieses Vorgehen allerdings stößt nun auf Kritik – und zwar beim Deutschen Journalisten-Verband. Dessen Sprecher, Hendrik Zörner, erklärt auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND): “Die ‘taz‘-Satire war starker Tobak, keine Frage. Darüber zu urteilen, ob medienethische Grenzen überschritten wurden, ist Aufgabe des Deutschen Presserats. Da muss man nicht gleich zum Gericht laufen und ‘Volksverhetzung’ rufen.”

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Auch auf Twitter äußerten sich einige Medienmacher kritisch zum Vorgehen der Polizeigewerkschaften. Die Autorin Hatice Ince beispielsweise schrieb: “Wenn die GdP doch nur so entschieden gegen die rechtsextremen Strukturen bei der Polizei vorgehen würde wie gegen einen Artikel der ‘taz’ ...”

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Beim Deutschen Presserat seien “mittlerweile zahlreiche Beschwerden gegen den ‘taz’-Beitrag” eingereicht worden, berichtet eine Sprecherin auf Anfrage. Diese würden jedoch “im Rahmen des üblichen Beschwerdeverfahrens” geprüft. Über den Ausgang des Verfahrens könnte man zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nichts sagen.

“taz” verteidigt Kolumne

In der “taz”-Kolumne hatte Autorin Yaghoobifarah angesichts der Debatte um Polizeigewalt mögliche Berufsalternativen für Polizisten in den Raum gestellt. Ihr Fazit: die Mülldeponie. Aber: “Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten.”

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Auch in der Medienbranche lösten diese Zeilen Kritik aus. Die “Neue Zürcher Zeitung” schrieb am Dienstag, die “taz” sei “bis auf Weiteres” ein Blatt, das “menschenfeindlichen Clickbait-Müll” publiziere.

“taz”-Chefredakteurin Barbara Junge äußerte sich am Mittwoch gegenüber dem Portal “Übermedien.de”: “Niemand in der ‘taz’ bezeichnet Menschen ernsthaft als Abfall”, so Junge zitiert. Aber: “Satire darf fast alles – und greift manchmal in seiner Wortwahl daneben. Autorinnen oder Autoren, die selbst mehrfach zum Ziel rassistischer Beleidigungen und Bedrohungen geworden sind, können gleichwohl ein anderes Verhältnis zu dem Thema haben und das in emotionalere und zugespitztere Worte fassen als Autorinnen oder Autoren ohne entsprechende Erfahrungen.”

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