Stillen mit Pornografie gleichgesetzt: Facebook zensiert Video

  • Ein britisches Unternehmen dreht ein Video über das Stillen von Säuglingen für den australischen Markt.
  • Facebook verbannt das Video von seiner Plattform – weil seine Richtlinien das Zeigen von Brustwarzen verbieten.
  • „Es gibt nichts Sexuelles an einer Mutter, die stillt“, sagt eine Marketingmanagerin des Babyflaschenherstellers Tommee Tippee.
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Dass das Stillen von Babys etwas ganz Natürliches ist, ist auch 2021 noch nicht überall angekommen. Auch heute noch gilt die weibliche Brust offenbar als unbedingt zu verbergendes Körperteil, obwohl es speziell in diesem Kontext eindeutig nicht erotisierend wirkt. Serienfans erinnern sich an die Auftaktfolge des Sky-Thrillers „The Undoing“ mit Nicole Kidman und Hugh Grant, in der sich eine Gruppe Frauen vielsagende Blicke zuwirft, als die junge Helena, das spätere Mordopfer, sich mitten in der Diskussion über eine Spendenaktion ihren Säugling an die Brust legt. Gehobene Auenbrauen allerseits, pikierte Blicke. Wie peinlich!

Jetzt hat auch Facebook einen Stillspot zensiert – wegen angeblich nicht jugendfreier Inhalte. Das britische Unternehmen Tommee Tippee hatte für den australischen Markt die Kampagne „The Boob Life“ (Das Brustleben) erstellt. Vorausgegangen war eine Studie der Firma, deren Ergebnis war, dass 93 Prozent der befragten Mütter befanden, die (emotionalen, psychischen und physischen) Herausforderungen des Stillens würden gesellschaftlich nicht genug gewürdigt.

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Der Werbefilm von Tommee Tippee zeigt Frauen beim Abpumpen und Stillen, unterbrochen von frechen grafischen Bruststilisierungen. Die Brüste waren dazu notwendigerweise nicht immer verdeckt. Und das habe, so berichtet das Magazin „Stern“, offenbar gegen die Werberichtlinien von Facebook verstoßen. Dort herrscht eine „no nipple policy“ – Brustwarzen dürfen nicht zu sehen sein.

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Das Unternehmen schnitt seinen Spot entsprechend neu. Wobei sich die Plattform auch geweigert haben soll, das neu gestaltete Video zu zeigen. Zu sehen ist bei Facebook jetzt nur eine 15-sekündige Anzeige der Produkte. Wer sich eine eigene Vorstellung machen möchte, kann die einminütige Version bei Youtube sehen.

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Ein natürlicher Vorgang wird mit Porno in einen Topf geworfen

„Die Zensur von ‚The Boob Life‘ dient nur dazu, veraltete Ansichten über Mütter und Frauen zu verstärken“, sagte Vanessa Gonzales, Marketingmanagerin von Tommee Tippee dem australischen Medienportal „B&T“. Facebook vermittle so, dass Stillen etwas Unanständiges sei, der natürliche Vorgang werde mit Pornografie gleichgestellt.

Sie hoffe, dass Facebook seine Werberegeln überdenkt. Gonzales: „Es gibt nichts Sexuelles an einer Mutter, die stillt.“

RND/big

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