„Tatort“ geht in die Sommerpause: Diese Thriller-Alternativen können Sie streamen

  • Auch wenn „Tatort“ und „Polizeiruf“ sich in die Sommerpause verdrücken, muss man filmische Verbrechen nicht missen.
  • Auf verschiedenen Streamingdiensten warten Schurken und Gendarme darauf, einander das Leben schwer zu machen.
  • Und bescheren Fans von Thriller und Krimi atemlose Nächte.
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Sie kennen Ihre „Tatort“-Kommissare aus dem effeff – aber kennen Sie auch die Detektivin Dex Parios, die ihre Gegner in der Serie „Stumptown“ auf die Bretter schickt wie Nick Tschiller oder früher Horst Schimanski? Oder den Anwalt John Stone, der auf der Suche nach Gerechtigkeit gründlicher und beseelter ermittelt als jeder New Yorker Polizist der Serie „The Night of“? Wer in der Sommerpause von „Tatort“ und „Polizeiruf 110″ nicht auf beste Krimi- und Thrillerunterhaltung verzichten möchte, findet hier einige Streamingtipps:

„The Night of“ bei Sky: Taxi in den Untergang

„The Night of“ stammt aus der Feder des kongenialen Teams Richard Price und Steven Zaillian. Ein netter amerikanisch-pakistanischer Student leiht sich darin unerlaubt das Taxi seines Vaters, weil man ihn zum allerersten Mal auf eine Party eingeladen hat. Dort kommt er freilich nie an – schon bald ist er ein Mordverdächtiger, die Polizei stempelt ihn zum Täter ab und Nasir (Riz Ahmed) landet auf Rikers Island bei den ganz harten Knackis.

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Verloren wäre Nasir, gäbe es nicht den von Allergien gepeinigten Loser-Anwalt John Stone (John Turturro), der so feinsinnig ermittelt und dabei so massiv unterschätzt wird wie in der klassischen ARD/ZDF-Ära Inspektor Columbo. Perfekte acht Episoden, die man nie vergisst – bei Sky.

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„Your Honor“ bei Sky: Der Richter, der sein eigener Henker zu werden droht

„Breaking Bad“-Star Bryan Cranston spielt Michael Desiato, einen untadeligen weißen US-Richter, der beim morgendlichen Jogging sogar Polizeiarbeit erledigt, um die Unschuld einer schwarzen Frau nachweisen und ein gerechtes Urteil sprechen zu können. Auch als sein jugendlicher Sohn bei einem tödlichen Unfall Fahrerflucht begeht, will der Gerechteste der Gerechten zunächst, dass der Filius sich stellt – bis er erkennt, dass der führende New-Orleans-Mobster Jimmy Baxter (Michael Stuhlbarg) Vater des toten Bikers ist.

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Familie geht Desiato nun ein einziges Mal vor Moral, aus dem Hüter des Gesetzes wird ein Mitwisser, der Polizei, Gangster und lokale Politiker austricksen muss, um sein Fleisch und Blut vor blutiger Rache zu schützen. Gut gespielt, albtraumhaft in seiner Abwärtsspirale, eine (gelegentlich etwas konstruiert wirkende) Serie, die einem aber immer wieder den Atem verschlägt. Zehn Episoden bei Sky.

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„Boardwalk Empire“ bei Sky: Das „Babylon Berlin“ der US-Ostküste

Wer zu verbrecherischem Treiben historische Panoramen à la „Babylon Berlin“ braucht, der sollte einen Blick auf die USA des Jahres 1920 werfen. Die Prohibition ist in „Boardwalk Empire“ nur eine Lachnummer für die ehrenwerten Herren der Mafia, die schon zur Stunde null des Alkoholverbots die Korken knallen lassen. Gangsterzeit in Atlantic City, New York und Chicago. Martin Scorsese hat die Pilotfolge von „Boardwalk Empire“ selbst inszeniert, und Steve Buscemi als mafiöser Stadtkämmerer Enoch Thompson wird trotz seines kerbenvollen Kerbholzes schnell des Zuschauers Sympathieträger, weil er angesichts der ihn umgebenden Dummheit, die ihm einen Abgrund nach dem anderen öffnet, die traurigsten Augen der Welt macht, und weil er ein Pate von melancholischem Humor und gelegentlichem sozialen Gewissen ist.

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Es ist die Zeit von Lucky Luciano und dem cholerischen Scarface Al Capone, sie sind „Helden“ in einer großen, spannenden, gehaltvollen und komplexen Geschichte von illegaler Macht und dem Auge des Gesetzes, das es mit der Wacht unterschiedlich genau nimmt. Opulenter als die meisten Kinothriller ist diese Serie ausgestattet, die Besetzung ist Zucker, die Drehbücher sind erstklassig – so lebendig wurde diese Epoche seit ihrem Untergang nie mehr. Schon ein paar Jahre alt – immer noch grandios. 56 Folgen in fünf Staffeln bei Sky.

