„Star Trek: Picard“: Zurück in der Zukunft

  • Eine Scifi-Ikone feiert ein starkes Comeback.
  • In der überragenden Serie „Star Trek: Picard“ schlüpft Sir Patrick Stewart wieder in seine Paraderolle.
  • Die Folgen sind ab 24. Januar bei Amazon Prime Video streambar.
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Los Angeles. Freude – schöner Götterfunken: Er ist zurück. Der Feingeist Jean-Luc Picard, ein Mann, der Literatur liebt und Musik, der sogar auf der ressikanischen Flöte, dem Instrument einer lang erloschenen Zivilisation, Mozart spielen kann. Der sich immer ein wenig schwertat mit kindlicher Fantasie und der deswegen womöglich auch der Science-Fiction nichts abgewinnen kann, wie er jetzt bei seiner Rückkehr einräumt. Dabei ist Picard selbst Science-Fiction reinsten Wassers, ein Winzersohn, dessen bester Freund eine künstlich erschaffene Lebensform namens Data war, ein Mann, der als Junge von den sonnenbeschienenen Hügeln Frankreichs in Galaxien vordrang, die nie ein Mensch zuvor gesehen hatte.

Wir schreiben das Jahr 2399. Dies sind die Ruhestandsjahre von Jean-Luc Picard, eines Admirals der Sternenflotte und früheren Captains des Raumschiffs „Enterprise“. Mit Baskenmütze und Spazierstock geht er an den Rebstöcken entlang. Die Weinlese ist nicht mehr weit, mit zwei romulanischen Angestellten bewirtschaftet der Pensionär das Gut seiner Vorfahren. Ein Idyll in Grün, gebadet in Sonne und den Dunst des frühen Tages. Hier wäre jeder gern zu Hause – Picard nicht. „Die Träume sind herrlich, das Erwachen ist es nicht“, seufzt er. Sein Hund heißt Number One (so nannte er auf der „Enterprise“ seinen Ersten Offizier), er träumt vom Kartenkloppen mit Data. Ad astra – zu den Sternen – zieht es ihn. Dort verbrachte er sein Leben, dort sind noch Rechnungen offen.

Politthriller im All

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Denn im Unfrieden hat Picard, den wir zuletzt im Kinofilm „Star Trek: Nemesis“ (2002) sahen, die Sternenflotte verlassen. Der Terrorakt eines Synths auf dem Mars, der den Tod Tausender Menschen verursachte, beendete vorzeitig die gewaltigste Evakuierungsaktion der Geschichte. Millionen Romulaner starben daraufhin in einer Supernova, alle künstlichen Lebensformen wurden verboten. Für Picard war dies der unverzeihliche Verrat der Föderation an ihren Idealen. „Unehrenhaft“, ja „kriminell“, nennt er die einstigen Entscheidungsträger in einem Fernsehinterview.

Dann taucht eine junge Frau (Isa Briones) bei ihm auf, die von Assassinen verfolgt wird und bei ihm Schutz sucht. Sie gleicht der Porträtierten auf einem Gemälde seines Freundes Data, das dieser „Tochter“ genannt hat. Picard kann ihren Tod nicht verhindern, aber er forscht nach dem Geheimnis ihrer Existenz und dem Grund für ihre Ermordung. Und er kommt einem alten Komplott auf die Spur. Wurde der Synth-Vorfall auf dem Mars einst inszeniert, um die Rettung der Erzfeinde Romulaner abblasen zu können? Er braucht ein Schiff, er wendet sich an seine alten Brötchengeber, er sagt, er sei sogar bereit, sich für die „letzte Mission“ zum Captain herabstufen zu lassen. „Gehen Sie nach Hause!“, wird ihm beschieden.

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In der Serie „Star Trek: Picard“ muss sich der Weltenretter und Humanist Picard belehren lassen, dass auf die Expertise des Alters, erst recht eines unbequemen Alten, verzichtet wird. Die Wahrheit, die er aufdecken möchte, das wird schnell klar, soll im Verborgenen bleiben, denn die Verschwörung von einst ist noch am Wirken. „Picard“, die siebte Realfilmserie aus dem „Star Trek“-Universum, ist ein Politthriller im All.

Zur „Star Trek“-Musik geht es zu unendlichen Weiten

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Die Wiederbegegnung mit der neben Kirk und Spock wohl ikonischsten Gestalt dieses Serienkosmos findet in einer großen, wie zu hören war auf drei Staffeln mit je zehn Episoden angelegten Geschichte statt. Der 79-jährige Space-Shakespearianer Sir Patrick Stewart macht allerbeste Figur in der Rolle seines Lebens, auch die anderen Charaktere sind gut ausgeleuchtet, die Dialoge haben Niveau und die Tricktechnik würde auch auf großer Leinwand überzeugen. Das Comeback ist rundum geglückt und kommt gerade recht, denn Science-Fiction-Epen haben Konjunktur. In einer Krisenzeit wie der unseren, in der allerorten sprießende Nationalismen den dringend nötigen globalen Schulterschluss bei der Bekämpfung des Klimawandels verzögern, in der viele schon das Ticken der Endzeituhr zu vernehmen glauben, vermittelt das Genre hinreichend Trost. Es gibt 2399 also noch eine Menschheit, Gott sei Dank, es gibt sogar noch grüne Weinberge, der geschundene Planet Erde leuchtet vom All aus noch blau. Auch wenn weiterhin soziale Klüfte bestehen, Intoleranz und Rassismus noch vorherrschen und Kriegstreiber Fäden ziehen. Wir haben noch Zukunft.

In der sich das Gute nicht so einfach wegschicken lässt. Picard treibt privat ein handliches Schiff auf, dazu einen handfesten Piloten, der ein wenig kühn und durchgeknallt ist wie Han Solo von der „Star Wars“-Konkurrenz, und ein kleines Team, in das sich der Zuschauer vergaffen könnte. Am Ende der dritten Episode (drei wurden den Medien vorab zur Sichtung überlassen) hebt dieses Schiff ab. Zur altvertrauten „Star Trek“-Musik geht es ad astra. Und man ist glücklich zurück in der Zukunft.

„Star Trek: Picard“ ist ab 24. Januar bei Amazon Prime Video streambar.