Sonja Zietlows Hunde-Dating-Show im ZDF: viele Leckerlis und ein fieser Spruch

  • Wer geglaubt hat, Sonja Zietlow verstehe sich zuvorderst auf Lästermoderationen, sieht sich nach ihrem ZDF-Debüt getäuscht.
  • Die „Dschungelcamp“-Moderatorin vermittelt zum Auftakt von „Mein Hund fürs Leben“ mit ganz viel Empathie Tierheimhunde.
  • Dann rutscht ihr aber doch noch ein fieser Spruch raus.
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Wie ein kleiner Erdrutsch mag einem der Personaltransfer von den öffentlich-rechtlichen Sendern zur privaten Konkurrenz in diesen Tagen vorkommen. Sportmoderatoren (Matthias Opdenhövel) und Nachrichtenjournalisten (Linda Zervakis, Jan Hofer, Pinar Atalay) wechseln die Seiten, als sei das gebührenfinanzierte Fernsehen ein langsam sinkender Kreuzfahrtriese, von dem man sich retten müsste. Oder als hätte eine geheimnisvolle Sogwirkung eingesetzt, der sich keiner widersetzen kann.

Wirklich keiner? Aber nein! Ausgerechnet die langjährige RTL-Showmoderatorin Sonja Zietlow hat den umgekehrten Weg eingeschlagen und ist nun – wenn auch nicht exklusiv – im seniorenkompatiblen Sonntagsprogramm des ZDF gelandet, um dort herrenlose Vierbeiner an ein neues Herrchen oder Frauchen zu vermitteln. Ist ja allerhand.

Sonja Zietlow kann auch ungetrübte Freude vermitteln

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Zwar hat Zietlow schon in ihrer breit rezipierten Hauptbeschäftigung als „Dschungelcamp“-Moderatorin zahllose Tiere vermittelt. Die waren allerdings meist der Kriech- und Krabbelspezies zugehörig oder wurden als Speise gereicht, beides nicht zum Vergnügen der jeweiligen Empfänger. Dass die 53-Jährige nicht nur sehr vergnüglich Schadenfreude vermitteln kann, sondern auch ungetrübte und echte Freude, ist eine Erkenntnis, der man sich nach Ansicht ihres ZDF-Debüts nun schwerlich widersetzen kann.

„Mein Hund fürs Leben – Sonja Zietlows Pfoten-Team“ heißt die neue Sendung, bei der das spießig-schöne Wonneversprechen schon aus dem Titel tropft. Im Nachgang an den sonntäglichen „Fernsehgarten“ und das „Duell der Gartenprofis“ dürfte das ZDF bei der Auftaktausgabe genau jene Publikumsgruppe erwischt haben, die im TV das Gegenteil von Krawall schätzt. Man stelle sich den WDR-Klassiker „Tiere suchen ein Zuhause“ vor, gekreuzt mit der Dramaturgie einer freundlichen Datingshow und dem Schnittmuster des ZDF-Nachmittagshits „Bares für Rares“. Das alles umgesetzt nach international erprobtem Erfolgskonzept („The Dog House“). Was soll da schiefgehen?

Sollte sich die Einschaltquote des neuen Formats auch nur entfernt seiner Vermittlungsquote annähern, dürfte man der neuen Moderatorin in Mainz schon bald einen Rentenvertrag zur Unterschrift vorlegen. Kein Haustierwunsch bleibt unerfüllt im Reihenauftakt, und das kann man angesichts der prekären Vermittlungslage, die sich in vielen deutschen Tierheimen darbietet, für sich schon als Erfolg werten.

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„Ich weiß nicht, ob man das jetzt als Baby-Ersatz beschreiben könnte“

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„Wir haben auch nette Hunde, die es gut in ihren Familien hatten und vielleicht nur der Umstände halber abgegeben wurden“, sagt Tierpflegerin Ines in der ersten Folge. „Das ist aber leider die große Ausnahme.“ Echte Herausforderungen auf vier Beinen haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Tierheims Berlin vor der ZDF-Kamera gleichwohl nicht von der Leine gelassen.

Katzenfreundlich, kinderfreundlich, gut zu chauffieren und nicht zu groß – mit solch einem Gefährten wollen etwa Winfried und Andrea aus Elmshorn den Lebensabend geselliger machen. Man präsentiert ihnen nach dem Vorgespräch zum „Blind Date“ zwei zuckersüße Fellknäuel, die pure Lebenslust verströmen. Der Haken: Die beiden Zwergspitze Louis und Yves, aus einer Sicherstellung kommend, gibt es nur im Doppelpack. „Als ich die beiden Hunde gesehen habe, war mein erster Gedanke: Nein!“, stöhnt Winfried bei der Befragung. Aber Sonja Zietlow ahnt schon früh: „Winfried ist der Chef, aber Andrea hat das Sagen.“ Und Andrea ist blitzverliebt.

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Sehr herzig sind auch Bastian und Sasha aus Berlin, „ein Pärchen, das zur Corona-Zeit entstanden ist“, wie beide vor der Kamera erklären. Er sehe den Hund als Chance, „unsere Beziehung auf ein neues Level zu bringen“, hofft Bastian mit Blick auf seinen frankokanadischen Lebenspartner. Er schäkert: „Ich weiß nicht, ob man das jetzt als Baby-Ersatz beschreiben könnte.“

Der vermeintliche „Baby-Ersatz“ ist Border Terrier Willy, und der kackt beim Kennenlernen erst mal auf den Rasen. „Es ist dein Hund!“, frotzelt Sasha. Tatsächlich interessiert sich Willy aber mehr für ihn als für Bastian. Hunde-Kennerin Zietlow: „Das ist immer ein Problem, nicht, dass es zu Eifersüchteleien kommt!“ Doch auch diese Beziehungsvermittlung endet, wie sich später beim Hausbesuch zeigt, offenkundig glücklich.

„Es war, als wenn wir aufeinander gewartet hätten“

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Sehr rührend ist schließlich das Anliegen von Sabine, die mit ihren erwachsenen Kindern aus Odenthal ins Berliner Tierheim gereist ist. Seit Anfang des Jahres ist Sabine verwitwet, die Kinder ziehen bald aus. „Alleine sein find ich doof“, sagt sie und wünscht sich bei den Tierheimexperten einen Hund, der „anfängertauglich“ ist und „möglichst nicht sabbert“. Den gibt’s: Australien-Shepherd-Mischling Kasper, aus Rumänien stammend, erobert ihr Herz „mit seiner zurückhaltenden Art“. Sabine: „Es war, als wenn wir aufeinander gewartet hätten.“

Womöglich wird man so etwas dereinst auch über das Verhältnis von Sonja Zietlow und dem ZDF sagen: „Es ist, als wenn sie aufeinander gewartet hätten.“ Zietlow, die sich seit vielen Jahren für in Not geratene Hunde einsetzt, muss die Hundenärrin nicht spielen, sie ist eine. Und sie muss sich auch nicht über Gebühr verstellen. Immerhin einen Lästerspruch ließen die neuen ZDF-Kollegen der „Dschungelcamp“-Veteranin durchgehen: „Auch 300 Kilometer weiter gibt es pelzigen Nachwuchs. Ach nee, das ist der Bauch von Sasha.“ Der sollte fürs öffentlich-rechtliche Nachmittagspublikum gerade noch verkraftbar sein.

RND/Teleschau

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