Sonja Zietlow: „Aus diesem Grund passen Mensch und Hund so gut zusammen“

  • Dschungelcamp-Moderatorin Sonja Zietlow ist seit langem begeisterte Hundehalterin.
  • Nun moderiert die 53-Jährige das ZDF-Doku-Format „Mein Hund fürs Leben“, in dem Vierbeinerhalter in spe nach einem Begleiter suchen.
  • Im Interview spricht Sonja Zietlow über die Magie zwischen Mensch und Hund.
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Aus dem Dschungelcamp ins Sonntagnachmittagsprogramm des ZDF: Sonja Zietlow moderiert das neue, fünfteilige Format „Mein Hund fürs Leben“ (ab Sonntag, 27. Juni, 14.55 Uhr im Zweiten). Im Interview spricht die 53-Jährige, die selbst im Tierschutz aktiv ist, über den zweifelhaften Hundeboom während der Pandemie, und die Frage, warum ein mit dem Schwanz wedelnder Vierbeiner den Menschen so guttut.

Darf man sagen, Sie moderieren jetzt eine Datingshow mit Hunden?

(lacht) Ja, es ist ein bisschen wie bei „Herzblatt“. Wir stellen Hunde aus dem Tierheim mit ihrer Geschichte vor. Und dann gibt es potenzielle Adoptanten – also Menschen, von denen wir glauben, dass sie gut zu diesem oder jenem Hund passen könnten. Und der spannendste Augenblick ist eben, wie bei „Herzblatt“, wenn sich die Schiebetür zu einem Garten öffnet und der Hund auf jene freudig erregte Menschen zuläuft, die sich überlegen, dieses Tier zu Hause aufzunehmen. Es ist ein wunderschöner Moment, der mich sehr berührt.

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Sitzen Sie dann auch in diesem Garten und warten gespannt?

Nein, ich sitze mit dem Tierpfleger in einem Häuschen mit Monitor. In dem für das TV-Format umgebauten Garten des Tierheims befinden sich fest installierte Kameras. Die übertragen das Geschehen zu uns heimlichen Beobachtern. Es soll ein ungestörter Moment zwischen den Menschen und ihrem „Hund fürs Leben“ festgehalten werden. Da würden wir nur stören.

„Die meisten Leute wollten keine Problemhunde, sondern Welpen“

Wer ist denn jetzt der „Bachelor“ oder die „Bachelorette“ in diesem Format – Mensch oder Hund?

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Man kann es nicht zu einhundert Prozent vergleichen, weil wir im Sinne von Tierwohl und auch Menschenwohl keine unterschiedlichen Konstellationen austesten. Im Prinzip suchen Menschen einen Hund – und wir versuchen, die richtigen „Matches“ zu finden. Wir tun das aufgrund dessen, was wir über Mensch und Tier wissen. Wenn sich ein Paar gefunden hat, besucht ein Kamerateam die Menschen und ihren Hund etwa drei Wochen nach der Adoption noch einmal zu Hause. Dann schaut man, wie sich die Sache entwickelt hat. Das ist auf jeden Fall noch mal eine sehr spannende Geschichte.

In der Pandemie war die Nachfrage nach Hunden sehr groß. Sie sind seit Langem im Tierschutz aktiv. Hat der „Run“ auf Haustiere während Corona zu einer Entlastung der Tierheime geführt?

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Nur bedingt. Die meisten Leute, die sich während der Pandemie zum Beispiel einen Hund anschaffen wollten, wollten keine Problemhunde aus dem Tierheim. Sie wollten Welpen. Das führte dann zu den bekannten Geschäftsmodellen der Welpenhändler, die Hunde viel zu früh und teilweise krank abgaben. Die landeten dann oft wieder im Tierheim. Außerdem wird dort befürchtet, dass mit dem Ende des Lockdowns auch viele Hunde wieder abgegeben werden. Zum Beispiel, weil Menschen aus dem Home Office an ihren Arbeitsplatz zurückkehren und nicht wissen, wohin mit dem Hund...

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Das Phänomen der Straßenhunde gibt es in Deutschland ja nicht. Heißt das, dass alle Hunde, die keiner haben will, in Tierheimen leben? Wie überlastet sind diese Einrichtungen?

Tierheime erhalten keine staatliche Unterstützung und arbeiten deshalb immer irgendwie am Rand der Überlastung, weil Personal und Ausstattung knapp sind. Es sind Institutionen, die auf Spenden angewiesen sind. Das Tierheim Berlin, in dem wir drehen, ist das größte in Europa. Es ist komplett spendenfinanziert. Einzig und allein, wenn Beschlagnahmungen von Tieren im Rahmen von Polizeieinsätzen stattfinden, zahlt der Staat den Tierheimen bei Übernahme der Tiere eine kleine Summe. Viele Menschen wissen gar nicht, dass Tierschutz fast ausschließlich auf privater Initiative funktioniert.

„Tiere spiegeln das wider, was man selber ist“

Wie viele Hunde haben Sie privat?

