Auftakt der Dschungelshow: nicht mehr als ein Notprogramm

  • Das Dschungelcamp muss in diesem Jahr coronabedingt ausfallen.
  • Stattdessen präsentiert RTL mit der „Dschungelshow“ ein merkwürdiges Showwirrwarr, dem jeglicher Charme fehlt.
  • Unser Autor fragt sich: Will man das ernsthaft zwei Wochen so durchziehen?
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Köln. Dass die neue „Dschungelshow“ bei RTL wirklich nichts mit dem herkömmlichen Qualitätsprogramm zu tun hat, machen Sonja Zietlow und Daniel Hartwich schon ganz am Anfang der Sendung deutlich. „Das hier ist nicht das Dschungelcamp“, betonen die Moderatoren. Und statt dem 17 Jahre lang einstudierten Schlachtruf „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ brüllt das Duo an diesem Abend „Hier sind drei Stars, sucht euch ein’ aus“ – nicht durch den australischen Regenwald, sondern durch das RTL-Studio in Hürth.

Die Anmoderation wirkt wie ein Haftungsausschluss, wie eine Entschuldigung, dass man bloß nicht zu viel erwarten möge von dem nun folgenden Spektakel. Und wo die Moderatoren recht haben, haben sie recht: Mit dem Dschungelcamp hat das coronabedingte Notfallprogramm, das der Sender am Freitag erstmals ausstrahlte, allenfalls Parallelen. Der einstige Charme des Realitydinos allerdings fehlt in diesem Format völlig.

Eigentlich hätte man auch 2021 wieder im australischen Dschungel drehen wollen. Es wäre die inzwischen 15. „Ibes“-Staffel gewesen, das große Jubiläum. Als Corona den Produzenten einen Strich durch die Rechnung machte, entschied man sich zunächst für eine Alternativshow aus Wales – und als auch die ins Wasser fallen musste, für einen merkwürdigen Showmix aus dem Kölner Umland.

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Bloß kein neuer Shitstorm

Diese Dschungelspezialsendung funktioniert ungefähr so: Alle drei Tage ziehen drei potenzielle Dschungelcamper in ein Tiny House auf dem Studiogelände, das so klein ist, dass es „zehn Mal ins echte Dschungelcamp passen“ würde. Hier leben die Kandidaten mit wenig Platz, dafür aber mit einem Plumpsklo ohne Wasser und fehlender Tür zusammen, machen Prüfungen und lassen Zuschauer für sich anrufen. Am Ende wird aus allen Teilnehmern ein Sieger auserkoren, der 2022 dann ins echte Dschungelcamp ziehen darf.

Kandidaten der ersten Show sind gleich drei „Stars“ von denen man zuvor wahrscheinlich nie gehört haben dürfte. Mit dabei Mike Heiter, ein Influencer und Realitystar („Ich habe meine Ex überlebt, also werde ich’s ja wohl auch in den Dschungel schaffen“), das Model Zoe Saip (bekannt aus „Germany’s Next Topmodel“ und diversen RTL-Krawallformaten) sowie Frank Fussbroich (ein Realityshowteilnehmer der frühen Neunzigerjahre).

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Gleich mehrfach wird an diesem Abend erwähnt, dass sich sämtliche Kandidaten zuvor selbstverständlich in Quarantäne befunden hätten und daher auch zusammen in einem Tiny House leben dürften. Nein, man will wirklich nichts falsch machen – einen weiteren Shitstorm will man nach Wendler-Gate bei RTL offenbar unbedingt vermeiden.

Oh du schönes Hürth

Auch die Moderatoren erwähnen noch mal ganz deutlich zu Beginn der Sendung: Nein, man müsse hier keinen Abstand halten – man sei schließlich getestet worden, und das sogar negativ. Und auch Sonja Zietlow behält an diesem Freitagabend ihre merkwürdigen Ansichten zur Pandemie, die ihr im Frühjahr vergangenen Jahres mächtig Ärger auf Facebook eingebracht hatten, glücklicherweise für sich.

Den fehlenden Glamour der Show übertüncht man derweil mit Witzen über den Produktionsort Hürth: „Zwischen Chemiepark, Wurstfabrik und zerbrochenen Träumen startet die härteste Show der Welt“, heißt es etwa im Intro der Sendung. Und auch Teilnehmer Frank Fussbroich stellt auf dem Weg ins Studio fest: „Ganz dunkler Himmel. Hier steig ich nicht aus.“

Weiter geht es mit Dauer-Running-Gag Thorsten Legat, der den Kandidaten noch mal ein kräftiges „Kasalla“ entgegenschleudert, ehe diese in ihr neues Heim einziehen und kurz darauf die erste Dschungelprüfung absolvieren müssen, die natürlich auch nur eine Dschungeltauglichkeitsprüfung ist.

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Die Dschungelprüfung bleibt erniedrigend

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Bei dieser hat sich ansonsten allerdings nichts geändert. Traditionell geht es um nicht mehr als Erniedrigung: Drei Kandidaten stehen in einem Bottich voller Wasser und werden mit wilden Tieren beschüttet – mindestens eine Kandidatin dreht durch, in diesem Fall Zoe. Alles wie immer.

Das allerdings ist nur einer von gleich mehreren Handlungssträngen, die RTL am Abend zu bieten hat: Die „Dschungelshow“ ist nicht nur ein Wettbewerb um den Einzug ins „echte“ Dschungelcamp, sondern zugleich auch eine Art Rückblick auf die vergangenen 14 Staffeln, für die sich zwar niemand mehr interessiert, mit denen man aber augenscheinlich reichlich Sendezeit füllen kann.

Als Gäste lud man gleich zwei Teilnehmer aus Staffel acht ein, nämlich Julian F. M. Stoeckel (wer?) und Melanie Müller (aha). Michael Wendler, der ebenfalls in Staffel 8 zu sehen war, schnitt man natürlich auch diesmal sicherheitshalber heraus und nannte ihn nur unter seinem Decknamen: „Lord Voldemort“.

Ein merkwürdiges Wirrwarr

Von dem, was das echte Dschungelcamp allerdings ausmacht, sieht man zum Auftakt jedoch herzlich wenig: Szenen vom Zusammenleben der Camper, bzw. Tiny Houser und deren Konflikten. Nur kurz nach der Dschungeltauglichkeitsprüfung kracht es mal kurz zwischen Model Zoe und Realityurgestein Frank. Auf die alltäglichen Konflikte des Zusammenlebens abgehalfteter Realitystars wartet der Zuschauer jedoch vergebens.

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Am Ende der Show blieben ein ungutes Gefühl und die Frage: Will man das jetzt ernsthaft zwei Wochen lang so durchziehen? Die Idee, trotz Corona noch irgendwas aus der Kultsendung herauszuschlagen, ist ja grundsätzlich keine falsche. Aber so? Hätte man nicht einfach eine kreative Studiokulisse bauen, die Kandidaten dort einsperren und ein alternatives Dschungelcamp aus Hürth senden können?

Ist es wirklich so relevant, dass all das in Australien stattfinden muss? Hätte man nicht einfach ein neues, sehr viel kreativeres Szenario erschaffen können? Möglicherweise hätte es der inzwischen doch recht angestaubten Show gut getan. So bleibt am Ende nur ein merkwürdiges Showwirrwar, das nichts Halbes und nichts Ganzes ist.



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