„Ripper Street“ bei Amazon Prime: Jack The Rippers Echo in Queen Victorias Straßen

Und noch mal Verbrecher und Verbrechensbekämpfer vor historischer Kulisse. Polizeiarbeit im London des späten 19. Jahrhunderts gibt es in „Ripper Street“ zu begutachten. Die Serie ist benannt nach dem Serienkiller Jack The Ripper, der zwischen dem 31. August und dem 9. November 1988 im East End seine „kanonischen 5“ Frauenmorde beging. Die Serie mit Anthony Macfadyen als verletzlichem Detective Inspector Edmund Reed, mit „Game of Thrones“-Bron Jerome Flynn als wenig zimperlichem Sergeant Bennet Drake und mit Adam Rothenberg als dem amerikanischen Forensiker Homer Jackson führt in ein alte, hierarchische Welt, in der sich allmählich die Moderne breitmacht. Die Schlote der Industrie haben die Hauptstadt verräuchert und zugenebelt, historische Viertel werden abgerissen, neue Bahnstrecken werden gebaut, deren Züge statt mit Kohle mit 500 Volt in Bewegung gesetzt werden sollen.

Die Serie beginnt, als Jack the Knife seine Taten eingestellt hat. Was Serienmacher Richard Warlow interessierte: „Wie kamen die Männer, die für die Sicherheit der Menschen in Whitechapel zuständig waren, damit klar, so spektakulär gescheitert zu sein?“ Davon ausgehend blickt „Ripper Street“ mit seinen Fällen in viele Milieus und man kann die alte Mutter Themse förmlich riechen. 36 Folgen in fünf Staffeln bei Amazon Prime.

Familienkrimi „Blue Bloods“ bei Sky: Und abends sitzen alle Cops bei Tisch

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Einst war er in „Magnum“ auf Hawaii der bestgelaunte Detektiv mit den buntesten Hemden. In „Blue Bloods“ ist Tom Selleck Frank Reagan, der rangerste Polizist von New York, der gern in seinen erneut mächtigen Schnauzbart hineinbrummelt und zum Lachen in den Asservatenkeller geht. Er ist Witwer, ein Sohn ist im Dienst gestorben, sein Zweitgeborener Danny (Donnie Wahlberg) ist ein besonders taffer Cop, sein zarter Jüngster Jamie (Will Estes) hat die Anwaltskarriere an den Nagel gehängt, um in der Stadt, die nie verbrechensfrei ist, der Familientradition Genüge zu tun, und Tochter Erin (Bridget Moynahan) ist Staatsanwältin.

Eine Serie für Fans des guten, alten Episodenkrimis – die Folgen sind spannend und manchmal sogar sehr spannend. Aber am Ende kommt das Aufatmen, wenn die Reagan-Familie vom Uropa bis zum Enkel vollzählig und palavernd am Essenstisch sitzt, was meist (nicht immer) so idyllisch abläuft wie bei den „Waltons“ vom Walton’s Mountain. Nur dass danach niemand in einen Stall geht, um Pferd und Kuh gute Nacht zu sagen. 226 Folgen in 11 Staffeln, streambar bei Sky (im linearen TV bei Kabel1).

„Mare of Easttown“ bei Sky: Kate Winslet ist hinreißend als müde Polizistin

Wenn Mare Sheehan (Kate Winslet) mal wieder deprimiert an ihrer E-Zigarette schmölkt, möchte man sie am liebsten in den Arm nehmen. Ein Geheimnis nach dem anderen deckt die Polizistin bei ihren Ermittlungen in ihrer kleinen Stadt in Pennsylvania auf. Nicht immer lässt sie dabei die nötige Vorsicht walten, einmal zu oft ist es ihr egal, wen sie damit vor den Kopf stößt, und dann begeht sie auch noch einen unverzeihlichen Fehler, in dem sie Privates und Berufliches vermischt.

Dennoch lässt Mare nicht locker, den tragischen Tod der jungen Mutter Erin aufzuklären und dem Verschwinden der Tochter einer alten Schulkollegin auf den Grund zu gehen. Eine edle Serie, bei der wie in den besten „Tatort“-Krimis Thrill und Drama perfekt ineinander greifen und die bis in die Nebenrollen vortrefflich besetzt ist. Sieben Episoden hat die Serie bei Sky, aber weil Winslet als müde Polizistin so hinreißend ist, würde man Mare gern die ganze Mittlebenskrise hindurch zuschauen.