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Momentan zwei – und das soll auch erst mal so bleiben. Wir hatten auch mal vier, aber dahin wollen wir nicht zurück (lacht). Bei uns lebt ein italienischer Straßenhund, das könnte eine Mischung aus Windspiel und einer Terrier-Rasse sein. Diese Hündin ist schon dreizehneinhalb Jahre alt. Vor anderthalb Jahren haben wir dann noch eine griechische Straßenhündin aufgenommen, die bei einem Restaurant ausgesetzt wurde. So ein kleines, weißes Wesen, das einfach immer nur lustig ist und viel Spaß in unseren Haushalt bringt.

Wissen Sie, warum Sie sich Hunden so verbunden fühlen?

Es sind fröhliche Lebewesen, die immer im Hier und Jetzt leben. Wenn sie dir einmal ihre bedingungslose Liebe geschenkt haben, gibt es auch kein Zurück für sie. Man hat diese Zuneigung für sein ganzes Leben. Egal, was passiert. Was jetzt nicht heißt, dass ich von Menschen total enttäuscht wurde, und dass ich so eine verhärmte Alte bin (lacht). Auch wenn es sich altmodisch anhört: Uns Menschen tut es unglaublich gut, so einen treuen Begleiter zu haben. Aus diesem Grund passen Mensch und Hund so gut zusammen.

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Viele Menschen können sich Tieren gegenüber leichter öffnen als gegenüber Menschen. Da werden aus gehemmten, ängstlichen oder gar grimmigen Leuten auf einmal ganz andere Charaktere. Wie kann so etwas sein?

Tiere spiegeln das wider, was man selber ist. Menschen erkennen aber auch, dass Tiere nicht urteilen. Sie erzählen auch keine Geheimnisse weiter. In der Tierschutzorganisation, die ich gegründet habe, arbeiteten wir auch mit Therapiehunden. Da gibt es die typische Situation, dass Hunde bei Psychotherapien mit Kindern dabei sind. Und wenn der Therapeut dann mal den Raum verlässt und der Hund da bleibt, erzählen die Kinder nicht selten dem Hund, was sie wirklich bedrückt oder einfach, was sie erlebt haben. Wir Menschen wissen, dass unser Geheimnis bei ihnen bewahrt wird. Tiere haben keine Hintergedanken. Außer vielleicht den, dass sie gerne etwas zu Fressen bekommen würden (lacht).

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„Hyperaktive Kinder kann man gut mit Hühnern zusammenbringen“

Welche Arten von Therapiehunden gibt es – und in welche Richtung engagieren Sie sich?

Aktuell machen wir das mit der Ausbildung von Therapiehunden nicht mehr, weil wir es auf Dauer nicht finanziert bekommen haben. Man kann Hunde bei sehr unterschiedlichen Krankheitsbildern und in verschiedenen Lebensbereichen einsetzen. Zum Beispiel als Diabetiker-Warnhund bei Kindern. Die Hunde riechen es, wenn der Blutzuckerspiegel fällt. Die stupsen dann das Kind an oder werden darauf trainiert, dass sie vielleicht schnell eine Tüte Gummibärchen holen. Es gibt aber auch Begleithunde für Menschen mit Behinderungen und vieles andere mehr.

Was machen Sie heute mit Ihrer Organisation?

Wir unterstützen zum Beispiel einen Hof, auf dem Therapien mit Kindern stattfinden. Ich denke zum Beispiel an ein Geschwisterpaar, das die Mutter an den Krebs verloren hat und bei dem der Vater auch ziemlich angeschlagen ist. Auf diesem Hof können die beiden Kinder einfach regelmäßig mit Tieren spielen, sich mit ihnen austauschen und in diesem glücklichen Moment leben.

Also können Tiere auf unterschiedlichste Art den Menschen helfen?

Ja – und da gibt es Mechanismen, an die denkt man nicht unbedingt sofort. Hyperaktive Kinder kann man beispielsweise gut mit Hühnern zusammenbringen. Die Kinder müssen dann einfach ruhig werden, denn nur dann sind die Hühner ebenfalls ruhig. Was ich nicht wusste, ist, dass Hühner in so einem Fall auch sehr verschmust sein können.

Was haben Sie in Ihrem Leben von Tieren gelernt?

Oh, ganz viel. Ich glaube, dass Tiere die wahrsten und hellsten Geister auf diesem Planeten sind. Sie wissen, wie der Laden läuft – was wir Menschen ja gern mal ignorieren und das, obwohl wir ja auch irgendwie Tiere sind. Halt die einzigen, die auf zwei Beinen auf der Erde umher spazieren. Trotzdem man kann den Menschen fast vollständig in tierischen Kategorien beschreiben. Was ich an der Beziehung zwischen Mensch und Hund so faszinierend finde ist die Tatsache, dass Hunde die einzigen Tiere sind, die sich im Laufe der Evolution von sich aus an den Menschen gebunden haben. Insofern ist es auch eine gute Idee, mit Hunden zusammenzuleben.

RND/Teleschau

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