„Sharp Objects“ bei Sky: Amy Adams in einer Stadt voller Geheimnisse

„Guter Stamm, schlechter Apfel“, sagt der Sheriff vor dem großen Konföderierten-Historienspiel, bei dem sich die Ereignisse dem Serientitel „Sharp Objects“ entsprechend, zuspitzen werden, über die Heldin. Dass Amy Adams diese gescholtene Frau spielt, ist allein Grund genug, sich an „Sharp Objects“ zu wagen. Ein zweiter Grund: Regisseur Jean Marc Vallée (erste Staffel von „Big Little Lies“, „Dallas Buyers Club“). Ein dritter: Gillian Flynn, Autorin der Romanvorlage („Gone Girl“). Und ein vierter: Serienschöpferin Marti Noxon („Buffy“, „Mad Men“, „Glee“, „Dietland“).

Adams ist die junge Journalistin Camille Preaker aus St. Louis, die von ihrem Chefredakteur auf eine mögliche Serienmördergeschichte angesetzt wird. In ihrer Heimatstadt Wind Gap wurde ein Mädchen ermordet, ein anderes ist verschwunden. Und so taucht Preaker widerwillig in den sommerdampfenden Staat Missouri, in eine Stadt, die zum Mittleren Westen gehört und zum abtrünnigen Süden zählt, eine Stadt voller Geheimnisse, Bigotterie und Homophobie, die durch die aktuellen Ereignisse niedergedrückt wird. Die Schreiberin ist nicht willkommen, als Weggelaufene wird sie selbst von ihrer seelisch angeknacksten Mutter Adora (Patricia Clarkson) abgelehnt, und nur die schwarze Haushälterin hat ein Lächeln und eine Umarmung für sie übrig.

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Mit dem ebenfalls von auswärts kommenden Detective Willis aus Kansas City (Chris Messina) versucht Camille eine Arbeitsallianz einzugehen, aber es wird schwierig, in einer verschränkten Stadt zu schreiben, in der nur geschwiegen, gelächelt und abgewiesen wird. Dann taucht das zweite Opfer auf, ein Verdächtiger steht am Pranger, und alles könnte erfolgreich werden für Camille, wären da nicht böse Erinnerungen, spukige Träume, der Schatten einer verstorbenen Schwester und zu viele Whiskyflaschen. Ein Thriller und Psychodrama, eine Geschichte von verwehrter Heimkehr und ein weiteres, nicht allzu vorteilhaftes Porträt des kleinstädtischen Amerika mit seinen Southern Belles, seiner Etikette, seinem Etepetete, seinen Rebellen, seinem Aberglauben und seiner Verschworenheit. Amy Adams ist gewohnt große Klasse als Detektivin, Vallée wickelt das Rätsel im Herz dieser Welt am Ende auf elegante Weise aus. Ein Muss in acht Episoden – bei Sky.

„Stumptown“ bei Sky: Detektivin Dex Parios schickt alle Kerle zu Boden

„Stumptown“ ist die Serie für „Tatort“-Maniacs, denen Action-Cops wie Nick Tschiller oder Horst Schimanski die Liebsten sind. Los geht’s mit einer irren Actionszene, in der zwei Schurken mit einem alten Ford Mustang über einen „Hubbel“ fahren. Aber das führt nun nicht wie in Quentin Tarantinos „Pulp Fiction“ zu einem ungewollten Schuss und viel Blut auf der Rückbank. Stattdessen springt ein Mixtape an, und Neil Diamond besingt seine „Sweet Caroline“. Worauf die beiden Schurken – nennen wir sie aufgrund der Optik Mr. Shampoolos und Mr. Bud Spencer II., als Chor einfallen. Deshalb bemerken sie nicht, wie sich die Besitzerin des Fords mit dem Feuerlöscher aus dem Kofferraum ins Wageninnere vorarbeitet.

Und – Zack! – hat der eine Galgenvogel Dex Parios‘ Stiefel auf dem Nasenbein, während der andere plötzlich den eigenen Sicherheitsgurt als Würgwaffe spürt und Löschpulver im Wageninneren die Straßensicht fatalst beeinträchtigt. So beginnt die Pilotfolge der Serie, die in Portland, Oregon, spielt, der Stadt am Columbia River mit dem atemraubenden Blick auf die Schneemütze des Dreitausenders Mount Hood. „Avengers“-Star Cobie Smulders spielt in der Verfilmung der Comics von Autor Greg Rucka und Zeichner Matthew Southworth die Afghanistan-Veteranin Dex, die quasi über Nacht zur Detektivin und Polizeihelferin wird. „Stumptown“ ist genau die richtige Unterhaltung für ein Pils und eine Handvoll Chips. Vor allem ist die Serie ein Fest für Männer. Eine biertrinkende Heldin mit Liebe zum Auto, wann hat man das schon mal? 18 Folgen bei Sky.

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